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Europareise - Teil 2

Europareise - Teil 2

Polen und Tschechien haben wir bereits hinter uns gelassen. Schweden und Norwegen liegen noch vor uns auf der spannenden Reise durch Europa. Ihr dürft uns wieder begleiten und gespannt sein, was wir alles erlebten.

 
 

Vierte Station: Gdansk


Spät abends rollte unser Zug am Bahnhof in Danzig ein. In der Dunkelheit hieß es dann schnellst möglichst das Hostel zu finden und ab ins Bettchen zu hüpfen.

Nach dem Frühstück pilgerten wir zeitig los, um die deutsch-polnische Geschichte weiter zurück zu verfolgen. Mit dem Stadtplan in der Hand folgten wir den Straßenschildern in Richtung Hafen, von wo aus wir mit einem „alten Piratenschiff“ zur Westerplatte schipperten. Als wird dort angelegt hatten, tauchten wir unsere Füße in den Sandstrand und genossen unseren ersten Blick aufs Meer. Entspannt gaben wir uns dann wieder der Geschichte hin und ließen uns in das Jahr 1939 zurückversetzen. Der Blick gen Horizont, die Bunker, die zerbombten Munitionslager, aber auch das in den Himmel ragende Denkmal erzeugten einen unglaublich starken Eindruck von den geschichtlichen Ereignissen, die dieser Ort über sich hatte ergehen lassen. Man hörte förmlich den ersten Schuss der Wehrmacht am 1. September 1939. Im Bann der Geschichte gefangen, vergaßen wir völlig die Zeit und verpassten unser Schiff, so dass wir den Bus zurück nehmen mussten. Es verblieb uns noch ein bisschen Zeit um ein Eis zu essen und die Altstadt zu besichtigen, die mit den bunten, eng aneinandergereihten Häusern an Warschau erinnerte. Leider war die Zeit zu kurz, um sich ganz dem Charme der Stadt hingeben zu können. Es war Zeit sich von Osteuropa zu verabschieden, denn im Hafen von Gdynia wartete schon die Fähre auf uns, die uns über Nacht nach Schweden bringen sollte.

Zwischenaufenthalt: Erlebnis Fähre

Langsam verschwamm das Glitzern der Lichter von Gdynia am Horizont und wir fuhren dem Rauschen der Ostsee entgegen. Bevor wir den große Meeresdampfer bestiegen hatten, hatten wir die Möglichkeit genutzt zollfrei einzukaufen, um uns für die teuren Preise Nordeuropas zu wappnen. Mit diesen Einkäufen wagten wir uns nun an Deck, wo uns heftige Winde um die Ohren pfiffen. Die Kälte und der beginnende Regen hatten allem Anschein nach die übrigen Fahrgäste davon abgehalten sich ins Freie zu begeben, so dass wir auch bei den überdachten Tischen freie Platzwahl hatten. Mit Chips, Wein und Bier genossen wir die frische Meeresluft trotz des rauen Seegangs. Um die anderen Passagiere nicht zu stören – wir hatten aus Spargründen „Schlafsessel“ in einem großen Saal mit mehreren Mitreisenden gebucht – verweilten wir noch eine Zeit lang im Kinderparadies. Als auch wir dann schließlich müde ins „Bett“ fielen, ließen wir uns vom starken Wellengang sanft in den Schlaf schaukeln.

Geplagt von Rückenschmerzen weckten uns am nächsten Morgen die ersten Sonnenstrahlen auf. Der Anblick des wunderschönen Sonnenaufgangs am Horizont und der frische, salzige Duft des Meeres entschädigten den unbequemen Schlaf und trieben uns die Müdigkeit aus den Augen, so dass wir uns voller Energie auf die weitere Reise in Schweden einstellen konnten. Wenig später legten wir auch schon in Karlskrona an. Nach dem Motto „Fehler darf man machen, aber jeden nur einmal!“ wechselten wir unser Geld und erkundigten uns nach dem richtigen Bus, der uns zum Hauptbahnhof bringen sollte. Von dort aus waren es dann nur noch etwa drei Stunden bis zum nächsten Halt, Lund.

