thema - Das Magazin

Drucken

Nach der Schule: Jura

Jura - ist das nicht verdammt trocken? Wer Jura studieren möchte, sollte Spaß an systhematischem Denken, viel Lernen und sachbezogenen Fällen haben.

 
 

Sachverhalt:


S, der gerade zum vierten Mal durch den kleinen Schein im Zivilrecht durchgefallen ist, beschließt seinen Frust in einer nahe gelegenen Stammkneipe zu ertränken. Gegen späten Abend, mit über 2 Promille, bietet er dem Studienkollegen K seinen Medicus BGB-AT für 10€ an. K nimmt erfreut an und drückt dem S sofort einen 10€ Schein in die Hand. Dieser steckt das Geld zu anderen zahlreich in seiner Geldbörse vorhandenen Scheinen. Es wurde vereinbart, dass sich K das Buch am nächsten Tag abholt. Dann begibt sich S nach Hause. Dort randaliert und flucht er im Treppenhaus so laut, dass ihm sein Vermieter V noch in derselben Nacht die schriftliche (längst fällige und daher gerechtfertigte) Kündigung des Mietvertrages übergibt.

Welche Ansprüche haben K und V gegen S?


Wer Jura studieren möchte, sollte Spaß an systematischem Denken, viel Lernen und Fällen, wie dem obenstehenden, haben.


Als ich mein Jurastudium im Oktober 2009 begann, war ich mir keineswegs sicher, ob das das Richtige für mich ist. Systematisches Denken gehörte nie zu meinen Stärken, was ich im Mathematikunterricht immer wieder aufs Neue zu spüren bekam, viel Lernen – wer möchte das schon - und mit Fällen wie dem obenstehenden wird man in der Schule nun mal selten konfrontiert.


Im März komme ich ins zweite Semester und bin mir inzwischen sicher, dass ich das richtige Studienfach gewählt habe.
Obwohl man im Jurastudium im ersten Semester noch keine Prüfungen ablegen muss, beginnen viele Studenten bereits mit dem Lernen. Es ist wie eine neue Welt, die sich einem öffnet – die vielen Paragraphen, Worte wie Gutachtenstil, Willenserklärungen oder Invitatio ad offerendum begegnen einem und man kommt sich ein bisschen vor wie der Mann vom Lande in Kafkas berühmter Türhüterparabel aus dem Roman der „Prozess“. Das Gesetz bleibt einem irgendwie verschlossen, es kommt einem übermächtig vor, man möchte es verstehen, aber irgendetwas hindert einen daran.
Mit der Zeit und mit viel Fleiß und Arbeit verbunden beginnt man jedoch ein bisschen zu verstehen, was sich der Gesetzgeber bei dieser oder jener Norm denkt, man bemerkt, wie interessant es ist, sich mit dem Recht auseinanderzusetzen und was für mich das Wichtigste war: Man bemerkt, dass es ein Studium ist, mit dem man viel erreichen, viel Gutes tun kann.

Im Allgemeinen werden die Jura-Studenten eher zu der Gruppe der „Hemdkragenhochsteller“ oder „Segelschuhträger“ abgestempelt, die sich, so sagt man, viel zu viel auf ihr Studium einbilden und mit ihrer Arroganz von den anderen Studenten abgrenzen. Doch man bemerkt schnell, dass sich diese Klischees nur teilweise bewahrheiten, denn im Grunde genommen sind die Jura-Studenten genau wie alle anderen Studenten – sie gehen gerne feiern, genießen die Semesterferien und versuchen ihr Studium bestmöglich abzuschließen. Ob der Hemdkragen nun nach oben gestellt ist oder nicht, ist doch eher nebensächlich.


Besucht man gegen Abend eine Universitätsbibliothek, kann man sich sicher sein, dass man viele Jura-Studenten antrifft, die den Kopf in ihre Gesetzestexte und Lehrbücher stecken. Die Rechtswissenschaft ist nun einmal ein Studium, bei dem viel gelesen, geblättert und gelernt werden muss.
Erzählt man jemandem, dass man Jura studiert, reagiert dieser meist mit der Frage: „Jura – ist das nicht verdammt trocken?“
Doch, wer das Lernen mag, das Ziel hat etwas Sinnvolles in seinem Leben zu tun und, wie mein Professor im letzten Semester immer sagte, „etwas fürs Leben lernen möchte“, der sollte tatsächlich über ein Jura-Studium nachdenken.

 

Verfasst von: Katharina Steinmeyer

Weitere Artikel der Financial T('a)ime findet ihr hier.

Schnellsuche:
 
Jugendstiftung Baden-Württemberg - Alle Rechte vorbehalten