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Wiedersehen auf Hawaii

Wiedersehen auf Hawaii

„Na, mal wieder Durst gehabt?“, fragte Karl Meier seinen Sohn. „Wonach sieht´s denn aus?“, antwortete Freddy und trank eine halbe Flasche Bier. Mit einem zünftigen Rülpser setzte er sie wieder ab. „Wow, dein Mittagessen riech' ich ja bis hier her.“ Im Radio lief „Time to say good bye“. Karl drehte das Radio leiser.

 
 

„Weißt du denn, wie die Waschmaschine funktioniert?“
„Hä? Waschmaschine? Seit wann muss ich meine Bierflaschen waschen?“
Karl zog ein Bündel Geldscheine aus seiner Tasche, knallte es auf den Tisch und verließ wortlos die Küche.
Freddy sah seinem Vater verwirrt hinterher. Da meldete sich eine Stimme in seinem Kopf.
„Hey, Freddy, wär mal wieder Zeit für ne Zigarette.“
„Ach, Benny, halt einfach die Schnauze! Ich bin 21 Jahre alt. Ich weiß selber, wann ich eine rauchen will. Das muss mir kein Blumenkohl in meinem Kopf sagen. Nach der Zigarette hau ich mich aufs Ohr.“

Verfolgt in der Stadt

„Aufwachen, alter Suffkopf. Es klingelt an der Tür.“
„Mann, Benny, du Vollidiot, hör auf, hier so rumzuschreien. Ich geh ja schon.“
Auf dem Weg zur Tür zündete sich Freddy schlaftrunken eine Zigarette an. Als er öffnete, stand Anastasia vor ihm. Seit 10 Tagen waren sie zusammen, und er hatte nur noch Augen für sie.
„Man, Freddy, wir wollten doch einkaufen gehen. Wie siehst du eigentlich schon wieder aus? Naja, egal, lass uns gehen.“
Sie stiegen in das draußen wartende Taxi ein. Der Taxifahrer, der ein Fußballtrikot von Zinedine Zidane trug, begrüßte die beiden.
„Bonjour, wo kann isch sie inbringen?“
„Wir wollen in die Stadt. Ist das hier denn ein Rauchertaxi?“
„Mais non, Monsieur. Bei uns in Frankreisch gibt es überhaupt keine Taxis, in denen geraucht werden darf. Für solche Fragen wird man in Frankreisch aus der Taxi geworfen.“
„Entschuldigen Sie, aber mein Freund verliert etwas die Fassung wenn er zu wenig geschlafen hat.“
„Ah, oui oui. Die jungen Burschen von eute. Et voilà, wir sind da. Au revoir, mesdames et monsieurs.“
In der Stadt angekommen, bummelte das frischverliebte Pärchen durch jeden Einkaufsladen.
„Sag mal, Anastasia, siehst du den Typ da hinten?“
„Welcher Typ?“
„Na der da im schwarzen Mantel!“
„Ja, was ist mit dem?“
„Ich glaube der verfolgt uns schon seit ner Weile.“
„Ach, Quatsch, Freddy, das bildest du dir nur ein. Hast du gestern wieder ein bisschen zu viel getrunken, oder was?“

Das erste Rätsel

Stunden später kamen sie nach Hause.
„Hey, Vater, ich bin wieder zu Hause. Wo treibst du dich denn gerade rum? Na los, antworte schon. Bist du jetzt beleidigt wegen gestern Abend?“
Niemand antwortete. Nachdem Freddy das ganze Haus durchkämmt hatte, ohne seinen Vater zu finden, entschloss er sich, erst einmal eine Pause einzulegen. Er ging in den Keller. Dort angekommen, führte sein erster Weg zum Bierkasten. Als er eine Flasche aus der obersten Kiste nahm, geriet er wieder mit dem Blumenkohl ins Zwiegespräch.
„Du, Benny, schau mal. Da steht was auf der Flasche.“
„Freddy, du Depp, das ist das Reinheitsgebot. Das steht auf jeder Bierflasche. Das solltest du doch mittlerweile mal wissen.“
„Oh, man, warum konnte ich mir keine hellere Stimme in meinem Kopf aussuchen. Schau doch mal. Auf der anderen Seite der Flasche.“
Freddy nahm den Zettel von der Flasche und las das Geschriebene laut vor.
„Hier habe ich ein Rätsel für dich.“