Fünfte Station: Lund

Im Zug von Karlskrona nach Lund mussten wir uns erstmal wieder an die neuen Standards gewöhnen. Noch die alten Tuckerzüge aus Polen und Tschechien gewöhnt, fragten wir uns beim Besteigen des neu glänzenden und mit vielen technischen Spielereien versehenen schwedischen Zugs, ob wir etwa Aufpreis zahlen müssten. Nein, liebe Interrailer, ihr seid lediglich im reichen, aber auch teuren Nordeuropa angekommen.

Nun, ging es also nach Lund, eine Universitätsstadt im Süd-Westen Schwedens, etwa 20 Minuten von Malmö entfernt. Der Cousin eines Freundes, sollte uns dort vom Bahnhof abholen. Die nächsten Tage würden wir bei ihm verbringen und in den Genuss eines sehr häuslichen Aufenthalts kommen.

Nach acht Tagen auf den Beinen und nie mehr als zwei Nächten an einem Ort, war es uns nach unserer Ankunft einfach nur noch nach Entspannung und Relaxen. Deshalb verbrachten wir den Nachmittag im Garten unseres Freundes, wo wir unsere müden Füße in die Sonne streckten. Am Abend verwöhnte uns seine Mutter mit einem kulinarischen Gaumenschmaus. Nach den Mahlzeiten der letzten Woche, die sich hauptsächlich aus Fastfood, Süßigkeiten und belegten Broten zusammensetzten, wurde das Abendessen für uns zu einer geschmacklichen Sensation, die wir in vollen Zügen genossen.
Gestärkt sollten wir dann das schwedische Nachtleben in Malmö kennen lernen, wurden aber zunächst einmal mit den schwedischen Wucherpreisen bekannt: 10 € für den Eintritt, 5 € ein 0,3 l großes Bier – zusammen in etwa so viel wie wir in Prag für ein Zimmer mit Frühstück bezahlt hatten. Scharfsinnig analysierten wir nach den Preisen das schwedische Publikum. Jungs wie Mädels waren wahnsinnig hübsch, aber auch wahnsinnig wenig individuell, so dass wir schnell ein einfaches Schema heraus filtern konnten: Als ein Junge trägt man in Schweden eine Röhrenhose, dazu ein Hemd, das in die Hose gesteckt wird, einen Ledergürtel und Lederschuhe. Die Haare werden mit reichlich Gel nach hinten gekämmt. Mädels in Schweden tragen ein Kleid oder wahlweise einen Minirock, dazu High-Heels, Ohrringe, Armreife, eine Kette und nicht zu knapp Make-up. Die blonden Haare bleiben offen.
Wir in unserem Backpacker-Look fielen da definitiv raus. Aber weder davon, noch von den Preisen ließen wir uns beirren. Die Nacht wurde somit zu einem heiteren Fest, an dem wir ausgelassen tanzten und viele sehr nette und interessante Menschen kennen lernten.

Der Tag (nach) der Partynacht

Man hätte in der ersten Woche unserer Reise fast vergessen können, was für erstklassige Langschläfer wir doch waren. Als wir am folgenden Tag jedoch erst um 15 Uhr aus den Federn krochen, hatten wir unser Talent mal wieder unter Beweis gestellt. Tatsächlich waren die Nächte bis dahin meist früh zu Ende gewesen, was uns offensichtlich noch in den Knochen gehangen war. Gänzlich entspannt kosteten wir nach dem Aufstehen das schwelgerisch zubereitete Frühstück aus und schlenderten anschließend gemütlich in die Innenstadt. Dort bekamen wir von unserem Freund eine exklusive Stadtführung, auf der wir viel zu lachen hatten. Nach unserem kurzen Kulturausflug setzte die Mutter unseres Gastgebers die kulinarische Wellnesskur mit weiteren Höhepunkten fort. Zu allem Überdruss ließ sie sich dann auch nicht davon abbringen unsere Wäsche zu waschen. Gleichwohl die Nestwärme unseres Zuhauses hunderte von Kilometern entfernt war, kamen wir hier in den Genuss von „Hotel Mama“, den wir nur unter Protest aber trotzdem gerne willkommen hießen.

Der Abend sollte ebenso spektakulär, aber weniger häuslich weiter verlaufen: Der aus Stockholm stammende und in Schweden hoch gefeierte House-DJ Axwell war zu Gast in einem Malmöer Nachtclub. In der Großraumdisco angekommen ließen wir uns von der Begeisterung seiner schwedischen Fans mitreißen und tanzten unter großem Gedränge nur wenige Meter vor der Bühne. Nach einigen Stunden ausgelassenen Feierns trieb uns schließlich die Erschöpfung nach Hause.

