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Tout va bien?! - Tipps für ein Auslandsjahr in Paris
“Tout va bien, les oiseaux chantent…” Dieses Lied ging mir nach dem Abitur nicht mehr aus dem Kopf. Tout va bien. Ja, alles läuft gut. Den Abschluss hatte ich in der Tasche und es winkte ein Auslandsjahr als Freiwillige in Zentralfrankreich. Als mir die Verantwortlichen für diesen Aufenthalt kurz vorher absagte, blieb mir das Lied allerdings in der Kehle stecken. Ich wollte doch unbedingt nach Frankreich! Etwas panisch zog ich daraufhin alle Register, schaute mich in Jugendinformationszentren und im Internet um, fragte bei Bekannten und Freunden nach. Schließlich bekam ich über meine Kirchengemeinde den Kontakt zu einer Familie in Paris. Nach einem Telefonat und mehreren Mails stand es fest: Ich kann bei der Familie arbeiten, also auf ihre vier Kinder aufpassen, und muss mir nur noch noch eine Unterkunft suchen. Juhu! Paris, ich komme!
Fünf Monate später
Seit fünf Monaten bin ich nun in dieser gigantischen Stadt. Ich arbeite einige Stunden in der Familie, die in der Nähe des Eiffelturms lebt, und wohne in einem christlichen Mädchenwohnheim. Mit Deutschunterricht kann ich noch Geld dazu verdienen und entdecke Paris nun Stück für Stück. Das war immer schon mein Traum gewesen und ist jetzt tatsächlich Wirklichkeit geworden.
Ohne Organisation oder festen Arbeitsvertrag ist das alles allerdings ein ganzes Stück Arbeit gewesen und ein wenig Vorbereitung war unabdingbar.
Schon vorher vernetzt sein
Es hat sich als praktisch erwiesen, mit einigen Adressen an den Start zu gehen. Vielleicht haben Bekannte von Bekannten wiederum Bekannte in der auserkorenen Stadt oder dem geliebten Land? Sie können gute Ansprechpartner sein, dich vom Bahnhof abholen oder helfen, wenn du nicht mehr weiter weißt. In meinem Fall haben mehr Leute als erwartet Verwandte oder Freunde in Paris. Diese haben sich tatsächlich um mich gekümmert, mit mir nach Arbeit gesucht und mich zu ihnen sich nach Hause eingeladen.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist es, sich mit Menschen auszutauschen, die schon im Ausland waren. Sie kennen Tricks und Kniffe für den Alltag dort, an die man vorher selbst nicht denkt. Dadurch wusste ich dann, dass es in Paris neben Metro und Bussen auch andere öffentliche Verkehrsmittel gibt. Oder dass eine Versicherung praktisch ist, falls in der Familie etwas zu Bruch geht. Eine Freundin hatte mir auch den Tipp gegeben, an einer Art Volkshochschule einen Sportkurs zu belegen.
Vernetzt zu sein heißt auch, die Adressen von der deutschen Botschaft, dem Goetheinstitut, den Jugendbüros CIDJ und Antennes Jeunes in den Koffer zu packen. Die Jugendbüros bieten Antworten auf Fragen zu Arbeit, Alltag, Freizeit, Unterkünfte, Drogenberatung oder Projektgestaltung. Mir haben diese Institutionen geholfen, vor allem die Antennes Jeunes, mich über Arbeitsbedingungen in Frankreich zu informieren, offizielle Dokumente wie das Führungszeugnis zu beantragen, eine Übersicht über deutsch-französische Veranstaltungen zu bekommen, Bewerbungen auf Französisch zu schreiben oder mich einfach mit anderen Deutschen oder jungen Leuten auszutauschen.
