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Für immer Mein, für immer Dein, für immer Unser

Für immer Mein, für immer Dein,  für immer Unser

Holland hat rund 16 Millionen Einwohner, 90% davon sind womöglich Kühe. Langsam fühle ich mich selbst wie eine. Genug Gras um mich herum hab ich ja schon. Und genug Gestank auch. Mittlerweile kann nicht einmal mehr mein Dior-Parfum diesen Gestank überdecken. Da sitz ich nun in der Wiese...

 
 

Ich, Cam: 17 Jahre, Einzelkind, Scheidungskind, Mutter: Ökofreak, Vater: Bonze. Na toll.
Ich hatte das große Vergnügen, mit meiner Mutter in ihrem Hippie-VW-Bus von Schwäbisch Hall nach Giethoorn zu tuckern, einem kleinen Kaff in Holland mit 2600 Einwohnern, inklusive Kühe.
Warum wir hier sind? Meine Mutter, „die rasende Reporterin“, will einen Fotoband über das Land der Tulpen, wohl eher der Kühe, rausbringen. Da mein Vater meint, mit seiner neuen, ach so tollen Freundin Ivana einen Liebesurlaub in Thailand verbringen zu müssen, wurde ich kurzerhand zu meiner Mutter abgeschoben.

So wollte meine Ma, wenn wir schon mal in Holland sind, ihre ältere Schwester Meg besuchen, die sich ihren Lebenstraum vom Bauernhof erfüllt hat und seit 40 Jahren dort vergnügt lebt. Allerdings sieht der Hof, meiner Meinung nach, aus wie dem 19. Jahrhundert entsprungen. Von Zivilisation keine Spur: Kein Fernseher, kein Computer. Ein Wunder, dass wenigstens mein iPhone noch Empfang hat. Das einzige was ich hier gefunden habe, ist ein Radio. Das die Top-Ten Schlager von heute empfängt.

Erste Begegnung

Gerade liege ich auf der Wiese und versuche das Gemuhe de Kühe durch „Big City Life“ von Mattafix zu übertönen.

Na toll. Was ist das denn jetzt schon wieder?! Nicht mal hier in der Pampa hat man seine Ruhe! Verwirrt öffne ich meine Augen und sehe nur die Hinterfront eines Traktors. Der Fahrer schaut mich mit einem mindestens genauso verwirrten Blick an, wie ich ihn.

„Hee, was soll das denn? Hast du Tomaten auf den Augen?“, schreie ich ihn an.
Ich merke, wie ich Zentimeter für Zentimeter mit meinen neuen Pradapumps im weichen Ackerboden versinke. Ich verliere den Halt und lande mit meinem neuen Gucci-Sommerkleid im Dreck. Ich höre ein lautes Lachen. Das Brummen des Traktors verstummt.

Ich schaue nach oben und sehe nur noch seine riesige „Pranke“, die er mir entgegenstreckt. Widerwillig ergreife ich sie und er zieht mich mit einem kräftigen Ruck nach oben.

„Na, Madame, alles noch dran?“, fragt er mich grinsend.
„Was fällt dir eigentlich ein, mich so zu erschrecken? Mein neues Kleid ist total im Eimer!“
„Na, weiß ist vielleicht auch nicht gerade die passende Farbe, um sich auf einer Wiese auszuruhen.“
„Ach, hör mir doch auf mit deinem Gelaber! Fahr mich lieber auf den Bauernhof von meiner Tante Meg. Den kennst du doch bestimmt?“
„Oh ja, den kenne ich sehr gut. Ich arbeite dort. Ach, ich bin übrigens Valle. Und du?“
Auf dem Bauernhof arbeiten? Mit 19? Er sollte doch lieber mal was aus seinem Leben machen, denke ich, aber behalte es für mich.
„Cameron für dich, für den Rest der Welt Cam. Und jetzt fahr mich zu diesem blöden Bauernhof!“
„Na, Prinzessin, mach mal halblang! Das ist schließlich mein Traktor und ich fahre, wann und wohin ich will. Also, meine Liebe, wie heißt das Zauberwort?“
„Abrakadabra und jetzt beeil! Der Akku von meinem iPhone ist gleich leer!“
„Oh, verstehe! Das ist natürlich ein richtiger Notfall!“
„Und wie soll ich da jetzt hochkommen?“
„Zieh deine Schuhe aus und steig auf den Traktor. Das wirst du ja wohl noch schaffen, oder?“

