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Nachbarschafts-Fiesta

Nachbarschafts-Fiesta

In Andalusien gibt es keine Eigenbrötler. In Andalusien gibt es nur Nachbarn. Und wenn die feiern, bleibt keiner zu Hause. Fabian Vögtle war mit dabei und hat erfahren, was andalusische Straßenfeste so besonders macht.

 
 

Que calor - "Es ist so heiß", stöhnen die Spanierinnen und wedeln dabei mit ihren eleganten Fächern durch die Luft. Wir sind an der Costa del Sol im südspanischen Andalusien, die Sonne ist bereits untergegangen. Die Hitze aber bleibt und so denken die Frauen des kleinen Dorfes an der Küste bei Malaga erst gar nicht daran, ihr wertvollstes Accessoire wegzustecken, das beim nächtlichen Straßenfest genauso dabei ist wie im Gottesdienst und am Strand. Die bunten, großen Fächer machen die typische Andalusierin aus wie ihr luftig rotes Kleid.

Das Straßenfest kann beginnen

Im August sinken die Temperaturen auch nachts selten unter 30 Grad Celsius. So machen die Andalusier kurzerhand die Nacht zu ihrem Tag und genießen das Leben mit ihren Familien und Freunden unter freiem Himmel. Die Nachbarschaft, oder sagen wir eher: das ganze Dorf, ist beim zweitägigen Straßenfest auf den Beinen. Die meisten haben bei der Vorbereitung geholfen und die Straße mit örtlichen Fähnchen geschmückt. Küsschen links, Küsschen rechts. In der einen Hand den offenen Fächer, in der anderen einen Wein. Mittags noch in der Siesta versunken, kommen abends alle aus ihren Löchern. Eine Garage dient als kleine Bar, es gibt selbstgemachte Tapas sowie Bier und sommerlich-süßen Tinto de verano.

Zum Schlafen ist es zu heiß

Laut und liebevoll wird getratscht, gesungen und getanzt. Die Kinder springen bis Mitternacht nassgeschwitzt in der Hüpfburg und der Opa schaut begeistert zu, wie seine Enkel auf den Plastiktieren reiten. Eine Band mit Sängerin spielt auf der kleinen Bühne spanische Volksmusik und natürlich die WM-Rhythmen von Shakira und Co. Omas tanzen dazu mit ihren Enkeln, Schwiegersöhnen und Nachbarinnen Flamenco bis früh in die Morgenstunden. Die Stimmung ist fantastisch. Und das Tollste an der Fiesta im spanischen Sommer: Kein Anwohner beschwert sich. Warum auch? Zum Schlafen ist es sowieso zu heiß und selbst der Ventilator sorgt kaum für Abkühlung. Außerdem ist die ganze Nachbarschaft auf den Beinen und feiert kräftig mit. Wer früher müde wird, hat eben Pech gehabt.

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