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Mit der Metro durch den Islam
Die Schüler waren ziemlich verdutzt, da sie sich unter diesem Thema nichts Genaueres vorstellen konnten. Frau Ahnesorg, unsere Religionsreferendarin, erzählte von ihren eigenen Erfahrungen aus vier Monaten Ägypten und führte uns mit einem selbst erstellten Fahrplan der islamischen Kultur an die große Weltreligion heran. Wir waren nicht unbedingt Feuer und Flamme dafür, da wir dieses Thema in unserer bisherigen Schulzeit schon öftere Male behandelt hatten und man als Jugendlicher der heutigen Zeit denkt, man wüsste das Wichtigste schon durch die Medien.
Geteilte Stimmung in der Klasse
Anfangs hatte es Frau Ahnesorg richtig schwer das Interesse der Schüler zu wecken, aber durch eigene Bilder ihres Aufenthalts und Erzählungen der muslimischen Gastfamilie war schließlich auch der letzte Schüler bereit zuzuhören. Allerdings war die Stimmung der Klasse geteilt, der eine Teil hörte aufmerksam und interessiert zu und brachte eigene Erfahrung mit ein, der andere Teil hörte mit kritischer Einstellung dem Thema gegenüber zu.
Um die Skepsis zu brechen, plante Frau Ahnesorg eine Gruppenarbeit, wo die wichtigsten Fragen der Schüler über den Islam gestellt wurden. Unsere Antworten würden wir aber erst an der Station unseres Metro Fahrplans „El Marg“ bekommen. Bevor wir unseren Antworten näher kommen konnten, mussten wir ein tatsächliches Wissensgrundgerüst des Islams kennenlernen. Durch eine Gruppenlaufarbeit, die mit Bildern, Rätseln und Spielen aufgebaut war, lernten wir die „Fünf Säulen des Islams“ kennen.
Besuch in einer Moschee
Danach waren wir gut vorbereitet für die Ankunft an der Station „El Marg“, was für uns ein Moscheebesuch in Lauda bedeutete. Dort wurden wir sehr freundlich von Frau Yildirim und ihrer Tochter Esra empfangen. Anfangs teilte Frau Yildirim uns mit, dass es getrennte Eingänge für Männer und Frauen in der Moschee gibt und trennte deshalb die Mädchen von den Jungen. Etwas erstaunt gingen wir mit der uns noch unbekannten Person dieser Religion mit.
Die Jungen wurden von einem Moslem wenig später abgeholt und durch den Männereingang in die Moschee gebracht. Unsere erste Führungsstation war der Gebetsraum der Frauen, doch bevor wir diesen betreten durften, mussten wir unsere Schuhe ausziehen und in ein dort extra angebrachtes Regal hineinstellen. Nach dem Gebetsraum der Frauen gingen wir in den der Männer, dieser war größer und eindrucksvoller eingerichtet. Man konnte dort Abbildungen, heilige Schriften und Nachbauten sehen, die einen sehr hohen Stellenwert in der islamischen Kultur haben. All dies wurde uns während einem Rundgang mit dem Imam, vergleichbar mit unserem Pfarrer, und Frau Yildirim genaustens erklärt.
Viele Fragen
Darauf setzten wir uns auf den Teppichboden im Gebetsraum der Männer nieder und Frau Yildirim ging auf unsere Fragen, die wir im Unterricht gesammelt hatten, ein. Die Muslimin und ihre Tochter konnten unsere Fragen sehr ausführlich und verständlich beantworten. Doch bei der Frage, ob eine Muslimin einen christlichen Mann heiraten dürfe, wurde das Verhältnis angespannter. Sie versuchte uns ihre religiöse Einstellung nahe zu bringen, was aber damit verbunden war, dass sie das Christentum etwas in Frage stellte. Nun fragte eine Schülerin genauer nach, ob sie das Kopftuch immer tragen würde, doch Frau Ahnesorg meinte, als sie bei Frau Yildirim wegen der Vorbereitungen war, hätte sie kein Kopftuch getragen.
Herrn Schenck interessierte es brennend, ob die Muslimin das Kopftuch zu Hause auch nicht getragen hätte, wenn er diese Vorbereitungen mit ihr hätte besprechen müssen. Erschrocken antwortete sie mit einem deutlichen Nein und versuchte es uns anhand eines bildhaften Beispiels zu erklären: Wenn man im Straßenverkehr unterwegs ist, kann es jederzeit zu einem Unfall kommen. Um größere Verletzungen zu verhindern, sollte man sich, bevor man losfährt, anschnallen. Auf die islamische Kultur bezogen heißt das, dass der Gurt im Auto das Kopftuch der muslimischen Frau im Leben darstellt und ihr zum Schutz vor anderen Männern dient, bevor es zu spät ist.
Gemeinsames Abendessen
Danach führten sie uns in den Aufenthaltsraum der Männer, der ausnahmsweise diesmal als Speisesaal für alle eingedeckt wurde. Jedoch waren die Jungen von den Mädchen getrennt. Frau Yildirim teilte uns mit, dass die jugendlichen Moslems der Gemeinde eingeladen wurden, um mit uns gemeinsam zu Abend zu essen und sich auszutauschen. Sie schlug uns vor uns versetzt auf die Stühle zu setzen: ein Schüler - ein Moslem, um sich näher kennenzulernen und eventuelle Wissenslücken zu schließen.
Im Islam war zu dieser Zeit Ramadan, das heißt, die Moslems dürfen nur vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang essen und trinken. Deshalb mussten wir zusammen noch eine Stunde lang warten. Als der Sonnenuntergang gekommen war, wurde das Essen ausgeteilt. Obwohl die Moslems den ganzen Tag über nichts zu sich genommen hatten, gaben sie uns als erstes die Teller weiter, bevor sie sich einen nahmen. Nachdem wir gegessen hatten, sollten wir wieder in die Gebetsräume, denn es war Zeit für das Abendgebet. Danach gingen wir gemeinsam
noch einmal in den für uns gedeckten Raum, wo wir einen Tee zum Abschied bekamen. Wir fanden, der Besuch in der Moschee hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen und so manche Vorurteile aus der Welt geschafft.
Dieser Artikel stammt aus der Financial T('a)ime, die mit Landespreisen und SPIEGEL-Bundespreis ausgezeichnete Schülerzeitung der Kaufmännischen Schule (mit Wirtschaftsgymnasium) Tauberbischofsheim, 2. Internet-Ausgabe.
Weiterführende Links
im Jugendnetz:
- Stichwort Interkulturelle Begegnungen
- Stichwort Lernen
- Stichwort Religion / Kirche
- fit(at)school zeigt, wie ihr die SMV, die Schülerzeitung oder Schulprojekte mitgestalten könnt.
im weiteren WWW:
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