Mit Mühe schaffe ich es dann tatsächlich, auf dieses Ungetüm zu klettern.
Ich bin froh, als ich endlich auf den alten, grünen Fließen unter der Dusch stehe. Dass ich das mal schätzen würde, hätte ich nie gedacht.
Nach der Dusche setzte ich mich an den Tisch zu meiner Tante Meg und Mum, und esse, oh Wunder, eine holländische Käseplatte. Mum erzählt von ihren neuen Fotos, die sie heute geschossen hat. Tante Meg berichtet von den neuen Heuballen. Und ich beschäftige mich mit meinem 5. Stück Käse. Lecker.

Viola

Nach dem Essen verkrieche ich mich in mein viel zu kleines Zimmer, mit dem viel zu kleinen Bett und der viel zu Matratze, und blicke auf die Blümchentapete. Die ist schon echt hässlich. Vor lauter Frust und Blümchentapete wäre ich fast eingeschlafen, hätte mich nicht „Memories“ von David Guetta aus dem Halbschlaf gerissen.

„Hey,
Süße wie geht´s?
Was treibst du so in Holland? Hältst du es zwischen den ganzen Kühen überhaupt noch aus?
Also ich liege gerade mit meinem neuen D&G Bikini am Strand von Dubai und bräune mich.
Schade dass du nicht hier sein kannst. Hier gibt es so heiße Typen, zusammen hätten wir sicher viel Spaß!
Meld dich doch mal, wenn du Empfang hast.
Ich weiß ja nicht, ob du in deinem „Urlaub“ nicht ganz von der Zivilisation abgeschnitten bist.
1000 Küsschen aus dem schönen Dubai, Viola.“

So gemein! Und das soll meine beste Freundin sein?! Ich werde ihr schon noch zeigen, dass mein Urlaub mindestens genau so schön ist wie ihrer.

„Hey meine Süße,
liege gerade in meinem wunderschönen Himmelbett auf einem rustikalen, alten Bauernhof.
Ist mal was Neues und total romantisch.
Ich entdecke gerade völlig neue Seiten an mir.
Selbst die Designerläden lassen hier nicht zu wünschen übrig.
Übrigens hab´ ich einen total süßen Typen kennengelernt, der würde dir sicher auch gefallen!
Küsschen, Cam“

Mein Gott, kann ich gut lügen. Hoffentlich will sie keine MMS mit einem Foto von diesem „süßen“ Typen. Also, der ist ja schon ein ziemlicher Bauer. Als ob ich mit dem noch ein Wort wechseln würde. Bei dem kann ich mich doch nicht mehre blicken lassen. Die Aktion heute Mittag war schon sehr peinlich. Aber warum mache ich mir überhaupt so viele Gedanken darüber? Immerhin hat er mich ja dann doch noch nach Hause gebracht. Und so schlecht sieht er ja auch nicht aus. Eigentlich. Irgendwie. Ich sollte mir nicht den Kopf zerbrechen, meinen Schönheitsschlaf brauche ich schließlich auch noch.

Der nächste Tag

Bald gibt´s Brathähnchen! Jeden morgen das gleiche Drama!
Warum muss der Hahn eigentlich um Punkt sechs krähen? Kann man den nicht vielleicht auf elf Uhr umstellen?
Die Sonne scheint und zwingt mich aufzustehen und zu frühstücken. Mum und Tante Meg sitzen schon voller Tatendrang am Tisch. Was die wohl wieder tolles vorhaben? Wahrscheinlich die Natur erforschen und sich an Heuballen erfreuen.

