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Polen: Gastfreundschaft und Kavaliere

Polen: Gastfreundschaft und Kavaliere

Clemens, Alicja, Julia und Inge verbringen ein Schuljahr in Polen. Wie ihnen die Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Polen das Eingewöhnen erleichterte, inwiefern sich die Schule in Polen von der in Deutschland unterscheidet und warum dort so viele Feste gefeiert werden, erfahrt in diesem Bericht.

 
 

Unsere Gastfamilien haben uns sehr herzlich aufgenommen und durch viel Liebe und Gastfreundschaft das Einleben erleichtert. "Herzlich" ist das passendste Wort, um die Polen zu beschreiben. Es ist wundervoll, wie wir von allen Leuten mit offenen Armen empfangen wurden. Nicht nur unsere Gastfamilien sondern auch unsere Klassenkameraden haben uns vom ersten Tag an in ihre Gemeinschaft integriert, auch wenn die Schule etwas konservativer als in Deutschland ist.

Schick machen für den ersten Schultag

So ist es zum Beispiel ein unausgesprochenes Gesetz, dass man sich am ersten Schultag fein macht: Jungen müssen in Anzügen kommen und Mädchen in Bluse und Rock. Am ersten Schultag gibt es nur einen Appell mit einer Ansprache des Direktors, die Nationalhymne wird gespielt, diverse Bekanntmachungen gemacht und Preise verliehen. Danach bekommt man den Stundenplan und kann nach Hause gehen. Diese Appelle finden im Übrigen das ganze Jahr über immer mal wieder statt.

Wir besuchen die zweite Klasse des Liceums, was in Deutschland der zwölften Klasse entspricht. Unsere Klassenkameraden sind schon jetzt sehr im Stress, weil nächstes Jahr die Matura (Abitur) ansteht. Wir haben in der Schule schon eine Menge Bekanntschaften gemacht und neue Freunde gefunden. Leider wohnen viele Schüler außerhalb Toruns in den umliegenden Dörfern, was es schwierig macht, sich nachmittags mit ihnen zu treffen.

Was so oder so schon schwierig ist, da die Schule länger dauert. Der Unterricht beginnt normalerweise um 8 Uhr, die Stunden dauern 45 Minuten und dazwischen sind 10 Minuten Pause, in denen die Schüler Klassenräume wechseln und Musik in der Schule läuft. Außerdem müssen die polnischen Jugendlichen sehr viel für die Schule lernen, da in Polen die Arbeitslosigkeit so hoch ist, dass man ohne Studium kaum an einen Job kommt.

Es gibt immer einen Grund zum Feiern

Trotzdem feiern die Jugendlichen gerne und so oft wie möglich. So werden Geburtstage und häufig Namenstage gefeiert. Am Wochenende geht man mit Freunden in Clubs, um zu tanzen oder einfach nur zusammen rumzuhängen. Es feiern nicht nur die Jugendlichen, auch die ältere Generation macht gern "Party". Allerdings wird bei diesen Gelegenheiten hauptsächlich gegessen.

Es gibt ein Sprichwort, das geht so: „Iss, trink und mach den Gürtel locker“ und daran wird sich gehalten. Es wird jede Möglichkeit genutzt, um Freunde einzuladen und ein Festmahl aufzutischen. Zwei besondere Feiern sind zum Beispiel das Po³owinki (man feiert die Tatsache, dass man die Hälfte des Liceums hinter sich hat) und das Andrzejki (dabei feiert man den letzten Namenstag, Andrzej, vor der Fastenzeit).

Kavaliere der alten Schule

Apropos Fastenzeit: Trotz der Feiern sind die Polen allgemein recht katholisch und konservativ und gehen beispielsweise regelmäßig zur Kirche und essen freitags kein Fleisch. Im Übrigen sind die Jungs hier noch wirklich nach der „Kavalier alter Schule“-Masche erzogen und sind zu Personen weiblichen Geschlechts sehr höflich.

Eine Sache, die uns auch immer noch wundert ist die Tatsache, dass auch die Polen den Sinn einer Reise nach Polen nicht ganz verstehen konnten. Denn obwohl alle Polen ihr Heimatland über alles lieben und sehr stolz drauf sind, fühlen sie sich doch den westlichen Staaten unterlegen. Doch wir finden, dass Geld und Wohlstand nicht alles sind und nicht die Herzlichkeit der polnischen Leute ersetzen kann. Wir sind jedenfalls sehr glücklich mit unserer Entscheidung und genießen unser Leben hier in vollen Zügen.

Weiterführende Links

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