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extra engagement: Der Alltag einer Teilnehmerbetreuerin auf den Jugendmedientagen 2006 in Berlin
"Irgendwer muss sich doch um die Teilnehmer kümmern!"
Doch ich mag gar nichts anderes, als genau jetzt hier zu sein. „Denk doch nur mal an das wohlige Gefühl, dass deine Speiseröhre durchfließen würde, wenn du
dich nur einen Augenblick hingibst und dir vorne an der Ecke einen Cappuccino gönnst“, versucht mir mein unvernünftiges Ich einzureden. „Es sind nur exakt 27 werbegeschmückte Stufen hinauf zum jovialen Genuss den dein Herz begehrt“, beginnt es weiter in meinen hungrigen Wunden zu stochern. „Nein! Ich will nicht weg. Irgendwer muss sich doch um die mehr oder weniger schutzbedürftigen Teilnehmer kümmern!“, setzt mein pflichtbewusstes Inneres vehement entgegen. „Du bist doch nur einen ganz kurzen Augenblick verschwunden- wer soll da schon kommen?“ „Ja, wenn ich es mir recht überlege … Nein! Und jetzt Schluss mit deinen Überredungskünsten!“ versuche ich mich weiter zu wehren. Aber es eröffnet erneut die Diskussion. „Gott, halt den Mund und lass mich endlich zufrieden. So kann ich nicht arbeiten!“, gewinnt mein pflichtbewusstes Ich.Ja, ja die alltäglichen Zwiespälte einer glücklich gestressten Teilnehmerbetreuerin, die sich auf ihr ungehaltenes Gewissen zu stützten weiß.
Nachdem meine Kollegen und ich schätzungsweise 6 Trillionen (oder waren es doch nur 289?) Teilnehmern den Weg zu ihrer Unterkunft in der Max- Schmeling Halle gewiesen haben, geht es planmäßig zurück in eben jene, die sich in meinem allzeit geliebten Bezirk Prenzlauer Berg befindet. Doch was ist das? Am nächsten Knotenpunkt stehen nicht die erwarteten zwei Kollegen, die den Teilnehmern den Weg weisen sollen. Was mache ich? Natürlich meiner aufopferungsvollen Gutmütigkeit Folge leisten um die ankommenden Teilnehmer (unter ihnen übrigens ein Muttergefühle auslösender Sprössling mit Krücken) nicht auf einen falschen Pfad kommen zu lassen.
Lange Reise, schlechtes Wetter ... und dann noch eine Stadtführung?
Soweit so gut. Erwartungsvoll steure ich nach dieser feuchtfröhlichen Erfahrung auf die Halle zu, um mich den Teilnehmern zu nähern, die vielleicht doch Lust auf eine Stadtrundfahrt haben. Auf diese habe ich mich nämlich ungelogen zweieinhalb Tage lang vorbereitet, um Berlin - meine Mutterstadt- als die grandiose Medienstadt darzustellen, die sie ist. Doch Gott - Zweifel seiner Existenz breiten sich in mir aus - meint es nicht gut mit mir: Nicht nur sind alle Teilnehmer von der teils langen Reise geschafft. Nein. Ihnen erscheint auch das Wetter unzumutbar, als das man sich hinaus trauen würde- ausgenommen die hart gesottenen Raucher, die sich riskanten Mutes zu den Sturmböhen nach draußen begeben. Zwingen will man selbstverständlich auch niemandem zu seinem Glück., sonst heit es am Ende nur wieder es wre sexuelle Belstigung Schutzbefohlener und das will natrlich niemand ber sich verbreiten lassen.In der Max-Schmeling-Halle wurde ich einem rekordverdächtigem Blitzlichtgewitter in Form von Haefft- Fotografen unterworfen, die es scheinbar darauf abgesehen hatten, mich in möglichst furchtbarer Pose zu erwischen (blau gefrorene Lippen, die beinahe den Saum meines schlapp herunterhängenden Rockes berührten, weil alle Kräfte aus mir wichen).
Bananen im Überschuss
Doch noch immer war ich voller Vorfreude auf das Kommende. Nichts konnte drohen meine Stimmung umzuwerfen. Zumal meine Vitaminzufuhr bis auf das Allerheiligste bewahrt wurde. Nur eine kleine Anekdote dazu: Bei der Bestellung der Bananen hatte sich ein kleiner Teufel eingenistet, der die Anzahl derer so erhöhte, dass jeder Teilnehmer (Achtung: Wir haben es tatschlich ausgerechnet!) pro Tag 5,26 Bananen sprich 21,04 in vier Tagen sprich alle 4,56 Stunden eine hätte essen müssen, vorausgesetzt dem Fall er würde nie schlafen! Dies wiederum führte zu einer besonders ansprechenden Reaktion eines gerade die Toilette verlassenen Teilnehmers: „Wenn ich schon dieses gelbe gekrümmte Obst sehe, kriege ich Verstopfungen. Bleib mir bloß vom Halse damit!“
Man sieht also, die Vitamine hätten keine Probleme gehabt sich in den Mägen unserer Teilnehmer zu zersetzen, doch an stelle dessen war die restliche Verpflegung - auch hier werde ich bei allen Beteiligten wieder reges Nicken wahrnehmen- für die Katz! Dieser wunderbare erste Tag - glaubt mir, ich meine das nicht ironisch, denn ich bin ein Mensch, der sich von Stress ernährt- endete mit einer turbulenten Sackhüpfralley auf dem Gang.
Teilnehmerbetreuerin = Spaß, Spannung und Überraschungen
Der zweite Tag war geprägt von frühem Aufstehen und rasenden Fahrstuhlfahrten im Bundestag - man glaubt gar nicht, was für ein Tempo die draufhaben können, wenn man von der Chefetage Angela Merkels hinunter in den Keller gelangen will. Oh, und nicht zu vergessen, das andauernde Kommunizieren durch die internen Telefonzellen, die letzten Endes mit roten Plastikbändchen abgesperrt wurden, als die Teilnehmer sie für sich entdeckten.
Der krönende Abschluss ergab sich mit der Party am Abend des dritten Tages, wo ich mir zu allem Überfluss meine ohnehin schon lädierte Kapsel am Fußgelenk nochmals prellte, weil ich so leichtsinnig und beschwippst von den Massen an Bionade war, dass ich mich in die Massen begab, um alle Restenergie abzuschütteln.
Das Fazit, was ich aus diesen Tagen jedoch ziehen kann, ist, dass ich in meinem Leben nichts lieber täte, als Teilnehmerbetreuerin zu sein, denn Teilnehmerbetreuerin auf den Jugendmedientagen zu sein bedeutet Spaß, Spannung und vor allem: ganz viele Überraschungen.
Auch Lust bekommen auf Jugendmedientage? Dieses Jahr finden das Großevent vom 27. bis 30. September in Leipzig statt. Mehr Informationen findet ihr unter www.jugendmedientage.de
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