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Auf ein Lächeln mit einem Lächeln antworten

Auf ein Lächeln mit einem Lächeln antworten

Die Volksrepublik China ist ein Land der Gegensätze  - zwischen Tradition und Moderne. Es ist mit 1,3 Milliarden Einwohnern das bevölkerungsreichste Land der Erde, der flächengrößte Staat in Ostasien und nach Russland, Kanada und den USA der viertgrößte der Erde. Jan Spreitzenbarth hat dort seinen Zivildienst absolviert und dabei viel erlebt.

 
 

Asien fasziniert mich. Erst durch Kampffilme à la Bruce Lee und Jackie Chan, später durch die wunderschöne Landschaft, die Kultur und Denkweise. Ich lernte zweimal die Woche Chinesisch und meine Fachhochschulreifeprüfung stand kurz bevor. Anstatt Zivildienstleistender in einem Krankenhaus oder dem Rettungsdienst zu werden, bewarb ich mich für ein Freiwilliges Soziales Jahr im Ausland - in China. Meine Einsatzstelle war ein Waldorfkindergarten in Chinas Hauptstadt. Peking ist eine schöne Stadt mit riesigen Parks, dem Platz des Himmlischen Friedens, der Großen Mauer und dem extra für Ausländer angelegten Barviertel Sanlitun. Die Sommer sind heiß und schwül, die Winter bitterkalt, doch im Herbst offenbart sich die ganze Schönheit der Stadt.

Die Freude über die Zusage war riesengroß. Ich packte meine Koffer, verließ zum ersten Mal Europa. Nach zehn Stunden Flug war ich froh, am Ziel meiner Träume angekommen zu sein. Eine chinesische Kindergärtnerin holte mich ab. Wir fuhren Richtung Innenstadt. Dort steckten wir erst einmal eine Stunde im Stau. Sofort wurde mir das große Umwelt- und Verkehrsproblem Pekings deutlich: Über der Stadt  hängt eine riesige Wolke aus Staub und Smog, so dass der Himmel nur nach heftigen Regenfällen blau ist.

China auf eigene Faust erkunden

Zwar habe ich in Deutschland fleißig Chinesisch gelernt, doch anfangs verstanden mich meine Gesprächspartner trotzdem nicht. Meist bekam ich ein Lächeln als Antwort, auf das auch ich nur ein Lächeln erwidern konnte. Zu allem Überfluss konnte nur eine meiner Kolleginnen Englisch. Einschüchtern ließ ich mich davon jedoch nicht: Ich lernte zusammen mit den Kindern Chinesisch und brachte ihnen Englisch bei. Aus meinem anfänglichen Brabbeln wurden schließlich Sätze. Meine Kolleginnen ermunterten mich, endlich alleine in die Stadt zu fahren. Mit dem Verlangen, die Stadt, das Land und die Kultur kennen zu lernen und zu verstehen, brach ich auf.

Besonders beeindruckt haben mich Pekings Hutongs. Das sind kleine Gässchen, in denen die Menschen noch so leben wie vor hundert Jahren. Dort lernte ich Johannes kennen, einen deutschen Austauschschüler. Durch ihn erweiterte sich mein Freundeskreis rapide.
Nach einem halben Jahr fielen endgültig alle Barrikaden. Die Kinder liebten mich und ich  liebte sie. Ich baute einen Sandkasten und einen neuen Zaun um das Gelände, legte einen kleinen Garten an, und meine Mutter, selbst Kindergärtnerin, schickte neues Spielzeug aus Deutschland.

Alle 90 Tage das Land verlassen

Trotzdem fühlte ich mich nicht ausgelastet. Meine Chefin schlug mir vor, mein Taschengeld  ein bisschen aufzubessern. Die Beijing-Language-School suchte einen Deutschlehrer und ich beschloss, mich als Pädagoge zu versuchen. In meiner ersten Stunde als Deutschlehrer war ich geschockt, als ich in meine Klasse kam und in dieser nur zwei Schüler saßen. Ich unterrichtete meine fleißigen Schützlinge jeden Sonntag. Nur meine regelmäßige Reisetätigkeit störte ihren Lernprozess. Ich hatte kein Jahresvisum und musste deswegen alle 90 Tage das Land verlassen und neu einreisen. So hatte ich Gelegenheit, viel von Asien zu sehen: Hongkong, Seoul, Bangkog und Singapur.

Viele Chinesen haben mich gefragt, ob ich Heimweh habe. Ich bejahte diese Frage, weil eine andere Antwort unhöflich gewesen wäre. Doch richtig Heimweh kam nur in den Adventstagen auf. Auch in China wird Weihnachten gefeiert, aber es ist ein rein kommerzielles Fest. Viele Chinesen wissen nicht, was sie da feiern. Damit ich am Heiligabend nicht alleine ohne Tannenbaum dastand, flog ich mit einem Freund nach Hongkong. Es war das erste Weihnachtfest, das ich nicht mit meinen Eltern verbrachte. China hat mich stark in seinen Bann gezogen. Als mich drei Freunde fragten, ob ich Lust habe, mit ihnen wieder nach Peking zu gehen, um dort all die alten Freunde, Bekannten und Kollegen zu treffen, sagte ich sofort zu.

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