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Guatemala: Im Land des ewigen Frühlings
Wo liegt Guatemala? Ich hatte damals, als mir eine Länderliste zugeschickt wurde, beliebig und mit Eifer verschiedene Länder angekreuzt. Guatemala war wohl auch mit dabei gewesen. Guatemala liegt auf der Landkarte gleich unter Mexiko. Ein kleines Land, vielleicht gerade mal so groß wie Süddeutschland, mit einer Einwohnerzahl von 12 Millionen Menschen, 3 Millionen davon leben in der Hauptstadt Guatemala Ciudad.
Alle erdenkliche Farben
Das Erste, was ich gemacht habe, war, mir einen Reiseführer über dieses Land zu kaufen und ab und zu darin zu schmökern, doch irgendwie konnte ich mir das Ganze noch nicht so ganz vorstellen. Schließlich war es soweit. Das Flugzeug Richtung Guatemala hob ab, mit 16 anderen deutschen Austauschschülern und mir an Bord. In diesem Moment konnte ich es noch gar nicht so richtig fassen, dass ich so weit weg einige Monate meines Lebens verbringen würde. Nach einem langen Flug landeten wir auf dem kleinen Flughafen der Hauptstadt, es hatte gerade geregnet und es war irgendwie gar nicht so warm, wie wir uns das alle ausgemalt hatten. Die Hitze in Guatemala jedoch sollte ich noch später zu spüren bekommen. Das Allererste, was einem als Europäer hier auffällt, sind die ganzen Farben, mit denen die Häuser angestrichen sind, ich glaube sie dienen dazu, die Armut etwas zu verbergen und das Ambiente lebensfroh zu gestalten. Nicht nur die Häuser sind sehr fröhlich bemalt, die typische Kleidung der so genannten Indigenas (Ureinwohner Guatemalas) besteht aus einem Rock und einer Bluse in allen erdenklichen Farben, die von Region zu Region variieren.
Ein ungewöhnliches Lernambiente
Bald schon ging es das erste Mal für mich in die Schule, und obwohl für mich sowieso alles noch total spanisch klang, wurde ich sehr herzlich von allen aufgenommen, angesprochen und ausgefragt. Meine neue Schule war eine Privatschule am Rande der Stadt, eigentlich schon im Urwald gelegen - Lernambiente inmitten von Kautschukbäumen und anderen Pflanzen, die ich vorher noch nie gesehen hatte. Die Schule war für mich einer der ersten Orte, neue Freundschaften zu knüpfen und mit dem guatemaltekischen Volk in Berührung zu kommen. Sehr gewöhnungsbedürftig für mich war zuerst einmal die Schuluniform: für Mädchen ein grün-brauner Faltenrock bis zu den Knien und eine weiße Bluse mit Schulabzeichen sowie braune Schuhe. Meine Gastfamilie bestand aus meinen Gasteltern und drei Gastschwestern, wovon aber nur eine wirklich die ganze Zeit mit mir daheim war. Mein Zuhause war ein kleines Paradies: Eine Hühnerfarm mitten in der Pampa mit Pferden, einem Swimmingpool, einem großen Haus inklusive drei Hausmädchen, die für uns kochten, wuschen und allerlei andere Dinge machten. Man muss dazu sagen, dass in Guatemala fast jede Familie, die es sich leisten kann, ein Hausmädchen hat, welches hilft, das Haus sauber zu halten.
Weihnachten und Ostern mal ein wenig anders
Ein besonderes Ereignis für mich war Weihnachten - ein paar Wochen vorher wird dann schon der Plastikbaum ausgepackt und das komplette Haus geschmückt. Eine komische Vorstellung, bei 30 Grad Hitze einen Schneemann zur Dekoration an die Wand zu hängen. Weihnachten an sich wird nicht so spektakulär wie in Deutschland gefeiert. Die ganze Familie kommt zusammen, um Mitternacht isst man zusammen einen „Tamal“, das ist wie salziger Grießbrei mit einer roten Soße, eingepackt in ein riesiges Bananenblatt. Dann werden ein paar Geschenke ausgepackt und ein Feuerwerk wie in Deutschland an Silvester gemacht.
Die Semana Santa, sozusagen die Osterwoche, wird hier auch ziemlich groß gefeiert. In jedem Dorf gibt es eine Menge kirchlicher Prozessionen zu bestaunen, die Heiligen der katholischen Kirche werden in der Stadt herumgetragen und die bunt gestreuten Farbteppiche aus gefärbten Holzspänen auf der Straße erzählen den Leidensweg von Jesus.
Viva Guatemala!
Mülleimer findet man in Guatemala normalerweise nicht, wer seine leere Wasserflasche im Bus nicht mehr braucht, schmeißt sie einfach aus dem Fenster, das ist ja schließlich bequemer. Das Wasser kann man nicht aus dem Hahn trinken, weil es zu dreckig ist, stattdessen trinkt man sauberes Wasser entweder aus Plastiktüten oder kleinen Flaschen. Obwohl Guatemala als ein sehr armes Land auf der Welt gilt, muss man nicht denken, die Menschen würden dort noch auf Bäumen leben - es gibt Internetcafés, die neuesten Kinofilme aus Hollywood, moderne Einkaufscenter und, und, und.

Herzliches, freundliches Volk
Die Guatemalteken sind ein herzliches, freundliches Volk, die gerne ausgelassen feiern, Party machen, Musik lieben, und ihr Leben vielleicht glücklicher und zufriedener als manch Europäer leben, und dabei macht das gar nichts aus, dass sie vielleicht gar nicht dieselben Voraussetzungen haben. In diesen 11 Monaten habe ich soviel über mich und andere Menschen gelernt, eine Menge Probleme bewältigt und gelernt, mich im Leben zurecht zu finden. Ich habe viele Freunde und eine zweite Familie für mich gefunden, eine andere Kultur kennen gelernt und für mich ist dieser Ort auf der anderen Seite der Weltkugel eine neue Heimat geworden.
Wollt ihr nicht auch so etwas erleben? Ich glaube, so etwas ist alle Mühe wert, und man kann überall auf dieser Welt glücklich werden. Viva Guatemala!
Weiterführende Links
im Jugendnetz:
- Stichwort Interkulturelle Begegnungen
- Stichwort Auslandsaufenthalt
- Stichwort Jugendaustausch
- Jugendnetz International: Länder-Infos, Tipps zu Auslandsaufenthalten, Ansprechpartner weltweit.
- Der Bereich Reisen in den Jungen Seiten
- Frage zum Thema Ausland? Stellt sie im Forum im Bereich Weltweit. Hier stehen euch Experten Rede und Antwort.
im weiteren WWW:
- Die Jugendaustauschorganisation AFS – Interkulturelle Begegnungen e.V.



