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Frau Postpaket

Frau Postpaket

Schnelle Schritte, die sich auf die Haustüre zubewegen. Ein leises Rascheln und schließlich das Klappern des Briefkastens, das ankündigt: Die Post war da. Nicole Beer über einen Ferienjob, der aus mehr besteht als nur Briefe einwerfen.

 
 

Du bist gar keine Postbotin! Postboten sind gelb!", stellt das kleine Mädchen enttäuscht fest. Ich schlucke. Sie hat Recht. Ferienjobber sind bei der Post nicht uniformiert, sondern liefern Briefe und Pakete in zivil aus. Trotzdem ist mein Ferienjob knochenhart. Während vier Wochen habe ich viele alte Leute glücklich gemacht ("Die Post! Wie schön!"), lustige Titel erhalten ("Frau Postpaket") - und es gab auch Kinder, die mich fasziniert und mit großen Augen angestaunt haben: "Sie sind von der Post?"

Zwischen Lockenwicklern und Boxershorts

Neben Briefe zustellen gehört auch Pakete ausliefern zu meinen Aufgaben. Das hat eindeutig den größten Unterhaltungswert. Dass ich dabei oft ungewollt in die Privatsphäre der Kunden eindringe, ist Teil des Jobs. Eine Frau öffnet die Tür mit fünf verschiedenen in die Haare gedrehten Bürsten und flüstert beschwörend: "Sie sehen mich gar nicht!" Die nächste Kundin begrüßt mich hysterisch winkend bereits aus 500 Metern Entfernung und schreit "Haben Sie mein Paket dabei? Haben Sie es? Das von der Kosmetikfirma?" Es war nicht dabei. Ich wollte sie gerade bedauern, aber komischerweise freute sich die Frau: "Oh, sehr gut, ich bin nämlich gerade nicht zu Hause." Ein Mann bekommt sein Paket per Nachnahme, muss dafür also noch bezahlen. Er hat das Geld nicht passend. "Warten Sie kurz", bittet er mich und legt einen beeindruckenden Sprint zum nächsten Lotto-Kiosk hin. Völlig außer Atem, dafür sehr stolz, meint er dann: "Sehen Sie, das hat doch alles problemlos geklappt!"

Ein Blick hinter die Kulissen

Einem etwa 20 -jährigen jungen Mann liefere ich ein schickes Paket im Bibi-Blocksberg-Design aus. Er läuft knallrot an und stammelt "Ähm, ähm - das ist für meine kleine Schwester!" Dummerweise ist es an ihn adressiert. Der Postbotin nackt oder zumindest halbnackt die Tür zu öffnen, scheint einigen Leuten gar nicht peinlich zu sein. Das härtet einen als Postboten wirklich ab. Die merkwürdigste Begegnung spielt sich unterwegs auf der Straße ab. Ein junger Mann, Mitte zwanzig, hält an, steigt von seinem Fahrrad, zwinkert mir zu und meint: "Hello! I’m Mike. Do you speak English? Do you want to go on a date with me? After work? I’d like to be your boyfriend." Dankend lehne ich ab, aber so schnell lässt er sich nicht abwimmeln. Fröhlich pfeifend folgt er mir auf seinem Fahrrad und wiederholt sein Angebot immer wieder. Verzweifelte Hinweise meinerseits auf den bereits vorhandenen "boyfriend, who wouldn’t be amused!", beeindrucken ihn nicht.

Feierabend - Erst nach dem letzten Brief

Am nächsten Tag ist er wieder da. Selten trifft man so viele unterschiedliche, teilweise sehr merkwürdige Menschen, wie als Postbote. Gleichzeitig ist es ein sehr harter Job. Um 5.45 Uhr geht es los mit Pakete sortieren und schleppen. Anspruch auf gutes Wetter und feste Arbeitszeiten haben Postboten nicht. Feierabend ist dann, wenn alle Briefe und Pakete ausgeliefert sind. Und das ist oft erst um 16 oder 17 Uhr. Wen das nicht abschreckt: Wir sehen uns in den nächsten Ferien. Denn ich bin wieder dabei.

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