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extra engagement: Medien machen in der Pampa - Erfahrungen aus einem ganz besonderen Camp

extra engagement: Medien machen in der Pampa - Erfahrungen aus einem ganz besonderen Camp

170 Jugendliche, eine große Wiese mitten in der wunderschönen Landschaft der mecklenburgischen Seenplatte, viel Technik, eine große Feuerstelle und Musik: Das alles gehört zu dem jährlich stattfindenen Jugendmediencamp. Unsere Autorin Alina Ullmann war im Organisationsteam und berichtet von diesem Camp der ganz besonderen Art.

 
 
Die Kratzeburger Wiese ist nicht nur berühmt berüchtigt für ihr aufregendes Spektrum an Mücken, sondern auch für ihre Medienpräsenz, die jedes Jahr an Pfingsten durch das Jugendmediencamp (JMC) unter Beweis gestellt wird. Unter dem Motto „Mit der Technik in die Pampa“ treffen sich jedes Jahr cirka 170 junge Medieninteressierte, Medienmacher und solche, die es werden wollen. 13 Bahnminuten von Neustrelitz entfernt, befindet sich der verlassen wirkende Bahnhofvon Kratzburg, das mit seinen 200 Einwohnern nur knapp die Teilnehmerzahl des JMC übertrifft und wunderschön in der wald- und wasserreichen Mecklenburgischen Seenplatte liegt.  

Fünf Tage lang lernen, aber auch die Seele baumeln lassen

Doch bevor das JMC überhaupt stattfinden kann, muss eine Menge aufreibender Vorarbeit geleistet werden: Sponsoren finden, Workshops ausarbeiten, entsprechende Teamer finden … Dafür sind die Organisatoren -  kurz Orgas - verantwortlich. An ihnen liegt es, dass JMC leb- und vor allem leibhaftig werden zu lassen. Ihre Energie und ihr Durchsetzungswillen ist es, der es den Teilnehmerinnen und Teilnehmern (Teilis) ermöglicht, fünf Tage lang lernend die Seele baumeln lassen zu können.
Es ist ein Mittwoch Ende Mai: Anreisetag für alle Orgas. Schnellen Schrittes und frohen Mutes tasten sie sich immer näher an die blühende Wiese heran, deren Halme die Beine zu zerkratzen drohen, um ihre Zelte aufzubauen und dem Camp den letzten Schliff zu verpassen. Es bleiben nur noch zwei Tage, bis das große Treiben losgeht. Große Workshopzelte werden aufgebaut, Kabel verlegt, Technik aufgebaut, Feuerstellen gegraben, Bäume gefällt, durch den duftenden Wald geschleift und zu Feuerholz verarbeitet.


Erst am letzten Tag vor dem Eintreffen der Teilis wird  die prachtvolle runde Bühne mit Minimum zwanzig Mann zusammengewerkelt. Es wird gezogen, gestemmt, verklebt, aufeinander gehoben und schließlich mit gemeinsamen Kräften zusammengeschoben- und gedrückt, um das Endergebnis in seiner prachtvollen Gesamtheit sehen zu können.

Tee aus frischen Waldkräutern

Die Belohnung folgt auf dem Feuer: Chilli san Cane (Chilli con Cane ohne Fleischbeilage zur großen Freude der Vegetarier (Vegis)). Blöd nur, dass ich Mais als Fleischersatz auf den Tod nicht ausstehen kann. Mir diente der Hexenkessel somit eher zur Teezubereitung. Allerdings nur wenn die Zeit ausreichte, um frische Minze und Kräuter aus dem geschätzten Wald zu holen.  
Die Nacht vor dem Eintreffen der Teilnehmer wird zur Bewährungsprobe: Es gibt - zumindest für mich-  nichts Nahrhaftes zu essen (frischer Minztee ist toll, aber satt werde ich davon leider nicht) und das Wetter spielt  auch nicht mit. Nach einer regnerischen und feuchtfröhlichen Nacht („Inchen, mach mir mal meinen BH auf.“ – „Was macht ihr denn da drinnen? Können wir mitmachen?“) geht es am nächsten Morgen an die letzten Vorbereitungen.

Letzte Aufbauarbeiten und Campregeln

Die Beutel für die Teilnehmer werden nicht ganz fachgemäß  besprüht, letzte Baumstämme zur Feuerstelle geschleppt und der Kiosk mit Produkten zum altSelbstkostenpreis nimmt Gestalt an, allerdings erst, nachdem wir die Pavillons rennend umwanderten und die letzten Bindeglieder zusammenführten.
Außerdem werden die Jugendmediencamp-Bibeln zusammen getackert und auf einem einfachen Holzbrett wird festgehalten, welche Regeln (Gebote) die mehr oder weniger liebenswürdigen Teilis zu befolgen haben und die Texte zu den typischen JMC-Liedern verewigt: „Kling Klang Du und Ich und Ich bin ein Gänseblümchen im Sonnenschein und durch meine Blüten fliegt die Sonne in mich rein…“. Das erzeugt Lagerfeuerstimmung pur, noch bevor der Abend wie jedes Jahr durch eine Band eröffnet wird.