Abenteuerausflug: Kopenhagen

Während die Jungs sich am folgenden Tag zum Nichtstun entschlossen, fuhren wir zwei Mädels nach einem weiterem Luxusfrühstück a lá „Hotel Mama“ nach Kopenhagen. Dieser Tagesausflug sollte, wie sich später herausstellte, zu einer Abenteuerreise mit der schwedischen Bahn werden:
Verwunderliche Züge nahm unser kurzer Trip schon an der Bushaltestelle vor dem Haus unseres Freundes an, wo uns eine alte Dame auf Schwedisch ansprach. Nachdem die anfänglichen Verständigungshürden überwunden waren, stellte sich heraus, dass uns die in etwa 70-Jährige über die Zeugen Jehowas informieren wollte und dazu Prospekte in allen Sprachen bei sich führte. Von der alten Frau aufgeklärt, steuerten wir dann wenige Minuten später am Bahnhof unmittelbar auf den Schalter zu, wo wir einen Nachtzug zur nächsten Etappe organisieren wollten. Beim Warten verpassten wir den Zug nach Kopenhagen, um kurz darauf festzustellen, dass der von uns erwählte Nachtzug ausgebucht war. Kurzerhand schoben wir dieses Problem dann auf die Jungs ab und hetzten zum Gleis, um den nächsten Zug nach Kopenhagen nicht zu verpassen.

Die schwedische Bahn

Als wir dort völlig abgehetzt ankamen, mussten wir auf der Anzeigetafel lesen, dass der Zug erst mit 20 Minuten Verspätung eintreffen würde. Nachdem wir etwas später erleichtert und voller Spannung auf Kopenhagen endlich im Zug saßen, wurde uns eröffnet, dass wir vorher noch einmal in Malmö umsteigen müssten. Aber damit waren die Strapazen noch nicht vorüber, denn in Malmö erwartete uns schon die nächste Überraschung: Der Zug nach Kopenhagen war „gecancelt“. Letztendlich kamen wir mit fast zwei Stunden Verspätung erst um 16:45 Uhr in Kopenhagen an. Entsprechend kurz war unser Aufenthalt, bei dem die Zeit für kaum mehr reichte als etwas durch die Stadt zu schlendern. Trotz dessen war es eine schöne Erfahrung eine neue Stadt und deren äußerlichen Besonderheiten, wenn auch nur kurz, zu erkunden. Letztlich gleicht keine Stadt einer anderen - es gibt überall neues zu entdecken.

Nach einer Heimfahrt, die ähnlich chaotisch verlief wie die Hinfahrt, verloren wir restlos das Vertrauen in die schwedische Bahn. Dementsprechend ermüdet waren wir, als wir mit einem Dankeschön für unsere Supermama zurückkehrten. Unseren letzten Abend unter dem Dach heimeliger Fürsorge verbrachten wir dann gemeinsam mit der Familie unseres Freundes.
Der nächste Tag brachte dann den Abschied von unserem Freund, seiner Familie und dem Gefühl häuslicher Geborgenheit, aber auch eine neue Stadt, ein neues Land und neue Eindrücke. Unsere Interrail-Crew stieß weiter vor in Richtung Norden.

Sechste Station: Oslo

Mit einem norwegischen Luxuszug setzten wir unsere Reise durch Europa fort. Dieser ließ die Strapazen des Vortags nicht nur mit seiner Ausstattung in Vergessenheit geraten: Je weiter nördlich wir kamen, desto beeindruckender war die Aussicht, die sich uns auf die schöne Landschaft erbot: Dunkle Seen umringt von Wäldern und Wiesen in einem satten Grün, moosbedeckte Küsten, den Blick aufs Meer und schließlich Oslo, eingebettet in eine sanfte Fjordlandschaft, aus der viele kleine Inseln hervorragen.