„Guten Morgen, Schätzchen. Hast du gut geschlafen?“, erkundigt sich Meg.
„Ja, ich hab ganz gut geschlafen, danke.“
„Und Cam, was planst du für heute?“, fragt mich meine Mum mit vollem Müslimund.
„Auf jeden Fall was anderes als auf der Wiese liegen wäre schon cool…“
„Ja, Schätzchen du gehst doch so gerne einkaufen. Fahr doch mit dem Bus nach Steenwijk. Dort gibt es ein paar ganz nette Lädchen.“
„Oh! Ein paar nette Lädchen. Aber immer noch besser als auf der Wiese rum zu liegen. Und wie komme ich da bitte hin?“

„Du musst zur Bushaltestelle Giethoorn laufen. Das sind aber gute 2 Kilometer. Zieh feste Schuhe an. Du kannst aber auch gern meine Gummistiefel haben.“ Meint meine Tante gutmütig.
„Ach, ich wird schon irgendetwas finden. Ich gehe dann mal los, damit ich da heute noch ankomme.“

Ich stopfe mir meinen letzten Apfelschnitz in den Mund und quäle mich die 50 Holzstufen zu meinem Dachzimmer hoch.
Angekommen vor meinem Kleiderschrank, rätsele ich welche meiner 30 Paar Schuhe den kleinsten Absatz haben.
Schließlich finde ich noch ein Paar Chucks die ich schon lange nicht mehr anhatte.

Erneute Begegnung

In völlig neuem Schuhwerk, mache ich mich jetzt also mit meiner neuen Louis Vuitton–Handtasche auf den Weg. Ich stürme die Treppen herunter und renne mit voller Wucht gegen jemanden.

„Autsch!“, schreie ich.
„Sorry!"
„Musst du dich eigentlich mitten in die Tür stellen. Die ist doch ohnehin schon klein genug!"
„Hee, mach mal halblang, musst du immer gleich so ausrasten?“
„Also eine Entschuldigung wäre schon angebracht!“
„Hörst du mir nicht mal zu? Ich habe mich schon entschuldigt!“
, ruft Valle empört.

„Ach, echt? Als Entschädigung könntest du mich doch zu der Bushaltestelle fahren.“
„Dein Wunsch sei mir Befehl, Madame, so lange du auf der Fahrt nicht die Prinzessin spielst.“

Und schon wieder fordert der Traktor meine sportliche Höchstleistung.

Nach ein paar Minuten Stillschweigen fragt Valle mich:
Warum bist du eigentlich hier, wenn dich hier sowieso alles stört?“
„Ach, nur wegen meiner Mutter. Die meint einen Fotoband über Holland machen zu müssen. Deshalb haben wir beschlossen, auch gleich meine Tante zu besuchen. Und du? Warum tust du dir das an tagtäglich auf einem Traktor `rumzudüsen`?“
„Das ist aber ein hartes Los“, sagte er spöttisch.
„Stell dir vor es gibt Menschen die die Natur genießen, ohne Ökos zu sein, Menschen die anderen Helfen und sich gut dabei fühlen und auch „Landeier“, die liebend gern feiern gehen.
„Hahaha … Was du und feiern? Wo denn bitte? Hier gibt’s doch nichts außer tonnenweise Gras und alle 5 km ein Bauernhof.“
„Du scheinst ja ein richtiger Hollandspezialist zu sein! Um was wollen wir wetten das unsere Parties mindestens genauso gut sind wie deine?“
„Das glaubst du doch nicht ernsthaft? Mein Lieber, ich komme aus München eine Stadt voller Prominenz, Glamour und vor allem den weltbesten Parties! Aber gut, wenn du meinst. Um was sollen wir wetten?“
„Da kennst du Giethoorn aber schlecht. Spontan würde mir da schon was einfallen.“
„sag schon, aber ich gewinne so oder so!“
„Ach nee, ist egal. War eine doofe Idee.“

