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extra abenteuer: Hände hoch - Bewerbung bei der Polizei in Baden-Württemberg

extra abenteuer: Hände hoch - Bewerbung bei der Polizei in Baden-Württemberg

Streife fahren, Verbrecher verhaften, Berichte schreiben und Straßenkontrollen: Der Beruf eines Polizisten ist sehr vielfältig. Lisa Würzberger berichtet, wie das Bewerbungsverfahren bei der Polizei in Baden-Württemberg abläuft.

 
 

Wenn man sich bei der Polizei Baden-Württemberg für einen Ausbildungsplatz bewerben möchte, läuft alles etwas anders ab als bei einer normalen Bewerbung. Als Erstes muss man einen Termin bei einem Einstellungsberater auf der Polizeistelle in der Nähe seines Wohnorts vereinbaren. Zu diesem Termin muss man sein Zeugnis mitbringen, denn nur, wenn man den vorausgesetzten Durchschnitt von 3,2 (gehobener Dienst: 2,5) hat, kann man sich bewerben.

Viel Papierkram

Trifft dies zu, bekommt man von dem Einstellungsberater alles genau erklärt. Für die Bewerbung benötigt man einen unterschriebenen Lebenslauf, eine beglaubigte Fotokopie oder Abschrift der letzten Zeugnisse, eine Geburtsurkunde, einen Schwimmnachweis, wofür man einen Vordruck erhält, einen Nachweis der Fahrlaubnis B und Brillenträger benötigen zusätzlich ein augenärztliches Gutachten. Hat man das dann zu Hause alles zusammengesucht und ausgefüllt, bringt man es zu seinem Einstellungsberater, da dieser alles auf die Vollständigkeit und Richtigkeit überprüft. Wenn alles den Vorschriften entspricht, leitet er die Bewerbung weiter zu der Stelle, an der die Bewerbungen bearbeitet werden. Sofort nach Eingang erhält man ein Schreiben, dass man die Sicherheit hat, dass die Bewerbung eingegangen ist.

Wurde die Bewerbung überprüft und es wurden alle Voraussetzungen erfüllt, erhält man eine Einladung zu einem zweitägigen Einstellungstest nach Göppingen oder Lahr. Da diese Einstellungstests oftmals weit von dem Wohnort der Bewerber entfernt sind, bietet die Bereitschaftspolizei die Möglichkeit, dass man am Vortag anreisen und nach Anmeldung kostenfrei übernachten kann. Nimmt man dieses Angebot in Anspruch, muss man am Abend vor dem Test zwischen 18 und 21 Uhr anreisen. Wenn es dann so weit ist, muss man sich an der Zentrale melden, wo man zur Aufnahme sein Einladungsschreiben, den Personalausweis sowie eine Selbsterklärung, mit der man bestätigt, dass man sich in der Lage fühlt an den Tests teilzunehmen, vorzeigt. Des Weiteren bekommt man einen Lageplan über die komplette Bereitschaftspolizei und einen Ablaufplan für den anstehenden Einstellungstest.

Vielfältige Tests

Ist man dann auf sein Zimmer gebracht worden, sind meistens noch andere Bewerber in den Nachbarzimmern, mit denen man sich noch etwas austauschen kann und so etwas an Nervosität und Angst verliert. Nun endlich kommt der erste Tag des Einstellungstests. Das Frühstück beginnt bereits um 6.30 Uhr. Danach muss man sich spätestens um 7.15 Uhr mit dem gesamten Gepäck an der Wache einfinden, das heißt schwer schleppen. Und dann endlich ist es soweit: Von 7.30 Uhr bis 11.15 Uhr dauert der schriftliche Teil des Einstellungstests. Dieser besteht aus einem Diktat, einem Sprachverständnistest und einem Intelligenztest, welcher sprachliches Verständnis, rechnerische Fähigkeiten und Verständnis für abstrakte logische Zusammenhänge beinhaltet. Anschließend werden die Ergebnisse bekannt gegeben, denn, wenn jemand einen Test nicht bestanden hat, darf er die folgenden auch nicht mehr mitmachen.

Nach dem schriftlichen Teil folgt der Sportleistungstest, der von circa 11 bis 13.15 Uhr dauert. Bei dem Sporttest muss man sich bei einem Schnelligkeits-, Koordinations- und Ausdauertest beweisen. Auch hier bekommt man kurz nach Testende das Ergebnis.

Durchchecken beim Arzt

Bevor man dann zu den ärztlichen Untersuchungen geht, gibt es ein Essen in der Cafeteria, für das aber nur wenig Zeit bleibt, da die restlichen Bewerber alle bei den Ärzten ausführlich untersucht werden.  Doch bevor die Untersuchungen beginnen, muss ein Fragebogen ausgefüllt werden, der sehr differenziert ist. Es beginnt mit der Überprüfung von Größe und Gewicht sowie Hals-, Bein- und Armumfang. Als nächstes kommen ein Farbtest und ein Holzspiel zum Test der motorischen Fähigkeiten. Weiter geht es mit einem Tag- und Nachtsehtest, einem Hörtest, Belastungs EKG, Überprüfung der Gelenke, speziell der Beine, Untersuchung der inneren Organe, der Zähne und zu guter Letzt ein Gespräch mit dem Arzt, um zu testen, ob die Sprache flüssig ist und keinerlei Auffälligkeiten vorhanden sind. Hat man das alles über sich ergehen lassen, ist der erste Testtag beendet.

Man kann nochmals in die Cafeteria zum Abendessen und der restliche Abend steht den Bewerbern zur freien Verfügung. Es ist mittlerweile jedoch fast 20 Uhr und man ist total kaputt und möchte nur ins Bett, denn am nächsten Tag geht es wieder um 6.30 Uhr zum Frühstück. Gegen 7.30 Uhr beginnt das multimodale Interview, was ein Auswahlgespräch ist, das etwa 30-45 Minuten dauert. Bei diesem Gespräch muss man über sich erzählen, begründen, warum man diesen Beruf erlernen möchte, sich in geschichtlichen und politischen Fragen beweisen sowie sich in Alltagsituationen eines Polizisten versetzten. Das war der letzte Schritt, noch eine kurze Wartezeit und man bekommt sein Testergebnis.

Banges Warten

Für jeden Test gibt es eine Note, aus diesen Einzelnoten wird eine Durchschnittsnote erreichnet. Dann kommt man auf die Warteliste und es heißt Geduld haben, bis alle Bewerber getestet sind. Jedoch ist noch nicht alles getan. Wieder zu Hause muss man nochmals zu ein paar ärztlichen Untersuchungen, wie Lungenröntgen oder für Frauen zu gynäkologischen Untersuchungen. Diese Auflagen muss man schnellst möglich erfüllen und an die Bereitschaftspolizei schicken. Nach ungefähr zwölf Wochen bekommt man wieder Post. Bei mir war nach 13 Wochen langem Warten eine Zusage zur Einstellung in den mittleren Dienst im Briefkasten. Dies muss man unterschrieben zurücksenden und dann heißt es ein letztes Mal warten auf die Information, wann und wo es losgeht. Die Ausbildungsorte befinden sich in Göppingen, Lahr, Böblingen, Biberach und Bruchsal. Wo man hinkommt, kann man jedoch nicht beeinflussen.

Dieser Artikel stammt aus der Financial T('a)ime, die mit Landespreisen und SPIEGEL-Bundespreis ausgezeichnete Schülerzeitung der Kaufmännischen Schule (mit Wirtschaftsgymnasium) Tauberbischofsheim, 2. Internet-Ausgabe.

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