Ebenso beeindruckend wie der Anblick der Stadt, war auch ihr Bahnhof, der mehr einem modernen Flughafen glich. Überall Rolltreppen, unzählig viele Geschäfte, eine Halle mit kleinen Ständen. Inzwischen hatten wir ausreichend Reisesachkenntnisse zusammengehäuft, um zu wissen was wir nun zu erledigen hatten. So besorgten wir die Fahrkarten für die nächste Etappe, ein 24-Stunden-Ticket für die öffentlichen Verkehrsmittel und machten uns in der Stadt auf die Suche nach einer Wechselstube, wo es meistens bessere Kurse gab als direkt am Bahnhof. Nachdem wir alle Erledigungen getätigt hatten, fuhren wir mit der Straßenbahn zu unserem Hostel, welches bereits die nächste Überraschung für uns parat hielt. Es waren nicht etwa die überteuerten Preise, mit 27 € pro Nacht plus 4 € für die erforderlichen Bettlaken – das hatten wir in der teuersten Stadt Europas nicht anders erwartet – sondern das lange Regelwerk, das uns schockierte. Striktes Alkohol- und Rauchverbot, Frühstück bis 9:30 Uhr, Check-Out-Time 9:00 Uhr, Schlafsackverbot... - nicht gerade das, was man jugendfreundlich nennen würde. Dafür war die Unterkunft aber sauber und ordentlich.
Das erste Mal seitdem wir mit dem Zug durch Europa tuckerten nahmen wir an diesem Abend den Kochlöffel in die Hand. Angesichts der teuren Preise blieb uns mit unserem knapp bemessenen Reisebudget auch kaum etwas anderes übrig. Dabei machten wir die Erfahrung, dass es von Vorteil ist eigene Gewürze und Töpfe mitzuführen, denn nicht immer ist alles ordentlich gespült und viele Gewürzstreuer sind an ihrer Öffnung schon vergilbt. Auf einer Bank vor dem Hostel ließen wir den Abend gemütlich ausklingen. Von dort aus bot sich uns eine super Aussicht auf das in der Nacht funkelnde Oslo.

Oslo bei Tag

Am nächsten Tag stand wieder ein ausgiebiges Kulturprogramm auf der Tagesordnung. Angefangen mit der Stadt verlief unsere Erkundungstour vom Karls Johan Gate zum Schloss und den Schlossgarten - dort legten wir unter blauem Himmel ein kleines Picknick ein - bis hin zum Hafen. Von dort aus ging es mit der Fähre auf die Halbinsel Bygdøy, wo wir in einem Museum alte Wikingerschiffe und deren Grabkammern und Grabbeigaben bestaunten. Auf dem Rückweg tapsten wir auf die ganz in weiß gehaltene Oper, die mit ihrer Lage direkt am Wasser sehr an das berühmte Opernhaus von Sydney erinnerte. Oben erbot sich uns eine tolle Aussicht über die Stadt.

Bevor wir ins Hostel zurückkehrten, bummelten wir noch ein wenig durch die vielen kleinen Geschäfte, die sogar die Jungs mit ihrer Ware begeisterten.
Am Ende der Sightseeing- und Shoppingtour hingen unsere Beine schlapp vom Körper, so dass wir sie am Abend nicht weiter beanspruchen wollten und nicht, wie ursprünglich geplant, ausgingen. Stattdessen erprobten wir zum zweiten Mal unsere Kochkünste und genossen nochmal eine laue Nacht im Garten vor unserem Hostel, gespannt auf den nächsten Tag und die uns bevorstehende Reise im Panoramazug nach Bergen.

Erlebnis Panoramazug Oslo – Bergen

Die Zugstrecke zwischen Oslo und Bergen wird in jedem Reiseführer als Highlight, das man sich nicht entgehen lassen darf, betitelt. Dementsprechend gespannt waren wir, als wir am nächsten Morgen in den Wagon einstiegen. Voller Erwartungen und mit den Bildern der letzte Zugreise im Hinterkopf klebten unsere Nasen an der Fensterscheiben, während sich der Zug durch grüne Landschaften schlängelte, die durchaus hübsch anzusehen waren, aber uns nicht aus den Socken hoben.

 

Ein Artikel aus "Financial t('a)ime", Schülerzeitung der Kaufmännischen Schule (mit Wirtschaftsgymnasium) Tauberbischofsheim.

Weiterführende Links:

im Jugendnetz:

im weiteren WWW:

  • Financial t('a)ime, Schülerzeitung der Kaufmännischen Schule (mit Wirtschaftsgymnasium) Tauberbischofsheim.
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