Von
Petra Krieg, Susanne Frenkel
Als ich von dem Projekt "Jugend im WertAll" der Landesstiftung Baden-Württemberg hörte, kam mir sofort der Gedanke eines generationsübergreifenden Projektes. Ich fand die Idee spannend, die verschiedenen Generationen in Austausch über ihre Werte zu bringen. Das Medium Theater fand ich hierfür am besten geeignet, da die spielerische Annäherung, die Arbeit mit dem ganzen Menschen hilfreich bei der Annäherung ist. Das oberste Ziel des Projektes war, dass Jugendlichen und Senioren sich ihrer Werte bewusst werden und darüber in Austausch treten. Dadurch sollten Barrieren zwischen Jung und Alt abgebaut werden und durch das nähere Kennenlernen Verständnis und Respekt entstehen. Dieses Ziel wurde gut erreicht. Wir wollten allerdings mit viel mehr Jungen und Alten spielen, leider haben wir trotz intensiver Werbung nicht mehr Menschen gewinnen können.
Wie setzte sich die Theatergruppe zusammen?
Insgesamt konnten wir neun Mitspieler gewinnen im Alter von 16 bis 75 Jahren, wobei sechs davon zwischen 16 und 24 Jahre alt waren und drei zwischen 50 und 75. Begleitet wurden sie von Michaela Bauknecht und Andreas Beier, beides Theaterpädagogen. Bei den Aufführungen unterstützte uns ein fünfköpfiges Pfadfinderteam in der Technik. Mit beteiligt war natürlich auch das Publikum, das im Anschluss an jeder Aufführung nach ihrer Meinung und ihren Erfahrungen gefragt wurde.
Wie klappten die Zusammenarbeit und die Proben für das Stück?
Die Zusammenarbeit klappte sehr gut. Die spielerische Herangehensweise half die anfängliche Skepsis vor allem der Jüngeren zu überwinden. Sie hörten sich gegenseitig interessiert zu und wuchsen schnell zu einer harmonischen Gruppe zusammen. Die jüngeren Mitspieler hörten gerne von den Erlebnissen der älteren, im Gegenzug zeigte die ältere Generation echtes Interesse an den Ansichten der jüngeren Generation.
Gab es im Vorfeld Bedenken aufgrund der gemischten Gruppe?
Echte Bedenken gab es im Vorfeld nicht. Eher eine Spannung, wie können sich die älteren Mitspieler auf das Improvisieren einlassen. Auch die Frage nach dem "Du" oder "Sie" regelte die Gruppe sehr schnell selbständig.
Was ist das Besondere an dem entstandenen Stück?
Das Besondere an dem Stück ist: Es ist aus dem Leben gegriffen, wie es ein Zuschauer am Ende des Stückes formulierte. Es spielt in einer Wohngemeinschaft und zeigt Szenen aus dem Alltag. Jeder konnte sich in einer Szene wiederfinden. Deutlich wurde, wie unser Alltagsleben von Werten geprägt ist. Wie wir uns verhalten, wo wir angreifbar sind, was wir verteidigen. Hinterfragt man das, stoßen wir unwillkürlich auf Werte. Das Stück ist auf jeden Fall ein Erfolg. Rund 350 Menschen haben es gesehen, es sind interessante Gespräche entstanden, viele Erinnerungen sind wach geworden und viele Anfragen an einen selbst kamen auf. Durch Rollentausch entstand teilweise eine verkehrte Welt. So belehrt in einer Szene die jüngere Bewohnerin die ältere über die Moral. Unterbrochen wurde das Stück immer wieder durch Traumszenen einzelner Bewohner, die die Grenzen mancher Wertigkeiten verdeutlichten: der Wert der Arbeit, der Freiheit, der Gerechtigkeit. Entstanden ist das Stück aus Improvisationen. So gab es bis zur letzten Aufführung zwar einen Ablauf der Szenen und den Inhalt, es gab aber kein Textbuch. Deutlich wurde auch, dass mit jedem Mal die Szenen prägnanter wurden. Die Rückmeldungen aus dem Publikum brachten neuen Facetten, die dann in der nächsten Aufführung eingebaut wurden.
Wie waren die Erfahrungen der Projektteilnehmer?
Die größte Überraschung war, dass die Wertehierarchie von Jung und Alt ziemlich identisch waren. Toleranz, Vertrauen und Ehrlichkeit standen hoch im Kurs, während die Treue eher ein Thema der jüngeren Generation war.
War das Theater der Generationen für Alt und Jung gleichermaßen ein Erlebnis oder gab es Unterschiede?
Während den Proben und dann auch während den Aufführungen hatten alle gleichermaßen viel Spaß und Freude aneinander und miteinander. Es entstanden Beziehungen, man wusste voneinander. Ich hatte zu Anfang den Eindruck, dass die Jugendlichen sich mit der Vorstellung leichter taten mit Erwachsenen zu spielen, wohingegen die ältere Generation sich mit dem Gedanken schwerer tat, von den Jungen akzeptiert zu werden. ?Was wollt ihr denn mit mir alter Schachtel.? Aber am Ende stand die Aussage im Raum, dass beide Seiten viel voneinander gelernt haben.
Was ist aus der Theatertruppe heute geworden?
Wir machen weiter. Die Besetzung hat sich zum Teil geändert, aber der Großteil der Gruppe hat sich dafür stark gemacht, ein neues Projekt zu starten. Wir sind gerade dabei ein neues Theaterstück zum Thema ?Soziale Gerechtigkeit? zu erarbeiten. Es sind neue Theaterbegeisterte hinzugekommen und es ist eine Herausforderung für alle Beteiligte, den ersten Auftritt zu toppen. Wir konnten die Katholische Arbeitnehmer Bewegung (KAB) Bezirk Hohenstaufen als Partner gewinnen und sind noch auf der Suche nach Sponsoren, um die Kosten der Theaterpädagogin und der Aufführung zu decken. Die Aufführungen werden 10. und 11. November 2007 stattfinden. Die näheren Termine findet man unter
www.caritas-fils-neckar-alb.de.
Weiterführende Links:
im Jugendnetz:
im weiteren WWW:
- Buchtipp zur Wertekommunikation in der außerschulischen Jugendbildung: Jugend im WertAll