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extra freiheit: Freiheit in Südafrika

extra freiheit: Freiheit in Südafrika

Fabian Müller verbringt nach dem Abi drei Monate in Kapstadt und macht dort verschiedene Praktika. Momentan arbeitet er für ein Menschenrechtsbüro. Seine Aufgaben bringen ihm spannende, aber auch erschreckende Einblicke von dem Leben im Süden Afrikas.

 
 
Fast fünfzehn Jahre sind mittlerweile schon seit dem Ende der Apartheid in Südafrika vergangen. Ein Mann, dem eine besondere Rolle beim Überwinden der gewaltvollen Rassentrennung zukam, ist Nelson Mandela. Zusammen mit anderen Mitstreitern verbrachte er insgesamt 27 Jahre seines Lebens in Gefängnissen. Während seines Kampfes gegen die Apartheid wurde er viele Male verhaftet. Die meiste Zeit in Haft verbrachte er auf Robben Island, Kapstadts Gefängnisinsel. Das Gefängnisgebäude beherbergt heute ein Museum. Mit anderen Besuchern bekomme ich beim Anblick der winzigen Zellen einen Eindruck vom damaligen Gefängnisleben.  Mandela muss lange Jahre des Wartens hier verbracht haben. Doch seine  Vision von der Freiheit aller Menschen in Südafrika war ihm wichtiger als seine eigene Freiheit. Deshalb lehnte er auch ein Angebot auf vorzeitige Freilassung ab, dass das die Bedingung stellte, aus der Politik  zurückzutreten.

Umbruch einer ganzen Nation

Wie schlimm die Zustände damals besonders für die schwarze und farbige Bevölkerung war, erfahre ich von meiner Gastfamilie. Trostlose Siedlungen weit außerhalb der Stadt wurden für die Menschen aus dem Boden gestampft. Diskriminierungen und bittere Armut waren an der Tagesordung. Die Machthaber trimmten das ganze Alltagsleben darauf, jeglichen Kontakt zwischen regierenden Weißen und dem diskriminierten Rest der Bevölkerung zu verhindern. Der African National Congress (ANC) kämpfte gegen die Unterdrückung der Menschen mit Mandela als einer der führenden Freiheitskämpfer. Nach seiner Freilassung auf nationalem und internationalem Druck hin im Jahre 1990 begann ein Prozess der Aufarbeitung der Ereignisse und der Demokratisierung. Schließlich besiegelten 1994 die ersten freien Wahlen das endgültige Ende der Apartheid und den Aufbruch in ein neues Südafrika. Für seine Verdienste im Kampf gegen die Apartheid gewann Mandela 1993 den Friedensnobelpreis.

Einflüsse auf die heutige Situation

Dieser größtenteils friedliche Umbruch brachte Südafrika bis heute Respekt und Achtung in der Weltgemeinschaft und machte es zu einem guten Beispiel für die Überwindung des Rassismus. Doch was ist davon im heutigen Südafrika noch geblieben? Was hat sich wirklich im Leben der einfachen Leute geändert? Offensichtlich ist, dass sich viele immer noch keine ausreichende Unterkunft, Bildung und medizinische Betreuung leisten können.  Ohne Bildung bekommen sie meist keine Arbeit und damit auch kein Geld. Staatliche Unterstützung ist immer noch selten. Andererseits bekommen viele in den Townships kostenlos Wasser und Strom von der Regierung gestellt. Dies jedoch erzeugt wiederum Neid bei denen, die auch arm sind und trotzdem keine solche Unterstützung bekommen. Unterdessen ist das Klische vom reichen Weißen in seiner Villa und dem schwarzen Gärtner immer noch wahr. Jeden Tag sehe ich Pickups, die vor ansehnlichen Anwesen halten. In Südafrika ist es normal, dass dann ein dutzend schwarzer Tagelöhner von der Ladefläche steigt um Gärten und Häuser in Schuss zu halten. Generell gibt es in Südafrika nicht so viele Vorschriften und Absicherungen, was manchmal gefährlich ist, aber den Menschen auch mehr Freiheit verschafft. Was in Deutschland undenkbar wäre, ist hier Alltag, zum Beispiel einfach über die Autobahn zu laufen oder volle Züge, die mit offenen Türen fahren. Andererseits führt die hohe Kriminalitätsrate dazu, dass die Bewegungsfreiheit vieler Leute eingeschränkt ist. Wir Freiwilligen müssen zum Beispiel nachts immer ein Taxi nehmen, da wir nicht bei Dunkelheit frei herum laufen dürfen.

Jugendliche in Gefängnissen

In einem unserer Projekte informieren wir Jugendliche in einem Gefängnis über ihre Rechte. Diese jungen Menschen sind meist in einem Kreis von Armut und Gewalt aufgewachsen. Schnell kommen sie über ältere Geschwister oder Freunde mit Kriminalität und Illegalität in Kontakt. Da sie meist kein anderes Leben kennen, haben sie auch keine Alternative, die sie vor dem Abrutschen bewahren könnte. Viele sehen sich gezwungen, Gewalt anzuwenden, um selbst zu überleben. Selbst Schulkinder üben sich schon gruppenweise mit Spielpistolen und gewöhnen sich so Stück für Stück an die Kriminalität. Schließlich sehen sie sie nicht mehr als Gefahr, sondern als Teil ihres Lebens. Wer cool sein will, begeht Einbrüche, Diebstähle und Überfälle.
Viele werden von der Polizei gefasst und in ein spezielles Gefängnis für jugendliche Häftlinge gebracht. Während sie monatelang auf ihren Prozess warten, bekommen sie Unterricht und leben in einer Gemeinschaft, die ihnen helfen soll, wieder zurück in ein gewaltfreies Leben zu finden, das für die meisten nie existiert hat. Oft beschweren sie sich über die Polizei, die sie schlägt, um sie zum Aussagen zu bringen. Ihre Familien sind häufig zu arm oder leben zu weit weg, um sie besuchen zu können. Auch Drogenmissbrauch und seine Folgen haben einen negativen Einfluss auf das Leben dieser Jugendlichen.
Für mich scheint es, dass vielen Menschen, besonders Jugendlichen in Südafrika, die Freiheit fehlt, selbst zu entscheiden, wie sie leben wollen. Zu vielen sind einfach die Wege versperrt, ob durch Geld oder gesellschaftliche Strukturen. Nelson Mandelas Traum von Freiheit für alle Menschen in Südafrika hat sich noch nicht erfüllt.

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