„Nein komm schon, sag, los!“
„Wie auch immer! Gib mir deine Nummer, dann hol ich dich nachher mit deinen 20 Tüten wieder ab. Oder willst du die alle selber schleppen?“

Erstaunlich nett dieser Bauer.
„Oh, öh, ja also, das wäre schon toll. Also, ich meine, wenn du unbedingt willst!“
„Bis nachher Cam.“
„Für dich immer noch Cameron, klar?“
„Jaja, Cameron.“

Steenwijk

Nun steh ich da und warte auf den Bus. Der kommt natürlich auf dem Land zu spät. Wahrscheinlich hat ihm eine Kuh den Weg versperrt. Nach Steenwijk brauche ich eine gute Stunde. Was soll ich in der langen Zeit denn bitte machen?
Als ich endlich in Steenwijk ankomme, sehe ich nichts außer ein Internet-Cafe, fünf „Tante Emma Lädchen“, einen Bäcker und eine Pizzeria. Na Super, was Tante Meg unter Großstadt versteht. Die würde in München ja durchdrehen. Ich denke, ich gehe erstmal was essen. Nachdem ich mir einen Salat bestellt habe und ich überlege, was ich als nächstes tun könnte, riss mich mein iPhone erneut aus den Gedanken.

„Süße, das klingt ja gar nicht mal so schlecht, wie ich dachte. Aber du kannst mir nicht erzählen, dass das besser als Dubai ist. Sorry, aber gegen Strand, Sonne und unzählig gutaussehende Typen, kommt keiner so schnell an.
Aber freut mich, dass du im Land der Tulpen auch deinen Spaß hast. Gibt es dort überhaupt ein Nagelstudio? Eine Shoppingmeile? Und wenigstens einen anständigen Club?
Oder versauerst du auf dem ach so idyllischen Bauernhof deiner Tante?
Ich bemitleide dich, Süße. Nimm’s nicht so hart. Bald bist du wieder im schönen München und wir machen die Clubs unsicher. Das klingt doch gut, oder?
Küsschen, Viola“

Auch wenn es meine beste Freundin ist: Geht es noch eingebildeter? Ich mein, so schlimm ist es hier auch wieder nicht. Alles ruhig und nicht so viel zu tun. Und mal ganz ehrlich: Ein bisschen Ruhe hat noch keinem geschadet.
Auf dieses Nivea lass ich mich nicht mehr herab. Soll sie doch denken, was sie will! Ich mach mir hier einen schönen Urlaub.
Schön ist relativ, aber ich versuch das Beste daraus zu machen. Irgendwie.
Ich hab ja noch Valle. Also nicht, dass ich ihn gut finden würde, aber hübsch ist er schon. Ohje, was würden meine Freunde von mir denken, wenn sie das hören könnten. Schließlich darf es nur das Beste für uns sein
So, jetzt schau ich mir aber mal die Läden an. Vielleicht finde ich ja doch noch was. Auch wenn möglich keine Marke draufsteht. Ich will gar nicht dran denken.

Heuballen und Käsebrot

Nach einem unerwartet erfolgreichem Shoppingtrip sitze ich abends im Bus Richtung Bauernhof. Kurz vor der Haltestelle rufe ich Valle an. Der geht erstaunlich schnell ans Telefon, als hätte er nur auf meinen Anruf gewartet. Oder ist das nur Einbildung? Wie auch immer: Als ich ankomme, wartet er schon auf mich.

„Na Shoppingqueen, deinen Taschen nach zu urteilen warst du wohl erfolgreich, was?“
„Och, naja, Gab schon ganz schöne Sachen, auch wenn es keine Markenkleidung ist. Ich bin irgendwie selber von mir überrascht.“
„Prinzessin Cameron macht Fortschritte. So jetzt müssen wir aber los, Heuballen holen.“
„Wie jetzt? Heuballen holen? Ich will nach Hause! Ich bin müde und meine Dusche hab ich mir mehr als verdient!“
„Du kannst es dir aussuchen; Entweder läufst du nach Hause, oder du holst noch eben mit mir Heuballen!“
„Okay, du hast mich, aber auch nur, weil ich sonst meine Taschen selber tragen muss.“

Langsam mache ich mich richtig gut, so als „Traktoraufsteigerin“. Nach kurzer Zeit biegen wir auf das Feld ein. Ich sehe tausende Heuballen. Ich will heute noch ins Bett! Ich hab Hunger! Ich brauche meinen Schönheitsschlaf!

