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extra leben: Auf Eindringlinge wird geschossen

extra leben: Auf Eindringlinge wird geschossen

Das Recht auf Waffenbesitz ist ein amerikanisches Bürgerrecht. Sophie Rebmann hat bei einem USA-Aufenthalt erlebt, wie manche Amerikaner mit der Waffe umgehen.

 
 

Zwei Typen von Waffenbesitzern

Auf Eindringlinge wird geschossen. Auf Überlebende wird nochmals geschossen." So steht es auf einem der Schilder, die bei meiner Freundin in Amerika das Grundstück säumen. Ihr Vater hat diese aufgestellt und trägt ständig eine geladene Waffe bei sich. Die Drohung hat er zum Glück noch nie wahrgemacht. In den USA besitzt jeder zweite Haushalt eine Schusswaffe. Dabei gibt es zwei Typen von Waffenbesitzern. Beide erkennt man schon daran, wie sie ihre Waffe aufbewahren.

Zum einen ist da der unerschrockene "Do-it-yourself"-Typ, der seine Waffe unter dem Kopfkissen versteckt, immer geladen und griffbereit. Er besitzt die Waffe, um sich im Ernstfall verteidigen zu können. Frei nach dem Motto "eine Waffe gehört in ein Haus, genauso wie ein Feuerlöscher" glaubt er, es sei die Pflicht jedes Amerikaners, Waffen zu besitzen, um seine Kinder und die Familie zu schützen. Einige dieser unerschrockenen Selbstverteidiger schließen sich in "bürgerliche Armeen" zusammen und üben an Wochenenden das Schießen, um sich im Ernstfall wehren zu können - notfalls auch "gegen die Regierung".

Der zweite Typ ist der stolze "Wildlife"-Typ, der seine Gewehre für die Jagd benutzt. Er plaziert sie meist in einer Glasvitrine, am besten für alle sichtbar im Wohnzimmer, neben einer amerikanischen Flagge und dem Bild des im Irak kämpfenden Sohnes.

Eine kurze Geschichte des Waffenbesitzes

Als 1979 die Menschenrechte der Verfassung der USA hinzugefügt wurden, wurde den Bürgern Amerikas das Recht zugesprochen, bewaffnet zu sein. Damals wurde es als nötig und fortschrittlich gesehen. Schon von Anfang an benötigten die Siedler ihre Waffen, um zu überleben. Bei der Eroberung neuer Gebiete mussten sie sich gegen Indianerstämme wehren, später brauchten sie die Waffen im Bürgerkrieg. So kam es auch, dass das Recht auf Waffenbesitz erst 1994 vom sogenannten  "Brady-Gesetz" eingeschränkt wurde, das aber lediglich den Verkauf von Gewehren an unter 18-Jährige, an psychisch Kranke und Straftäter verbietet. Trotz der Einschränkungen ist die Mordrate in den USA heute noch sehr hoch. 2007 wurden laut FBI 3,8 Morde auf 100 000 Menschen begangen. In Deutschland sind es im Vergleich nur 0,28 Morde.

Nur wenn wieder einmal ein schrecklicher Amoklauf passiert, scheinen ein  paar Amerikaner aufzuwachen. In Demonstrationen wird dann gegen des liberale Waffenrecht protestiert, das zuvor von allen begrüßt wurde und kaum jemanden störte. Dabei variiert die Härte der Waf- fengesetze von Staat zu Staat. Während in  Florida die Bürger das Recht besitzen, loszuschießen, sobald sie sich bedroht fühlen, dürfen in Kalifornien neben Polizisten nur  Menschen "mit gutem Charakter" eine Waffe besitzen. Aber zu Änderungen an den Gesetzen kommt es nicht. Zu stark ist der Einfluss  der Waffenlobby in den USA, der "National Rifle Association". Nach einem Amoklauf an einer Schule versprach Bill Clinton den amerikanischen Bürgern einmal, er würde das Waffengesetz ändern, wenn "sich zuerst die amerikanische Kultur ändere". Zu stark sah er das Recht der Amerikaner auf Waffenbesitz in der langen Tradtition verankert. Dabei scheinen die Amerikaner nicht zu begreifen, dass Waffengewalt meist mit neuer Gewalt erwidert wird. Bis zur Ankunft der Amerikaner auf dem Kontinent kannten die Ureinwohner keinerlei Schusswaffen.

An einem sonnigen Tag lagen meine Freundin und ich in der Bucht auf deren Steg. Ich zeigte auf einen Steg gegenüber und fragte sie nach den Menschen, die dort wohnten. Da meinte sie nur: "Mit denen haben wir nicht viel zu tun. Die dachten immer mein Vater sei ein komischer Kauz und redeten nie mit uns. Und außerdem hat mein Vater einmal auf ihr  Bootshaus geschossen."

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