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extra ansichtssache: Von Drachenhälsen und Lotosfüßen

extra ansichtssache: Von Drachenhälsen und Lotosfüßen

Wer schön sein will, muss leiden: Das stimmt vor allem, weil Schönheitsideale oft eine komplette, schmerzhafte Veränderung verlangen oder in manchen Fällen sogar unerreichbar sind. Das führt dazu, dass Frauen auf der ganzen Welt verrückte Dinge anstellen, um schöner zu werden.

 
 

In der ganzen Welt scheinen Frauen, mit ihrem Aussehen unzufrieden zu sein. Früher schämten sich viele Brasilianerinnen für ihren großen Busen. In den westlichen Ländern hungern viele Models, obwohl sie sich satt essen könnten. In vielen Teilen Afrikas hingegen futterten sich bis vor kurzer Zeit angehende Schönheitsköniginnen zahlreiche Pfunde an. Dort, wo essen nicht leicht zu finden ist, ist eine volle Figur Zeichen von Wohlstand. Schönheit als Zeichen von Wohlstand ist auch in unserer Gesellschaft bekannt. Ein Beispiel ist die Hautfarbe: Früher galt vornehme Blässe als schön. Sie sagte aus, dass eine Person reich ist, und nicht auf den Feldern arbeiten muss. Heute steht Bräune für einen wochenlangen und teuren Karibik-Urlaub. In Japan dagegen ist das Blass-Sein immer noch ein Standard.

Schuhgröße 17=Reichtum.

Ein ähnliches Zeichen waren in China die Lotosfüße. Die Füße der Frauen sollten möglichst klein und gebogen sein, wie eine Lotosblüte. Die optimale Fußlänge entsprach der Schuhgröße 17. Dazu wurden den Töchtern von reichen Eltern von klein auf die Füße mit starken Bandagen zusammengebunden, damit diese nicht richtig wachsen konnten. Wenn das nicht half, mussten die Füße gebrochen werden. Die Lotosfüße sagten aus, dass die Frau keine Tätigkeiten verrichten musste. Die einzige Aufgabe einer reichen chinesischen Frau war Liegen. Sogar das Laufen nahmen ihr die Sklaven ab: Dazu trugen sie sie auf einer Liege. Die Töchter aus ärmeren Familien mussten ihre Füße wachsen lassen, damit sie ihren Eltern auf den Feldern helfen konnten. Zur Zeit der Industrialisierung begannen die Frauen zu arbeiten und Eltern hörten auf ihren Töchtern die Füße zu verbinden.

Hässlich für fremde Männer = Schön für den eigenen Stamm

Andere Schönheitsideale haben mythologischen Ursprung. Zum Beispiel strecken die Drachenfrauen in Taiwan ihren Hals mit Messingringen. Sie glauben, dass sie von einer Drachengöttin abstammen. Mit den Ringen simulieren sie den langen Hals eines Drachens. Andere Schönheitsideale schützen die Frauen vor Übergriffen von Männern anderer Stämme. Die Frauen aus dem Stamm der Mursi in Äthiopien dehnen ihre Lippen mit Tontellern mit Durchmessern von bis zu 15cm. Die Teller sollen die Frauen für die anderen Stämme unattraktiv machen. Dieser Schutz entwickelte sich langsam zu einem Zeichen von Attraktivität für die Männer des eigenen Stammes. Später signalisierten die Tellerlippen auch, dass eine Frau bereits an einem Mann vergeben ist.

Globalisierung der Welt = Globalisierung der Schönheit

Heute nähern sich die Schönheitsideale immer mehr den westlichen Vorbildern. Auch afrikanische Schönheitsköniginnen müssen schlank sein. Immer mehr Brasilianerinnen lassen ihren Busen vergrößern. Die Drachenfrauen legen ihre Ringe nur an, wenn Touristen ins Dorf kommen. In Asien sind Augenoperationen, die ein westliches Aussehen versprechen, ein begehrtes Statussymbol. Japanische Highschool-Mädchen nehmen in so großen Mengen Selbstbräuner und Beta Carotin-Tabletten, dass ihr Teint Orange aussieht. Viele Frauen im Iran lassen sich Körperteile korrigieren, auch wenn diese vom traditionellen Schleier der Öffentlichkeit verborgen sind.

Schön wie Kleopatra?

Es gibt auch Schönheitsideale, die in vielen Kulturen bekannt sind und über Jahrtausende bestehen bleiben. Kleopatra hat viele Menschen als Idealbild von Schönheit inspiriert. Einige Quellen behaupten jedoch, dass sie eine lange Nase, flache Stirn und schiefe Gesichtszüge gehabt haben soll. Ihre sprichwörtliche Schönheit muss diesen Quellen zufolge von ihrem Charakter, ihrer Fähigkeit als gute Gesprächspartnerin und ihrem Humor kommen. Innere Schönheit kann also auch beeindrucken und sogar über Jahrtausende legendär bleiben.

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