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extra gewalt: Eine Frage der Ehre
So wie Morsal ergeht es 5.000 Mädchen weltweit pro Jahr. Die Dunkelziffer liegt sogar bei 100.000. Von 1985 bis 2009 starben in Deutschland 90 Mädchen und Frauen im Alter von 1 (!!!)-40 Jahren. Da fragt man sich doch, warum? Warum bringt ein Vater seine Tochter um, warum tötet ein Bruder
seine Schwester? Und warum fühlen sie sich dazu auch noch berechtigt? Das Motiv ist immer die Ehre. Doch was unterscheidet die deutsche Ehre von der islamischen Ehre?
Die deutsche Ehre kann man sich verdienen, in dem man zum Beispiel einer alten Frau über die Straße hilft. Auch kann man sich geehrt fühlen. Ganz anders sieht es bei der islamischen Ehre aus. Diese Ehre kann man sich nicht verdienen, man verteidigt diese Ehre. In einer türkischen Familie tragen immer die Frauen die Ehre der gesamten Familie, auch die der Onkel und Tanten.
Seyran Ates, eine bekannte Frauenrechtlerin und Autorin des Buches „Multikulti-Irrtum“ beschreibt diese Ehre so: „Wer in einem türkischen Zusammenhang „namus“ (dt.: Ehre) hört, assoziiert damit zum überwiegenden Teil nicht etwas Positives, sondern eine Last, etwas, was es zu behüten gilt und wofür man bereit ist, sein Leben zu geben, etwas, was man ganz schnell verlieren kann und damit dann auch seine Existenzberechtigung.“
Und wenn man nicht bereit ist, alles für die Ehre der Familie zu geben, oder dafür zu sterben, wird man eben gewaltsam umgebracht, “denn das Ansehen des Mannes und seine Ehre stehen und fallen mit dem anständigen, gehorsamen Verhalten seiner weiblichen Familienmitglieder“, wie es Ayaan Hirsi Ali (Autorin von „Ich klage an.Ein Plädoyer für die Befreiung der muslimischen Frauen“) treffend beschreibt. Und um nicht zu einem „namussuz adam“, einem ehrlosen Mann, zu werden, tut Man(n) eben alles.
Was bedeutet EHRE für eine muslimische Frau
Die Ehre der Familie bedeutet für die Frau unter anderem sexuelle Enthaltsamkeit bis zur Ehe, also meistens bis zum 14 Lebensjahr, wenn die meisten zwangsverheiratet werden. Das Erschreckende dabei beschreibt Ayaan Hirsi Ali in ihrem Buch„Eine Frau mit einem beschädigten Jungfernhäutchen ist wie ein gebrauchter Gegenstand, müssen sich junge Muslima oft anhören. Ein Gegenstand, den man wohlgemerkt nur ein einziges Mal benutzen kann und der danach für immer wertlos ist.“Und weil der „Gegenstand“ dann für immer wertlos ist, bringt man „ihn“ einfach um? Ehre, das muss klar und ein für alle Male gesagt werden, bedeutet Einmischung in das Leben der Frau, was manche vielleicht als Ehrverteidigung abtun wollen.
Doch die muslimische oder islamische Ehre ist für den Mann ein Instrument totaler Kontrolle, die mit dem Tag der Geburt beginnt, denn die Männer sind die Garanten der Familienehre. Trägt sie zum Beispiel kein Kopftuch, ist sie eine Schande für die gesamte Familie, also muss sie durch Strafen zur Vernunft gebracht werden, oder sie muss verschwinden. Dann begeht der Mann, der Vater, der Freund oder der Bruder einen Ehrenmord. Einen Mord im Namen der Ehre. Der Mörder-denn nichts anderes ist der Mann, der den Mord begeht, für mich- darf auch noch stolz auf sich sein, denn damit hat er die Familienehre wieder hergestellt. Was ist das für eine Ungerechtigkeit? Ich meine, der Mörder verletzt die Familienehre tausendmal mehr wie die nun tote Frau, denn er hat das Leben seiner Schwester, Tochter oder Frau auf dem Gewissen!
Welche Gründe haben die Täter für den Mord
Es sind meistens die kleinen „Delikte“, die den Mann in seinen Augen zu dem Mord berechtigen. Lebt das Mädchen zu westlich? Will es kein Kopftuch tragen? Verweigert es die Zwangsheirat? Hält es sich nicht an die Regeln des Mannes, der über jede Bewegung der Frau entscheidet? Sucht es Hilfe bei einer Beratungsstelle oder in einem Frauenhaus? All das verletzt die Ehre. All das berechtigt zum Mord. In meinen Augen lebt das Mädchen einfach ihr Leben so, wie sie es sich wünscht und vorstellt. Für manche Muslime bedeutet das Strafe in Form von einem Mord.