Verwirrt nahm der junge Mann eine weitere Flasche und sah, dass dort auch ein solcher Zettel klebte. Flasche für Flasche wurde inspiziert. Er stellte fest, dass die kleinen Nachrichten einen zusammenhängenden Text ergaben. Zu lesen war:
„Hallo, mein Sohn,
dass ich nicht da, bin ist kein Zufall. Hier habe ich ein Rätsel für dich. Ich kann dir leider nicht sagen wo ich mich aufhalte und wieso ich nicht zuhause bin. Wenn du meine Rätsel gelöst hast, wirst du wissen was los ist. Und nun zum Rätsel. Du musst deiner Angst ins Auge schauen und dem Tier, das du am meisten fürchtest, gegenüber treten. Dort wird dich etwas erwarten.“

Freddy litt unter einer sehr starken Elefantenphobie. Bei seinem letzten Zoobesuch vor 11 Jahren wurde Freddys Erdnussbutterbrot von einem Babyelefanten geklaut. Freddys Gesicht wurde bleich und ihm war sofort klar, was sein Vater damit meinte. Er sollte in den städtischen Zoo gehen und dort an das Gehege seines größten Albtraums herantreten. Aufgeregt rief er Anastasia an, um sich für den Nachmittag mit ihr vor dem Zoo zu verabreden. Um seine Aufregung in den Griff zu bekommen, zündete sich Freddy eine Zigarette an und öffnete eine Flasche Bier. Diese trank er in einem Zug aus. Erschrocken blickte er auf die Uhr und erkannte, dass er schon viel zu spät dran war. Eilig sprang er auf sein Fahrrad und radelte zum Zoo. Dort angekommen, drückte er Anastasia einen Kuss auf die Backe und marschierte zielstrebig zum Elefantengehege. Doch leider wurden seine Knie mit jedem Schritt weicher. Einige Meter vor den Dickhäutern stoppte Freddy plötzlich und wollte umdrehen. Doch er hatte nicht mit Anastasia gerechnet. Sie packte seinen Arm und zerrte ihn weiter.

„Anastasia, hör bitte auf. Ich kann das nicht.“
„Jetzt stell dich nicht so an. Bist du denn nicht neugierig was dort auf dich wartet?“
„Nein, es interessiert mich kein bisschen, wenn ich daran denke, dass so ein Vieh vor mir steht und nur darauf lauert, mich zu zertrampeln.“
„Keine Widerrede! Du kommst jetzt mit zu diesem verfluchten Gehege.“

Anastasia zog Freddy zum Elefantengehege. Auf dem Weg dorthin zündete sich Freddy noch eine Zigarette an. Doch dies sollte ihm zum Verhängnis werden. Vor der „Heimat der Tiere“ schauten sich Anastasia und Freddy um. Als er den Tieren einen Moment lang den Rücken zudrehte, spürte der Mann etwas Feuchtes in seinem Nacken. Als er sich umdrehte, sah er den Rüssel eines Elefanten. Da wurde ihm auch schon schwarz vor Augen. Der Elefant, welcher die glimmende Zigarette sah, bekam Panik und sah sich in die Pflicht genommen diese zu löschen. So füllte er hastig seinen Rüssel mit Wasser und verpasste Freddy eine ungewollte Dusche. Durch das kühle Wasser wachte Freddy, welcher schrägt unter einem Mülleimer lag, wieder auf. Er schnellte hoch und schlug sich dabei den Kopf am Mülleimer an.

Das zweite Rätsel

Wieder am Boden liegend und gen Himmel starrend, sah er einen Zettel Boden des Mülleimers. Dieser Zettel sah genauso aus wie sein zusammengesetztes Puzzle. Er nahm den Zettel und stand auf. Mit benommener Stimme las er ihn vor.
„Na, wieder bei Bewusstsein Sohnemann. Da mir klar war, dass du in Ohnmacht fallen würdest, habe ich den Zettel am Boden des Mülleimers deponiert. Ohne Würze ist nicht gut leben. Also sorge dafür, dass wir in unserem Haus gut leben können.“
„ Hey, Freddy, was will dein alter Herr uns denn damit wieder sagen?“, meldete sich Benny wieder mal zu Wort.
„Ach, Benny, du Vollpfosten, halt doch einfach mal fünf Minuten die Schnauze und lass mit Hirn gesegnete Kreaturen nachdenken!“
Freddy ging auf und ab. Auf einmal schrie er laut.
„Maos Wasabi-Laden!“
„Und das soll jetzt heißen? Würde mein Freund mal etwas Licht ins dunkel bringen?“
„Mein Vater isst Wasabi für sein Leben gern. Ich kenne kein Gericht, das er ohne die scharfe Würze genießen kann. Und da man Wasabi nicht in jedem Laden kaufen kann, kauft mein Vater immer beim Chinesen seines Vertrauens: MAO. Auf geht´s, Anastasia! Ab zu Mao.“

