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Die WM geht auf Safari

Die WM geht auf Safari

Die ganze Welt schaut derzeit gespannt nach Südafrika. Das Land scheint seit dem offiziellen Ende der Apartheid 1989 ein wenig aus dem Fokus der Öffentlichkeit gerückt zu sein – jetzt hat es sich herausgeputzt und zeigt sich mit neuen Stadien den Kameras der Welt und tausenden von Fans. Doch auch neben den riesigen Arenen hat Südafrika für Reisende einiges zu bieten. Clara Dilger war für euch schon einmal vor Ort, um einen Eindruck vom WM-Gastgeber zu gewinnen.

 
 

Schwarz-Weiß, Arm-Reich


Gleich auf dem Weg vom Flughafen nach Kapstadt, bietet sich einem ein bedrückender Anblick: Links und rechts der neuen Autobahn erstrecken sich riesengroße Flächen, auf denen sich eine Wellblechhütte an die andere reiht - die so genannten Townships. Auf den ersten Blick könnte Südafrika noch immer ein Dritte-Welt-Land sein.
Um zu verstehen wie Südafrika tickt, muss man wissen, dass es noch vor 30 Jahren eine strikte Rassentrennung gab, die zur Unterdrückung und Enteignung aller Nicht-Weißen führte. Die Apartheid (Afrikaans und Niederländisch für gesondert) ist bis heute noch nicht aus den Köpfen verschwunden: Millionen von Schwarzen leben in Townships ohne Strom und Wasser. Viele der reichen Weißen sehen die Schwarzen lediglich als billige Arbeitskräfte an: Jobs wie Putzen oder Kellnern werden für einen Hungerlohn fast ausschließlich von Farbigen verrichtet. Daher ist ihre Einstellung gegenüber den Weißen abweisend, manchmal auch unterwürfig. Für weiße Touristen ist es schwer mit dieser ungewohnten und unangenehmen Situation umzugehen.

Zu Besuch


Weiße Reisende sollten besonders vorsichtig sein: Vermutlich wird die WM auch für Taschendiebe ein großes Ereignis. Kriminalität ist generell ein großes Problem und die beliebtesten Opfer sind unvorsichtige Touristen.
Die Häuser der Reicheren sind oft mit scharfen, für uns sehr ungewohnten und deshalb etwas übertrieben wirkenden Sicherheitsmaßnahmen wie Stacheldraht und Stromzäunen ausgerüstet, und es gibt unzählige private Sicherheitsunternehmen. Wer bei der WM nach einem gewonnenen Spiel noch feiern geht, sollte gefährliche Stadtteile meiden - und nach Sonnenuntergang grundsätzlich ein Taxi nehmen, um nicht in eine unangenehme Situation zu geraten.

Kulinarisches


Für probierfreudige Feinschmecker werden in afrikanischen Restaurants Spezialitäten wie Springbock, Zebra oder Krokodil angeboten. Für den kleinen Hunger zwischendurch - oder auch als Ersatz für die Stadionwurst - wird an jeder Ecke Biltong verkauft. Das Trockenfleisch ist wegen dem ein wenig strengen Geschmack vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, aber ein normaler Snack für die Südafrikaner, die grundsätzlich sehr viel Fleisch essen. Eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen ist daher das Grillen, auf Afrikaans „Braai“ genannt, und man findet kaum ein Haus ohne eingebauten Grill. Vegetarier werden zwar etwas schief angeschaut, kommen jedoch trotzdem in den wenigen vegetarischen Restaurants auf ihre Kosten.

Sehenswert


Südafrika hat eine vielfältige Natur, neben wunderschönen Küstenregionen gibt es Wälder, Berge, Grasland und Feuchtgebiete, aber auch Wüsten und Savannen. Nationalparks oder Reservate bieten beeindruckende Safaris an, und mit etwas Glück lassen sich die „Big Five“ - Afrikas Vorzeige-Tiere - blicken: Löwe, Nashorn, Büffel, Elefant und Leopard. Mutige können an der Küste in einem Käfig zu den Haien tauchen, im südafrikanischen Winter (also während der WM) lassen sich sogar Wale beobachten. Fallschirmspringen, Township-Führungen, Surfen, Radfahren durch die Winelands bei Kapstadt oder das Kap der guten Hoffnung besichtigen – Südafrika hat genug zu bieten, um auch Fußballnörglern eine schöne Zeit zu verschaffen.

Kultur


Die facettenreiche Kultur der Stämme wurde zum Teil durch die Apartheid zerstört, und aus den Städten verschwindet sie langsam, doch in den ländlichen Regionen, in denen die meisten Farbigen leben, spielt sie immer noch eine tragende Rolle. Musik und Tanz sind wichtig um die Erinnerung an die Vorfahren zu wahren. Das Kunsthandwerk ist neben seiner kulturellen Bedeutung gleichzeitig Einnahmequelle: Aus Draht und bunten Perlen kunstvoll gefertigte oder geschnitzte Tiere verkaufen sich gut als Souvenirs. Zahlreiche Museen geben einen Einblick in die zerstörte Kultur der Ureinwohner. Doch auch die Weißen haben Teile ihrer Kultur nach Südafrika gebracht: Die Architektur aus Holland oder Groß-Britannien wirkt jedoch manchmal etwas fehl am Platze. Die elf verschiedenen Landessprachen sind ein weiteres Indiz für die kulturelle Vielfalt des Landes, daher auch der Name „Regenbogennation“. Jedoch haben sich mittlerweile Englisch und Afrikaans in der Schule als Pflichtsprachen etabliert haben.

 

Weitere Infos zum WM-Gastgeber:

Einwohner: 48.782.756 (Deutschland ≈ doppelt soviel)
Fläche: 1.219.912 km² (Deutschland ≈ ein Drittel)
Hauptstadt: Pretoria (EW: 2.345.908)
Amtssprachen: Englisch, Afrikaans (verwandt mit Holländisch) und neun weitere Stammessprachen
Währung: Rand (1 Rand ≈10 Cent)

Weiterführende Links

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