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Zivildienst in Kolumbien: Die Vorbereitungen

Zivildienst in Kolumbien: Die Vorbereitungen

Schule fertig, Abschlusszeugnis in der Tasche ... und jetzt? Yury Hannaleck ist Kriegsdienstverweigerer und hat sich nicht für neun Monate Essen ausfahren oder Hausmeisterdienste in Deutschland entschieden, sondern für zwölf Monate Abenteuer in Kolumbien. Yury wird regelmäßig in thema von seinem Auslandsaufenthalt berichten. Los geht es mit den Vorbereitungen, denn bis Yury im August in den Flieger Richtung Südamerika steigen kann, ist noch einiges zu tun...

 
 
„Voll cool, ich muss bei meinem Zivi nur kleine Kinder zur Schule fahren!“ Diesen und ähnliche Sätze habe ich in letzter Zeit zu Hauf gehört. Als Abiturient und anerkannter Kriegsdienstverweigerer musste ich mich wie viele andere auch um eine Zivildienststelle kümmern, wenn ich nicht im hintersten Kaff in irgendeinem langweiligen Projekt unterkommen wollte. Wer Lust auf  eine echte Herausforderung hat und dabei noch etwas Gutes tun will, der sollte sich mal mit dem Zivi im Ausland beschäftigen.

Wie kommt man auf so was?

Ich war 16 Jahre alt, als ich für einen dreimonatigen Schüleraustausch in Chile war. Ich hatte großes Glück und kam viel rum, konnte vieles sehen und erleben und habe dabei einzigartige und unvergessliche menschliche Begegnungen gemacht. Nach meiner Rückkehr nach Deutschland hat mir mein Vater ganz beiläufig von einem seiner Schüler erzählt, der für ein Jahr nach Rumänien gegangen ist, um dort seinen Zivildienst abzuleisten. Das Feuer war entbrannt und es war nur noch eine Frage der Zeit und der Beschaffung von Informationen, bis es schließlich soweit war und ich meine ersten Bewerbungen losschickte. Das war vor etwa einem Jahr.

Ein langwieriger Prozess

Ja, es ist ein langwieriger Prozess bis man endlich das Okay für eine solche Stelle in der Hand hält. Wer allerdings bereits deswegen das Handtuch wirft, für den ist dieser Dienst auch nicht das Richtige. Diese zwölf Monate weg von zu Hause, in einer neuen Umgebung, womöglich in einem sozialen Brennpunkt, sind definitiv kein Zuckerschlecken, sondern eine Herausforderung für Herz und Verstand. Sicher, man wird an seine Grenzen stoßen – vielleicht sogar verzweifeln – doch gerade dies macht es für mich so bereichernd und wertvoll.
Ich habe mich dafür entschieden, weil ich diesen Menschen, die mir in Südamerika so herzlich und wohlwollend gegenübergetreten sind, etwas zurückgeben will. Außerdem ist die persönliche Erfahrung einfach unbezahlbar!

Was machst du dann in Kolumbien? Den Koka-Bauern helfen?

Es ist immer wieder interessant zu hören, wie klischeeverhaftet viele Menschen doch sind. Häufige Reaktion auf mein Projekt: „Na, dann bringst mir ’n bisschen Koks mit!“ Dabei ist Kolumbien nach Chile das wirtschaftlich zweitstärkste Land in ganz Südamerika! Natürlich ist die gesellschaftliche Diskrepanz und der immer noch bestehende Notstand nicht von der Hand zu weisen, allerdings ist dies nicht mehr so schlimm wie vor 15 Jahren.

Verschiedene Projektbereiche

Es gibt in Kolumbien verschieden Projektbereiche, die sich folgendermaßen aufgliedern: "Sie [die Zivis] arbeiten hauptsächlich im sozialen Bereich wie zum Beispiel mit Straßenkindern, in Kindergärten, in Waisenhäusern, mit jungen Prostituierten, straffälligen Jugendlichen, in Menschenrechtsorganisationen, mit Taubstummen, beim YMCA (Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen vor Ort) oder unterstützen indigene und sozial benachteiligte Studenten bei der Eingliederung in den Universitätsalltag." (Quelle: www.icja.de). Es steht allerdings noch aus, in welchem Projekt ich tätig sein werde. Dies wird sich vermutlich erst vor Ort entscheiden.

Der Multiplikatoreneffekt

Nachdem nun das schriftliche Abitur vorbei ist, kann ich mich fast völlig den Vorbereitungen widmen, die wirklich umfangreich sind. Diese fangen ganz banal damit an, dass ich mir Literatur zu Kolumbien besorge und im Internet stöbere. Was noch aussteht, ist die Visa-Beantragung (unglaublich, was die Botschaften alles von einem wissen wollen!), Impfungen, zwei Seminare unter der Leitung meiner Entsende-Organisation, Versicherungsangelegenheiten und der Aufbau eines Förderkreises. Und genau dieser stellt einen vor eine Hürde, die man nur dann bezwingen kann, wenn man voll und ganz hinter dieser Sache steht! Der Förderkreis muss vom Freiwilligen in Eigeninitiative und mit viel Kreativität aufgebaut werden. Das Ziel ist, bis kurz vor der Abreise etwa 4.000 € zusammen zu bekommen. Die Summe hängt von der Entsende-Organisation ab. Meistens können kirchliche Initiativen mehr finanzielle Unterstützung bieten und sind daher „billiger“ – aber nicht unbedingt besser. Zur Zeit stecke ich bis zum Hals in der Planung von Aktionen, um diese Summe zu erreichen. Die Idee hinter dieser Art der Finanzierung ist eine ganz einfache: Es wird sichergestellt, dass der Zivildienstleistende sich wirklich einsetzt und somit möglichst viele Menschen davon Wind bekommen – der so genannte Multiplikatoreffekt.

Was sollte man noch wissen?

Erste Anlaufstelle für Interessierte ist das Bundesamt für Zivildienst (BAZ), das auf seiner Homepage eine Liste mit anerkannten Trägerorganisationen veröffentlicht hat. Ausgehend von dieser kommt man in Kontakt mit den jeweiligen Trägern und somit auch zu konkreteren Informationen. Gibt man den Begriff „Zivi im Ausland“ bei GOOGLE ein, so werden zahlreiche verwertbare Links ausgespuckt. Mein Tipp: Kümmert euch frühzeitig darum – am besten ein Jahr vorher. Sprecht mit jedem, der bereits Erfahrungen sammeln konnte, um so besser entscheiden zu können, wo und in welches Projekt ihr am liebsten gehen möchtet. Und ganz wichtig: Lasst euch vom anfänglich großen Aufwand nicht beeindrucken – er ist all die Mühen wert!

Der Autor

Yury Hannaleck wurde am 23.11.1987 in Caracas/Venezuela geboren und lebt seit seinem vierten Lebensjahr in Deutschland. Als Sohn einer indischen Mutter und eines deutschen Vaters liegt der übergreifende Kulturaustausch nahe. Zur Zeit bringt er die letzten Wochen Schule der 13. Klasse hinter sich, um dann nach seinem Zivildienst in Kolumbien für ein halbes Jahr nach Indien zu gehen und anschließend ein BWL-Studium zu beginnen

 

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