In einer schmuddeligen Seitenstraße befand sich der kleine chinesische Laden. Er war heruntergekommen und kein Mensch verirrte sich in dieses Gässchen. Als Freddy mit seiner Freundin dort ankam, begrüßte der kleine Chinese ihn herzlich.
„Nihao Fleddy. Wie geht es dil heute? Dein Vatel sagte mil, dass du kommen wüldest. Wel ist denn das hübsche Mädchen an deinel Seite? Komm helein, ich habe etwas fül dich.“
„Hallo, Mao, alter Freund. Das ist Anastasia, meine Freundin. Weißt du was mit meinem Vater ist? Warum spielt er so ein komisches Spiel mit mir? Warum führt er mich zu dir?“
„Ich weiß es leidel nicht. Ich kann dil nul den Blief von deinem Vatel geben, den el mil fül dich gegeben hat.“
Freddy öffnete den Brief. Im Umschlag befand sich ein Flugticket nach Honolulu. Anastasia fragte neugierig:
„Und, was ist in diesem Umschlag?“
„Ein Flugticker, sonst nichts. Der Flug geht bereits in vier Stunden. Ich werde mich beeilen müssen.“
„Wo geht denn der Flug hin?“
„Nach Hawaii. Nun muss ich aber los, wenn ich den Flug bekommen will.“
„Na, dann wünsch ich dir viel Spaß und hoffe, dass du deinen Vater finden wirst.“

Flug nach Hawaii

Freddy hastete nach Hause und bestellte ein Taxi. Dann verstaute er das Nötigste in einem kleinen Koffer. Er verließ das Haus und stieg in das bereits wartende Taxi. Eine bekannte Stimme begrüßte ihn.
„Bonjour Monsieur, wo darf isch Sie inbringen?“
„Ich muss zum Flughafen. Möglichst schnell, wenn es geht. Mein Flug nach Hawaii geht bald und ich würde ihn ungern verpassen.“
„Immer mit die Ruhe, mon amis. Hawaii ist eine sehr schöne Insel, mais la Guadeloupe ist viel schöner. Isch würde ihnen eine Reise dorthin empfehlen. Et voilà wir sind da. Au revoir.“

Hastig lief Freddy zum Check-Inn Schalter. Nachdem er seinen Koffer abgegeben hatte, schlenderte er in die Abflughalle. Auf dem Weg dorthin sichtete er eine Currywurstbude. Seine Gedanken glitten zu Anastasia, die eine Currywurstliebhaberin war. Gedankenverloren warf einen zweiten Blick zum Stand und meinte seine Freundin zu erkennen. Da grölte auch schon wieder Benny los.
„Du Idiot! Hör auf zu träumen. Lass uns lieber noch auf einen Drink an die Bar gehen.“

Gesagt, getan. Freddy stiefelte an die Bar und bestellte sich einen Whiskey on the rocks. Jedoch war nach dem ersten Drink auch schon Boardingtime und er musste ins Flugzeug. Nach einer Stunde Flugzeit kam eine Flugbegleiterin zu Freddy. Sie brachte ihm eine Flasche Sekt und eine Karte. Nachdem er die Flasche Sekt geleert hatte, beglückte er seine Nebensitzerin mit seinem berühmt-berüchtigten Rülpser. Angewidert stand die Dame auf und suchte sich einen anderen Platz. Er begutachtete die Karte. Eine bestimmte Stelle war mit einem dicken Kreuz markiert. Freddy kümmerte sich nicht weiter darum und erzählte stattdessen den um ihn herumsitzenden Passagieren die Geschichte seines Vaters. Ein Mann im schwarzen Mantel setzte sich zu Freddy und hörte ihm begeistert zu.