Wann ist ein Mord ein Ehrenmord
Man kann einen Ehrenmord meistens gut von einem Mord unterscheiden, natürlich gibt es Ausnahmen, aber meistens gibt es bei allen Ehrenmorden bestimmte Gemeinsamkeiten: Stimmt die ganze Familie dem Mord zu, also fühlen sich alle von dem Mädchen oder der Frau in ihrer Ehre verletzt?
Wurde das Mädchen vorher gegen ihren Willen verheiratet, meistens mit einem deutlich älteren Mann? Hat der Mann „seiner“ Frau die Integration in die Gesellschaft verboten, also zum Beispiel durch Hausarrest?
Ist der Mord geplant, geschieht also nicht im Affekt? Wird der Mord vom jüngsten Familienmitglied ausgeführt, weil es die geringste Strafe zu erwarten hat? Da sieht man wieder, wie schlimm, skrupellos und grausam so ein Mord ist, wenn man ihn genau plant und ihn vom vielleicht erst 7-jährigen Sohn ausführen lässt, weil er ja noch sooo jung ist und vielleicht nie deswegen ins Gefängnis muss!
Ehrenmord oder Beziehungstat
Einen noch feineren Unterschied muss man zwischen einem Ehrenmord und einer Beziehungstat machen. Bei einer Beziehungstat ist meistens der Mann oder Exmann der Mörder, vielleicht auch der enttäuschte Liebhaber. Bei einem Ehrenmord, wie oben geschildert, kann der Mörder jeder aus der Familie sein. Vielleicht der Vater oder der Bruder?
Bei einer Beziehungstat hat die Frau die Möglichkeit der Sicherheit, sie kann sich an ein Frauenhaus wenden, an die Kirche oder sogar an die Polizei.
Einige Muslima jedoch nicht, denn sie können kein oder nur schlechtes Deutsch sprechen. Zudem hat die Muslima vielleicht Angst, weil sie aus der Türkei oder Pakistan oder dem Sudan kommt, sich an Deutsche zu wenden.Oftmals plagen sie auch Schuldgefühle. Doch weswegen? Warum??? Das
Mädchen hat es so gelernt. Es ist Teil ihrer Religion, ihrer Erziehung.Und noch einen erschreckenden Unterschied gibt es: Bei einer Beziehungstat
fühlt sich der Mörder oftmals schuldig, hat ein schlechtes Gewissen und bereut die Tat bestenfalls. Bei einem Ehrenmord fühlt sich der Mörder jedoch nicht schuldig, er ist stolz auf sich, denn er hat die Ehre der Familie wieder hergestellt, und falls sich jemand schuldig fühlt und trauert, z.B. die Schwester oder die Mutter, wird ihnen gedroht, vielleicht mit dem nächsten Ehrenmord – an einer von ihnen.
Darf man einen Ehrenmord Ehrenmord nennen
Viele verbinden mit dem Wort Ehrenmord etwas, was den Mann zu der Tat berechtigen könnte, weil das Wort EHRE enthalten ist. Doch, wie schon gesagt, die islamische Ehre ist nichts Positives, schon gar nicht für die betroffene Frau. Diese Ehre bedeutet die Herrschaft des Mannes über die Frau. Also darf der Ehrenmord auch als solcher bezeichnet werden. Auch im englischen (honour killings) und im türkischen (namus cinayetleri) wird der grausame Mord beim Namen genannt.
Aber zum Glück gibt es, im Gegensatz dazu, viele türkische und islamische Familien, die in Liebe und Vertrauen miteinander leben. Sie tolerieren es, wenn die Tochter zum Beispiel kein Kopftuch tragen will.
Diese Familien sollen Vorbilder für alle sein, die gemeinsam leben wollen. Jeder soll das Leben leben, das er leben will.
Dieser Artikel entstand im Rahmen des Projektes "thema macht Schule" am Friedrich-Schiller-Gymnasium in Ludwigsburg.
Weiterführende Links
im Jugendnetz:
- Alle Artikel zum extra gewalt
- Mehr zu thema macht Schule
- Stichwort Gewalt
- Stichwort Hilfe in Krisen
im weiteren WWW:
Quellen:
- www.ehrenmord.de
- Ayaan Hirsi Ali: „Ich klage an. Ein Plädoyer für die Befreiung der muslimischen Frauen“ ; ISBN: 3-492-04793-9
- Serap Cileli: „Eure Ehre – unser Leid“ ; ISBN: 978-3-7645-0301-7



