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Eine Reise nach Kapstadt: Menschenrechte auf Südafrikanisch

Eine Reise nach Kapstadt: Menschenrechte auf Südafrikanisch

Klar kann man nach dem Abi gleich studieren, aber nicht jedem steht der Sinn danach. Fabian Müller entschied sich nach seinem Schulabschluss für eine Horizonterweiterung und reiste für drei Monate nach Südafrika. Dort kam er bei einer Gastfamilie unter und schnupperte Berufsluft.

 
 

Mittlerweile arbeite ich in einem Menschenrechtsbüro. Nach zwei Wochen bei der Boulevardzeitung hatte ich genug davon, mich zu langweilen. Die Leute dort waren so beschäftigt, dass sie mir fast nichts zeigen konnten. Außerdem wollte ich nicht ständig über Skandale und Verbrechen schreiben. Jetzt besuche ich mit anderen Freiwilligen Menschen, deren Rechte besonders gefährdet sind. Unsere Zielgruppen sind Flüchtlinge, Frauen, Kinder, Homosexuelle, Häftlinge und AIDS-Kranke. In Frauenhäusern, Gefängnissen und Flüchtlingslagern sieht man Dinge, die einem als Tourist verborgen bleiben.

Im Flüchtlingslager

Wir teilen uns die Arbeit auf. Ein Teil von uns informiert die Leute über ihre Rechte, während eine Italienerin und ich Fragen vorbereiten und Interviews führen. Von unserem Büroleiter, einem ehemaligen Flüchtling aus dem Kongo, erfahren wir viel über Menschenrechtsprobleme in Südafrika. Zum Beispiel über die Situation der Flüchtlinge, die wir interviewen. Alle mussten ihre Heimatländer aufgrund von Krieg, Verfolgung oder Hunger verlassen. Doch unter Südafrikanern gelten diese Flüchtlinge als "Jobklauer" und Last, da die Regierung sie kostenlos versorgt. Letzteres erzeugt wiederum besonders unter den ärmeren Einheimischen Neid.

Oft sind fremdenfeindliche Übergriffe auf Flüchtlinge die Folge. Hinzu kommt dann noch, dass die Flüchtlinge teilweise untereinander verfeindet sind, wie beispielsweise Kongolesen und Ruander. Trotzdem müssen sie hier in großen Zelten nebeneinander leben. In dem Flüchtlingslager, das wir wöchentlich besuchen, weht immer ein kräftiger Wind, der an den Zelten rüttelt. Zwei Mahlzeiten pro Tag, ein paar Wasserhähne und mobile Toiletten sind alles, was die Flüchtlinge gestellt bekommen. Viele sind auf der Suche nach einem Job, was sehr schwer  ist, denn dafür ist eine offizielle Erlaubnis nötig. Ist ein Arbeitgeber dennoch bereit, einen Flüchtling einzustellen, bekommt dieser weniger Lohn als die restlichen Mitarbeiter.

Pläne der Regierung

Zur Zeit ist die Regierung dabei, die meisten der Flüchtlingslager zu schließen. Jeder bekommt eine Mitteilung, ob er bleiben darf oder nicht, wobei nach Herkunftsland und nicht nach individueller Geschichte entschieden wird. Stuft die Regierung zum Beispiel Simbabwe als sicher für die Asylsuchenden ein, werden alle Anträge von Simbabwern abgelehnt. Dabei ist es für viele schlicht unmöglich zurückzukehren, da sie um ihr Leben fürchten müssten. Manche, wie zum Beispiel ein Sudanese, den wir interviewen, würden jedoch lieber in ihrer Heimat sterben, als weiter in Südafrika als Flüchtling zu leben. Fragwürdigerweise dürfen fast alle somalischen Flüchtlinge bleiben, obwohl sie am meisten von fremdenfeindlichen Südafrikanern attackiert werden.

Grauzone

Manche Kinder, deren Eltern schon seit vielen Jahren in Flüchtlingslagern leben, wurden in Südafrika geboren. Doch welchen Pass sollen sie bekommen? Den Pass des Herkunftslandes der Eltern oder den südafrikanischen? Oft bleiben solche Fragen unbeantwortet und die Kinder ohne Nationalität, obwohl sie darauf ein Recht haben. Wer genug Geld hat, kann versuchen Beamte zu bestechen. Doch viele wollen gar nicht integriert werden, sondern warten darauf, zurück in ihre Heimat zu können, was allerdings viele Jahre dauern kann. Einige erzählen, dass sie seit acht Jahren als Flüchtlinge in Südafrika leben.

Zukunftssorgen

Die Flüchtlinge wissen nicht, wie es weitergehen soll, wenn das Lager endgültig geschlossen wird. Entweder sie verteilen sich auf die verbleibenden Lager oder sie suchen sonstwo eine Unterkunft, wenn nötig auf der Straße.
Ausnahmslos alle Flüchtlinge sind enttäuscht über ihr Leben hier, das sie sich sicherer und angenehmer vorgestellt hatten. Es scheint, der raue Wind weht den Flüchtlingen weiterhin ins Gesicht. 

 

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