E.T. nach Hause telefonieren
Wer wie ich etwas mit der Kirche am Hut hat, findet auch in den zwei deutschen Gemeinden von Paris gut Anschluss. Sie sind nämlich sehr klein und persönlich und bieten viele Veranstaltungen an. In der katholischen Gemeinde wurde so schon ein Plätzchennachmittag, eine Filmvorführung, gemeinsames Crêpeessen und ein Stadtspaziergang unternommen. Doch natürlich bleibe ich auch mit meiner Familie und meinen Freunden in Kontakt, denn es ist gut zu wissen, dass alle hinter mir stehen. Ohne Telefonate, Emails und Briefe wären vor allem die ersten Monate im fremden Land hart gewesen.
Spass, Studium und Finanzen
Das Studententum bringt einige Vorteile. Selbst wenn man nicht extra zum Lernen gekommen ist, bietet sich ein Fernstudium innerhalb Frankreichs an. Denn mein Studentenausweis ist meine Eintrittskarte in das Uni-Leben und, wenn ich will, auch in das Fach Psychologie. Ich habe mich nämlich an der Universität Paris für das Fernstudium „Bachelor Psychologie“ eingeschrieben. Zudem bekomme ich Kostenvorteile bei Sportangeboten, im Kino, im Theater oder auf Konzerten. Leichter fällt auch die Suche nach Studentenjobs und eine Konteneröffnung bei Banken, die Konten für wenig Geld oder gar gratis anbieten. Da es allerdings Zeit benötigt, bis dir das Konto zugängig gemacht wird, sollte man zum Überbrücken deutsche Kreditkarten und das Onlinebanking-Passwort nicht vergessen. Für die zwei Semester habe ich übrigens einmalig etwa 400 Euro gezahlt. An der Universität sollte man sich aber früh genug einschreiben.
Fußgänger wissen mehr
In Paris spielt sich, wie man immer wieder hört, das Leben auf der Straße ab. Und tatsächlich: Man lernt Paris besonders durch Laufen, Laufen und nochmals Laufen kennen. Man entdeckt so außergewöhnliche Ecken der Stadt, wie kleine Cafés, grüne Hinterhöfe mit Palmen, aussergewöhnliche Designergeschäfte, den billigsten Supermarkt und den nettesten Zeitungsstand. Wenn man ein Glückspilz ist, sieht man Stellengesuche an den Schaufenstern der Restaurants, Läden und Supermärkte. Auf Spaziergängen kommt man auch leicht ins Gespräch mit Passanten oder Verkäufern. Die im Herbst oft graue Stadt wird dadurch bunt, lebendig und man kann eine persönliche Beziehung zu der Traumstadt aufbauen.
Gekommen um zu entdecken
Neben dem Arbeiten will man die Stadt aber auch genießen, am besten auf verschiedene Arten und für wenig Geld. Dazu hat sich die Stadt so einiges einfallen lassen: Junge Leute unter 26 Jahren können beispielsweise viele Museen, wie den Louvre, kostenlos besuchen oder an „Kiosques Jeunes“ , den Kiosken für Jugendliche, für wenig Geld in die Welt von Theater, Kunst oder Sport eintauchen. Der ruhige Seinefluss für Verträumte, Bibliotheken für Leseratten, beeindruckende Kaufhäuser, quirrlige Märkte, das bunte Viertel der Chinesen und typischfranzösische haussmannsche Gebäude lassen das Herz ebenfalls höher schlagen.
Ich bin reich – an Erfahrung
Paris finde ich nicht bloß schön, es hat mich gezwungenermaßen auch schon selbstbewusster und forscher gemacht. Ohne diese Entwicklung wäre ich wohl schon längst von anderen Lebenseinstellungen, Stress und kleinen Sorgen überrannt worden. Der Entzug von Hotel Mama macht außerdem selbstständig. Die Wäscheberge erklimme ich inzwischen selbst und Mehl, Salz und Käse trage ich ganz alleine in Taschen heim. Jetzt kann ich kochen und es macht grossen Spass, mit den anderen Studentinnen und Praktikantinnen einen Eintopf oder eine Pizza zuzubereiten und sich nebenher zu unterhalten.
Und so langsam denke ich mir: Wie wäre es denn nun doch mit dem Lied “Tout va bien?”
Weiterführende Links
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- Weitere Artikel von Caroline Haro
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