„Manche Teilnehmer rennen uns sogar entgegen!“

Und dann der Moment, auf den alle gewartet haben: Die Teilnehmer kommen über den Berg die grüne Wiese heruntergelaufen. Manche rennen uns sogar entgegen: Voller Vorfreude und noch nicht wissend, dass sich das Wetter wieder ändern wird und die Mücken so angriffslustig sind, dass sie allein mir 43 Mückenstiche auf den Beinen hinterlassen haben. Euphorisch werden die ersten begrüßt, während sich andere nach der Anmeldung bereits darüber aufregen, dass ihre Sachen so achtlos aus dem Transporter geworfen werden.
Aber nicht nur mit der Behandlung des Gepäcks gibt es Probleme, auch der Alkohol bereitet uns Probleme und wir haben Mühe, ihn einzuschränken. Da gibt es Leute die man mit einem Kasten Bier erwischt, um dann festzustellen, dass sie beteuernd die Wahrheit gesagt haben und sich in diesem tatsächlich nur Eistee befindet. Uns war nicht klar, dass sie den wirklichen Inhalt des Bierkastens in ihren Reisetaschen versteckt hatten.

Viele bleibende Eindrücke und Erinnerungen

Ich habe in meiner Reisetasche vor allem ganz viele Eindrücke gepackt, die ich mit nach Hause genommen habe:
Wenn man auf das JMC kommt, muss man damit rechnen, dass sich Gummistiefel und Autan als Wundermittel unter Beweis stellen.
Man muss damit rechnen, dass jedes Jahr von Neuem ein Wiederkehren der Tütenmode erlebt wird, wenn man feststellt, dass alle Sachen ebenso zu schwimmen beginnen wie der restliche Zeltinhalt, weil irgendjemand vergessen hat, dass Zelt zuzuziehen. Und dass es immer wieder vorkommt, dass auf einmal jemand wildfremdes die Nacht im eigenen Zelt verbringt, weil seines dem Sturm zum Opfer fiel oder einfach von Beginn an zu Hause vergessen wurde.
Es kann vorkommen, dass sich der Techniker auf der Bühne die Finger blutig spielt, um alle Beteiligten den Abend zu bespaßen und dass es pünktlich zur Filmnacht spätestens in der Mitte des ersten von drei Filmen zu regnen beginnt.

Schlammschlachten und gemeingefährliche Zeltschnüre

Manche können ihrem Drang, die in sich befindlichen Flüssigkeiten loszuwerden, nicht mehr zurückhalten und vergehen sich an silbernen Zelten.
Man muss bedenken, dass Schuhe am Feuer anschmelzen können und dass die Stimmung meist erst beim Regen an ihren Höhepunkt gelangt, wenn man sich um die Frisbeescheibe streitet und dann kurz vor der Feuerstelle mit großem Getöse in Badekleidung in den Schlamm fällt.
Es wird auf dem Camp immer Menschen geben, denen nicht klar zu sein scheint, dass wir hier keine Outdoor- Modenschau bestreiten wollen und erst recht auf Marken verzichten können. Auf der anderen Seite gibt es Teilnehmer, die einen inspirieren und die man nur knuddeln mag. Und wieder solche, die sich den ganzen Körper bemalen lassen und dann überschwinglich mit dir ins Wasser hüpfen, um danach festzustellen,  dass beide sich die Füße zerschlissen haben und sich auf zum Sanitäter machen müssen.Nein, nicht um liebäugelnd nach Kondomen zu fragen, sondern nach Verbandszeug. 
Es gibt Workshops, in denen die Teilnehmer blind und ohne vorheriges Wissen jene Verhütungsmittel aufblasen oder taubstumm Kanu- Touren unternehmen. Wir warten übrigens noch immer auf das erste JMC- Baby.

Nach dem Camp ist vor dem Camp

Und man muss damit rechnen, dass nach dem Camp auch immer vor dem Camp ist, und dass man trotz allen Stresses nicht meiden möchte zu wissen, was man nächste Pfingsten wieder vor hat. Denn Aktionen, wie dass man, nachdem die Teilis weg sind, bemerkt, dass der wahre Sturm sein Gesicht zeigt und alle Zelte in die großen Workshopzelte samt Inhalt getragen werden müssen, weil sie sonst völlig überschwemmt werden, machen es noch erlebnisreicher.
Ich bin ein Gänseblümchen im Sonnenschein und durch meine Blüten fliegt die Sonne in mich rein. Ich bin ein Gänseblümchen ohne Aggression. Wut, Ärger, wer braucht das schon?

Weiterführende Links

im Jugendnetz:
  • Stichwort Engagement
  • Stichwort Medien
  • Stichwort Veranstaltung/Event
  • Jugendkulturforum: Informationen über Kultureinrichtungen, - angebote und Beteiligungsmöglichkeiten
  • Freiwillig aktiv: Informationen zu Freiwilligendiensten und –projekten (FSJ, FÖJ, Zivildienst, …
  • Mitmachen Ehrensache: Aktiv werden für einen guten Zweck. Arbeiten, damit anderen geholfen werden kann.
  • Qualipass: Dokumentenmappe, in der Zertifikate für ehrenamtliches Engagement, Jobs und sonstige Tätigkeiten (zum Beispiel Sprachkurse, Praktika, SMV-Arbeit, …) gesammelt werden können.
  • Fragen zum Thema Medien und Schülerzeitung? Stellt sie im Forum im Bereich Medien machen. Hier stehen euch Experten Rede und Antwort. 
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