„Wow, das ist aber eine hochinteressante Geschichte.“
Nach der Landung beschlossen die beiden Männer, noch ein Bier an der Flughafen-Bar zu trinken.
„Ach, Freddy mein Freund, wie schade, dass wir uns jetzt schon trennen müssen. Wo führt denn deine Reise hin?“
„Ich muss in ein Dorf an der Nordküste von Hawaii. Es heißt Bamboucha. Wo musst du denn hin?“
„Oh, welch eine Überraschung. Genau dort muss ich auch hin. Wir könnten uns ja ein Taxi teilen.“
„Ja, das wäre eine gute Idee. Ich geh mal eben ein Taxi rufen.“

Während Freddy ein Taxi rief, ging der Mann im schwarzen Mantel kurz aufs Klo. Zehn Minuten später standen die beiden Männer vor den Flughafen und stiegen in das wartende Taxi ein. Der Taxifahrer trug ein Fußballtrikot von Zinedine Zidane und begrüßte die beiden beschwipsten Herren.
„Bonjour mes amis. Wo darf isch sie inbringen.“
„Was? Sie schon wieder? Wir müssen nach Bamboucha!“, lallte Freddy dem Taxifahrer entgegen.
„Ulala, betrunkene Leute dürfen bei uns in Frankreisch nischt mit der Taxi fahren. Das ist nisch öflisch. Isch denke sie verwechseln misch mit meine Brüder mon amis. Et voilà, wir sind da meine erren.“
Als das Taxi anhielt murmelte Freddy leise zu Benny.
„Du, Benny, schau mal aus dem Fenster. War das nicht gerade mein Vater, der da telefonierend weggelaufen ist?“
„Ach, Freddy, du Idiot. Du bildest dir dauernd Sachen ein.“

The Final Countdown

Die beiden Männer stiegen aus dem Taxi. Freddy stand am Straßenrand, als ihm jemand auf die Schulter tippte.

„ Hallo mein Sohn. Es freut mich dass du meine Hinweise richtig gedeutet hast. Wer ist denn der Mann neben dir?“
Der Mann im schwarzen Mantel zückte eine Pistole und richtete sie auf Karl. Ein schwarzer Kleinwagen vor fuhr und vier weitere schwarzgekleidete Personen stiegen aus. Eine davon war Anastasia.
„ Vielen Dank mein Schatz. Endlich haben wir deinen Vater gefunden und können uns an ihm rächen. Vor wenigen Wochen sollte dein Vater als Zwischenhändler in einem großen Drogendeal fungieren. Jedoch war er plötzlich mitsamt den Drogen verschwunden.“
Freddy sah Anastasia entsetzt an.
„Und du warst nur mit mir zusammen um an meinen Vater ranzukommen?“

Der betrunkene Sohn torkelte wütend aus Anastasia zu. Anastasia lief ihm entgegen. Sie verpasse ihm einen heftigen Stoß. Freddy geriet ins Wanken und fiel nach hinten um. Im fallen schlug er ausversehen dem bewaffneten Mann seine Pistole aus der Hand. Just in diesem Moment traf die Polizei ein und nahm die Übeltäter fest. Karl lief zu seinem Sohn und sagte mit einem breiten grinsen auf dem Gesicht.
„ Ich habe es mir schon gedacht dass mein betrunkener Sohn mir Schwierigkeiten bereiten wird. Deswegen habe ich vorsorglich die Polizei angerufen. Und wie wir gesehen haben hatte ich wohl mal wieder Recht.“

Nachdem sich die Aufregung gelegt hatte, saßen Vater und Sohn entspannt am Strand.
„ Hier lässt es sich doch Leben Sohnemann, oder?“
„ Natürlich alter Mann. Nur das Bier ist nicht das wahre. Dafür ist meine Zigarre umso besser.“
„ Currywurst! Billiger, billiger, billiger, gratis!“ rief ein vorbeiziehender Currywurstverkäufer.
„ Das war schon ein richtiges Abenteuer. Die Aufgaben die du mir gestellt hast waren wirklich aufregend. Aber nun beginnt ein neuer Lebensabschnitt hier auf Hawaii. Denn wie wir alle wissen: Jede Geschichte hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei.“ sagte Freddy. Er leerte seine Flasche Bier in einem Zug und zog an seiner Zigarre.

Dieser Artikel entstand im Rahmen der Schreibwerkstatt der Klasse 10 am Königin-Charlotte-Gymnasium Stuttgart-Möhringen.

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