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Zehn Monate Amerika

Zehn Monate Amerika

„Oh my God, she’s really tall!“ waren die ersten Worte meiner Gastmutter, als sie mich herzlich zur Begrüßung in den USA in die Arme schloss. Ich war unglaublich erschöpft, aufgeregt, aber auch heilfroh es endlich geschafft zu haben mein Abenteuer antreten zu können.

 
 

Die Idee als High-School-Student für zehn Monate in die USA zu reisen, kam von meinem Vater. Er hatte zuerst meine vier Jahre ältere Schwester gefragt, die sich aber ein solches Erlebnis nicht vorstellen konnte. Zu dem Zeitpunkt war ich zwölf Jahre alt und mir war klar: nach der 10 Klasse geht’s los nach Amerika.

Ein Jahr Planung und Vorbereitung

Die Planung dafür begann etwa ein Jahr vor Abreise. Im Internet habe ich mich über mögliche Regionen und Organisationen informiert. Education First (EF) war eine der größten und besten, die ich dabei fand. Somit erschien sie mir auch am vertrauenswürdigsten. Ab hier war es wirklich einfach. Auf der Internetseite konnte man einen Bewerbungsbogen ausfüllen und weitere Informationen anfordern. Die erste Vorausetzung hierfür war, dass ich kein Schuljahr in meiner Laufbahn wiederholt hatte. Anschließend musste ich mein Zeugnis vom letzten Schuljahr, in meinem Fall also das der 9. Klasse, beifügen. Ebenso wurde ein Bericht meines Sprachlehrers und Klassenlehrers angefordert.

Dabei war es für die Organisation wichtig zu sehen, ob ich gut mit Menschen umgehen kann, aufgeschlossen und anpassungsfähig bin. Was mir bei diesem Schritt, denke ich, sehr half, war der einwöchige Schüleraustausch mit Vitry, den ich bereits in der 9. Klasse gemacht hatte.

Vorstellungsgespräch

Nachdem die Formulare erfolgreich und mit guter Zusammenarbeit der Lehrer, die sehr kooperativ waren, ausgefüllt und abgeschickt worden waren, wurde ich zu einem Vorstellungsgespräch nach Würzburg eingeladen. Das Interview fand bei einer Mitarbeiterin von EF statt. Zunächst unterhielten wir uns auf Deutsch, wo auch meine Mutter für mögliche Fragen und Anmerkungen anwesend war. Die Mitarbeiterin stellte mir sehr persönliche Fragen: Zum Beispiel was ich in meiner Freizeit mache, warum ich mich entschlossen habe ein Jahr zu verreisen oder ob ich generell schnell Heimweh bekomme.

Nach dem Gespräch sagte sie mir, dass es für sie wichtig ist zu sehen, ob die Bewerber offene und freundliche Persönlichkeiten sind: „Introvertierte Leute finden meist keinen Anschluss in ihrer neuen Umgebung und bekommen schnell Heimweh.“  Anschließend kam der schwierigste, aber auch interessanteste Teil: Ein Interview auf Englisch. Hier waren die Fragen ähnlich. Am Anfang waren es sehr einfach. Fragen wie „What’s your name“ oder „Where are you from“. Dann steigerte sich das Niveau: Ich wurde gebeten, frei und ausführlich über meine Freizeitaktivitäten zu reden ebenso wie über meine Freunde und die Schule.

Wichtig: frei sprechen können

Wer hier nicht einigermaßen frei sprechen kann, hat eine sehr geringe Chance in das Programm aufgenommen zu werden. Allerdings kann man sich gut darauf vorbereiten, indem man zuvor englische Bücher liest, im Unterricht mündlich gut mitarbeitet oder englische Filme schaut. Ebenso kann man sich in etwa überlegen, was man auf die Frage, warum man sich entschieden hat hier mitzumachen, antworten wird. Im Interview dann immer freundlich lächeln, einen  selbstbewussten Eindruck machen und es kann nicht mehr viel schief gehen.