„VALLE! Mann, wie stellst du dir das vor? Soll ich etwa jetzt Heuballen schleppen?!“
„Du musst keine Heuballen schleppen, das mach ich schon. Setz dich und iss was. Aber pass auf! Die Heuballen können pieksen. Warte, ich hab ne Decke für dich.“
„Danke, geht schon. Aber was soll ich denn bitte essen? Heu? Ich rieche mittlerweile zwar wie eine Kuh, aber Heu ess ich trotzdem keins.“
„Cam, komm mal von deinem hohen Ross runter. Ich hab dir ein Käsebrot mitgebracht. Ich mach mich dann mal an die Arbeit.“

Nett, wirklich nett. Hätte ich ihm gar nicht zugetraut. Eigentlich ist er ja schon sehr lieb. Wenn ich mir Valle mal ganz genau anschaue, sieht er ja schon richtig gut aus, nicht zu spießig, einfach ganz normal. Lieb, nett, hilfsbereit, gutaussehend, zuvorkommend, fürsorglich und stark. Toller Typ, oder? Auf einmal setzt sich Valle neben mich und ich frage ihn:

„Na du, fertig mit der Arbeit? Ich bin irgendwie total müde. Aber hier ist es eigentlich ganz schön, findest du nicht auch?
„Was? Cam die Großstadtzicke sagt, dass sie es auf dem Land schön findet?
“, sagt er und lächelt mich süß an.
„Ja, also ist schon ganz nett hier.“

Auf einmal spüre ich, wie er seinen Arm um meine Hüften legt und mir bleibt einfach nichts anderes übrig, als meinen Kopf auf seine Schulter zu legen. Verständlich, oder?
Er riecht gut. Nicht nach Bauernhof. Nicht nach Kühen. Sondern einfach gut. Obwohl er nicht mal Parfüm drauf hat; was es nicht alles gibt.
Ich habe es gar nicht mitbekommen, aber plötzlich spüre ich Valles Lippen auf meinen, ganz fest, ganz schön, einfach perfekt.

Am nächsten Morgen wache ich mit einem wunderschönen Gefühl auf. Nicht das Gefühl, als hätte ich mir eine Tasche oder neue Schuhe gekauft, sondern einfach glücklich.
Plötzlich erscheint mir alles irgendwie besser, selbst die Blümchentapete.

Dorffest

Drei wunderschöne Wochen später, stehe ich abends vor meinem Spiegel und mache ich für das bevorstehende Dorfest fertig. Mal sehen, ob die mit unseren Partys mithalten können. Aber auch wenn nicht, hauptsache Valle ist da. Die Zeit mit ihm, so etwas habe ich noch nie erlebt.
Kein Rumgeprahle, kein ständiges Gerede über Marken, einfach mal ich selbst sein. Nicht mal ich kannte diese Seite von mir. Er liebt mich, ich liebe ihn. Gibt es was Schöneres?
Da frage ich mich ernsthaft: Was war ich vor Holland nur für eine künstlich, aufgesetzte Großstadtzicke?

„Caam? Bist du fertig? Wir müssen los! Vergiss dein Pradatäschchen nicht!“
Er kann es wohl einfach nicht lassen, mich zu necken.
„Ja mein Bauer, ich komme ja schon!“

Und auf ging es – natürlich mit dem Traktor – zum Dorffest.
Dort angekommen laufen wir direkt Valles Freunde in die Arme. Endlich mal eine herzliche Begrüßung, nicht immer dieses flüchtige Küsschen-Küsschen-Getue.

