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extra dialog: Völkerverständigung in der Spülküche

extra dialog: Völkerverständigung in der Spülküche

16 jugendliche Teilnehmer, davon neun Deutsche und sieben Polnische, haben gemeinsam an einem Journalistenworkshop teilgenommen, der zuerst eine Woche im Christian-Schreibe-Haus in Alt Buchhorst, anschließend eine Woche in Danzig stattfand. Die Begegnung stand unter dem Leitspruch „Deine Welt mit meinen Augen.“ Ziel war es, die Jugendlichen für eine andere Kultur zu sensibilisieren und ihre kulturlle Kompetenz zu fördern. Und dort, wo anfangs noch Berühungsängste herrschten, entstanden bereits nach kurzer Zeit enge Freundschaften.

 
 

Was bis eben noch fein säuberlich nach Staatsangehörigkeit getrennt an zwei verschiedenen Tischen saß, findet sich nach dem Essen plötzlich zusammen mit einem Wagen voll schmutzigem Geschirr in der Spülküche wieder: Da stehen sie nun, drei polnische Teilnehmerinnen und eine Deutschte und wissen nicht so ganz, was sie mit sich und dem schmutzigem Geschirr anfangen sollen. Ziemlich wortkarg und durch einige Gesten und Laute begleitet, werden die ersten Tassen in Spülkörbe geräumt und die Turbospülmaschine fängt an zu laufen.

Jungs, die unter Verschluss gehören

Und irgendwann, anfangs noch sehr sachte, nach einigen Sätzen schon weniger schüchtern,  läuft es auch mit der Konversation: Englisch wird zur gemeinsamen Ebene der Verständigung und dort, wo Vokabeln aufhören, machen Hände und Füße weiter. Während Teller mit Tomatensauceresten in die Spülmaschine wandern und man sich an Salatschüsseln, die gerade frisch gespült aus der Maschine kommen, fast die Hände verbrennt, werden Gespräche über Lokalzeitungen, Schulabschlüsse und Musikrichtungen geführt, die letztendlich bei der Teenieband Tokio Hotel enden – und da sind sich beide Nationalitäten einig: Diese Jungs gehören unter Verschluss!

Fachkundiges Personal

Zwischendurch muss die Konversation immer wieder unterbrochen werden, da die deutsche Teilnehmerin das fachkundige Küchenpersonal beziehungsweise den Zivildienstleistenden aufsuchen und um Hilfe bitten muss: Wohin kommen die Saucenlöffel, Kompottschälchen und Teller? Geduldig werden alle Fragen beantwortet und die Dienst habende Köchdin sagt, dass sie gerne besser Englisch könnte, um sich mit den Gästen unterhalten zu können. Ob öfter ausländische Gäste im Haus sind? „Ja“, kommt die prompte Antwort. Vor kurzem erst seien Jugendliche aus Litauen, Polen und Russland da gewesen; Südamerikaner und Asiaten beherbergt das Christian-Schreiber-Haus auch jedes Jahr.

Freundschaften in der Spülküche

Wahrscheinlich wurden in dieser Spülküche, in der es furchtbar heiß wird wenn die Spülmaschine ununterbrochen läuft, schon viele internationale Freundschaften geschlossen. Später stellt sich heraus, dass die Spülteams absichtlich deutsch-polnisch aufgestellt wurden. Und damit ist das, was anfangs von vielen als unbeliebte und eklige Tätigkeit empfunden wurde, plötzlich pädagogisch wertvoll.

Weiterführende Links

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