 Nachdem ich diesen Teil gut gemeistert hatte, sollte ich einen Brief an meine zukünftige Gastfamilie schreiben (Die ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht kannte). Wieder wurde mein Englisch, genauso wie  meine Einstellung zu der Entscheidung, ein Auslandsjahr anzutreten, auf die Probe gestellt. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch etwa elf Monate bis zur Abreise. Ungefähr einen Monat nach dem Interview bekam ich die Bestätigung, dass sich EF sehr freut mich bei meiner Reise nach Amerika begleiten zu dürfen.

Hohe Kosten

Nun folgte der schwerste Teil der Vorbereitung: Meine Eltern über die Kosten zu informieren und sie dazu zu bringen sie zu übernehmen. Der einzige Nachteil an solch großen Organisationen wie EF ist, dass sie vergleichsweise teuer sind. Alles in allem zahlten meine Eltern etwa 6.000 Euro (inklusive Flug) dafür, dass eine Gastfamilie für mich gefunden , Hilfe bei Versicherung und Visa geleistet wurde und ich mich auf Betreuung vor Ort verlassen konnte. Obwohl mein Vater der Sache noch etwas skeptisch gegenüber stand, machte er die Anzahlung. Schließlich war es ja seine Idee, mich zehn Monate ins Ausland zu schicken.

Die Zweifel, die er zu dem Zeitpunkt noch hatte, wurden ihm endgültig genommen, als sich alle Schüler aus der Region im April zu einem Vorbereitungstreffen in Stuttgart trafen. Hier wurde uns von drei EF Mitarbeitern erklärt, was alles auf uns zukommt. Ebenso, und das fand ich persönlich am interessantesten, waren vier sogenannte „Returnees“ anwesend. Diese sind geradeeben erst aus den Staaten zurückgekehrt und konnten uns all unsere Fragen beantworten. Zum Beispiel, ob High Schools wirklich dem Cheerleader-Footballspieler Klischee unterliegen oder welches das ideale Gastgeschenk sei.

Gute Vorbereitung

Seitdem der Vertrag mit EF unterschrieben wurde und es fest stand, dass ich mit Hilfe dieser Organisation ein Jahr verreisen werde, schickten sie mir jeden Monat Info-Blätter. Darauf wurde die amerikanische Kultur erklärt, über Feiertage, Schule und Sitten in diesem Land geredet. Ich wurde also perfekt auf das Jahr vorbereitet und das Warten wurde mir erleichtert. Ebenso bekam ich im Dezember meine Gastfamilie in Minnesota zugewiesen. Nun hatte ich die Möglichkeit mit ihnen per E-Mail Kontakt aufzunehmen - für Telefonate war ich zu schüchtern. Nun hatte ich nur noch bis Mitte August zu warten, den Realschulabschluss zu meistern und meine Freunde und Familie zu verabschieden, und schon ging es los.    

Wenn ich nun auf dieses Vorbereitungsjahr zurückblicke, würde ich wohl einiges anders machen. Zum Beispiel etwas besser recherchieren und eine bessere, und vor allem günstigere Organisation finden, die mich begleitet, da EF doch eine Makel bei der Vorortbetreuung hatte. Ebenso würde ich mich für eine schönere Region als Minnesota entscheiden,  allerdings habe ich auch diesen Staat lieben gelernt. Vor allem bin ich aber wirklich froh, diese Möglichkeit gehabt und vor allem ergriffen zu haben.

Dieser Artikel stammt aus der Financial T('a)ime, die mit Landespreisen und SPIEGEL-Bundespreis ausgezeichnete Schülerzeitung der Kaufmännischen Schule (mit Wirtschaftsgymnasium) Tauberbischofsheim, 2. Internet-Ausgabe.

Weiterführende Links

im Jugendnetz:

im weiteren WWW:

  • Die Organisation Education First (EF) bietet Sprachreisen, Akademische Programme und Kulturaustausch für jedes Alter. Bei den Tagen der offenen Tür in verschiedenen Städten Deutschlands können sich Interessenten kostenlos und unverbindlich informieren. Mehr Infos unter www.ef.com/opendoor.
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