„Und, wie gefällt es dir so im Land der Kühe und Bauern?“, fragt mich Valles bester Kumpel.
„Naja, sagen wir mal so. Ich habe mich daran gewöhnt, jeden Morgen von dem ätzenden Mistgestank und dem Geschrei des Hühnerviehs geweckt zu werden. Nein, Quatsch! Eigentlich ist es doch ganz nett hier. Mittlerweile könnte ich mich fast daran gewöhnen.“
„Schön, das freut mich. Wollt ihr auch mit tanzen kommen? Wir werden unserer kleinen Cam hier schon noch beweisen, dass unsere Parties genauso gut sind wie ihre.“
„Ja, das werden wir dir schon noch zeigen! Auf geht’s Cam, zeig mal was eine echte Münchnerin so zu bieten hat!“
„Valle, geh doch schon mal vor. Ich komme gleich nach, ich muss mal eben für kleine Prinzessinnen.

Eigentlich will ich jetzt nur Viola eine „super, nette“ Mail schreiben.

„Viola, meine Liebste,
Ich habe hier zwar keine Sonne, keinen Strand und kein Fünf-Sterne-Hotel. Aber viel mehr.
Jetzt fragst du dich sicher, was besser sein könnte?
Viola, was bringen dir tausende gutaussehende Typen, wenn dich keiner wirklich liebt?
Was bringen dir deine tausend Klamotten, wenn du nicht mal die Hälfte trägst?
Was bringt es dir, die Glückliche zu spielen, wenn du es nicht bist?
Was bringen dir tausende Freunde, wenn keiner davon ein Wahrer ist?
Das, meine liebe Viola, ist nicht böse gemeint und mag sich komisch für dich anhören. Aber vielleicht wirst du diese Einsicht, durch irgendeine Erfahrung auch bekommen können. Ich wünsche mir es jedenfalls für dich.
Ich muss sagen, so glücklich, und zwar wirklich glücklich, war ich noch nie.
Deine Cameron“

In diesem Moment wurde mir klar, wie sehr ich mich verändert habe.
Nach unzähligen Tanzrunden, tun mir meine Füße weh. Zehn Zentimeter sind doch normalerweise kein Problem für mich. Aber nach drei Wochen Gummistiefeln bin ich das einfach nicht mehr gewohnt.
Nach dem ich mich, vor lauter Schmerzen auf eine Bank setze, kommt Valle zu mir und fragt mich was denn los sein.
Ich erzähle ihm von meinem Schuh-Dilemma.

„Ich dachte du bist solche Schuhe und durchtanze Nächte gewohnt?! Komm doch mal mit!“
„Ja, wie denn bitte?“

Da hat er mich schon mit seinen Starken Armen hochgehoben und trägt mich zum Traktor. Wir tuckern eine Weile durch die Finsternis. Ich habe bereits nach kurzer Zeit die Orientierung verloren.
Auf einmal bleibt der Traktor stehen und Valle nimmt mich wieder auf seine Arme, trägt mich über eine Wiese und setzt mich ab. Ich spüre das Pieksen des Heus durch mein Kleid. Nein, nicht das weiße Gucci-Kleid von unserer ersten Begegnung, mit dem ich unter anderem in einem Kuhfladen gelandet bin, sondern ein neues aus Steenwijk.
Plötzlich hält Valle mir von hinten die Augen zu und flüstert mir ins Ohr: „Meine kleine Prinzessin, die Augen zu lassen, ja?“
Ich spüre wie er mir etwas Kaltes um den Arm legt. Als ich die Augen öffne, sehe ich ein wunderschönes Armband und dabei sagt er leise:

„Für immer Mein, für immer Dein, für immer Unser.“

Dieser Artikel entstand im Rahmen der Schreibwerkstatt der Klasse 10 am Königin-Charlotte-Gymnasium Stuttgart-Möhringen.

Weiterführende Links

im Jugendnetz:

im weiteren WWW:

Website des Königin-Charlotte-Gymnasiums Stuttgart

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