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Welche Qualifikationen braucht ein Lehrstellenbewerber?

Welche Qualifikationen braucht ein Lehrstellenbewerber?

Erwachsen zu sein ist gar nicht so leicht. Alles soll man können, obwohl man vieles zum ersten Mal macht, auch das Bewerben. Lernen wir doch deshalb von der Erfahrung der "alten Hasen". Oberstudienrat Klaus Schenck bat Banker und Bürokaufleute im ersten Lehrjahr, aus ihrer Sicht die Qualifikationen, die ein Lehrstellenbewerber haben sollte, schriftlich festzuhalten. Hier Auszüge aus diesen „Briefen“, in denen die Schüler als Adressaten direkt angesprochen werden.

 
 

Heutige Jugend – null Bock auf Arbeit?

„... Die heutige Jugend macht nicht unbedingt den Eindruck, als ob sie wirklich ‚Bock auf Arbeit’ hätte. Mit ihrer passiven Einstellung zur grauen Arbeitswelt lassen auch ihre Qualifikationen sehr zu wünschen übrig. Ursache hierfür ist das große Desinteresse, das bereits in der Schule deutlich zum Ausdruck kommt. Für viele ist es einfach nur Zeit absitzen und sich mit Lehrern rumärgern. Andere sehen nicht den Sinn des Lernens. Daraus resultiert, dass immer weniger Schulabgänger die grundlegenden schulischen Qualifikationen besitzen... In meinem Beruf als Bankkaufmann ist es zum Beispiel besonders wichtig gute Umgangsformen zu haben, denn man ist hauptsächlich mit dem Kunden in Kontakt... Wenn Höflichkeit und Umgangsformen nicht zu den Qualifikationen des Lehrstellenbewerbers gehören, hat er schlechte Chancen in diesen Beruf zu kommen... Die Bank will kompetente, arbeitswillige, fleißige, höfliche, selbstbewusste und teamfähige Fachkräfte, die mit Mut, offen und freundlich auf Kunden zugehen können...“
Christian W. (Bankkaufmann)

Durchhaltevermögen

„... Im Beruf brauchst du Durchhaltevermögen, weil man nicht wegen jeder Kleinigkeit das Handtuch werfen kann. Bei mir kommt es auch manchmal vor, dass man früh aufsteht und man denkt sich: ‚Boahh, ich hab’ mal wieder kein’ Bock aufzustehen und zu arbeiten.’ Doch man muss auch mal seinen inneren Schweinehund bekämpfen und sich dabei denken, wenn das Millionen Menschen können, dann werd’ ich das doch auch auf die Reihe bekommen. Es kommt bei jedem mal vor, dass man mal einen schlechten Tag hat, aber was soll’s. Zieh es durch und du wirst sehen, dass du es zu was bringst...“
Sebastian Hö. (Bankkaufmann)


„... Es ist auch wichtig, dass man gut in Deutsch bzw. Rechtschreibung ist, weil es keinen guten Eindruck hinterlässt, wenn ein Geschäftsbrief voller Schreibfehler ist. Ordentlich solltest du auch sein, weil es sehr wichtig ist im Büro, dass man auf Sorgfalt und Ordnung achtet...“
Christiane H. (Bürokauffrau)

Zusatzqualifikationen zählen

„... Das Wichtigste, um eine Ausbildungsstelle zu bekommen, sind heute nicht nur Schulnoten. Diese werden vorausgesetzt, sie sind aber mittlerweile nicht mehr aussagekräftig genug. Was mittlerweile zählt, sind Zusatzqualifikationen... Durch solche Nachweise kannst du den einen oder anderen Fehltritt problemlos ausbügeln. Zusatzqualifikationen zeigen dem Betrieb, dass du Power hast und leistungsfähig bist...“
Markus A. (Bankkaufmann)

„... Es reicht nicht aus, einen Einser-Durchschnitt in der Schule zu haben, wenn man im Vorstellungsgespräch keinen Anstand und kein gutes äußeres Auftreten hat. Bevorzugt ist Teamfähigkeit und natürlich freundliches Auftreten...“
Tonia W. und Melanie K. (Bankkaufleute)

„... Zusatzqualifikationen muss man vorweisen können. Man braucht dazu nicht in fünf Vereinen der Vorsitzende zu sein, aber Dinge, wie in einer Schülerzeitung mitgearbeitet zu haben, hilft viel. Auch wenn man schon sportlich oder sonst in einem Verein tätig ist, bringt einen dies voran. Das hilft vor allem der Teamfähigkeit und dem sozialen Aspekt. Wichtig ist also einen guten Schnitt und positive Eigenschaften zu besitzen und weitere Zusatzqualifikationen zu haben...“
Markus D. (Bankkaufmann)

„... Du sollst also die viele Möglichkeiten zum sozialen Engagement nutzen, um so deine Chancen für einen erfolgreichen Berufseinstieg zu erhöhen. Sich nur auf seine schulischen Leistungen zu verlassen, ist heute mit einem sehr großen Risiko verbunden...“
Sebastian Ho. und Lisa B. (Bankkaufleute)

Spaß am Job haben

„... Was vielen der Jugendlichen immer noch fehlt und sich auch verschlechtert hat, ist das Durchhaltevermögen. Den Bewerbern macht es die erste Zeit Spaß, doch schnell verlieren sie die Lust am Arbeiten, da sie weniger Freizeit haben. Wegen der längeren Arbeitszeit, - nach der Schule war ja meistens erst der halbe Tag vorbei, - nach dem Arbeiten ist es meistens schon später Nachmittag oder schon Abend und dann will man auch nicht mehr so viel machen, da man am nächsten Morgen wieder fit für die Arbeit sein muss. Deshalb brechen viele Jugendliche ihre Ausbildung auch ab, weil sie einfach mehr Zeit für ihre Freunde wollen und sich vielleicht auch durch die Arbeit zu eingeengt fühlen... Ein heutiger Bewerber sollte auf jeden Fall Spaß und Freude an seinem Job oder an seiner Ausbildungsstelle haben, weil es ganz ohne Spaß nicht gehen wird ...“
Sebastian M. (Bürokaufmann)

Strengt euch an!

„... Der erste Eindruck spielt eine sehr große Rolle, du brauchst ein gepflegtes Äußeres, um ein angenehmes Bild von dir zu zeigen, zeig’ dich von deiner Schokoladenseite und sei selbstbewusst. Du musst an dich glauben und für deine Zukunft arbeiten, dabei wünsche ich dir viel Glück!“
Lena E. (Bankkauffrau)

„... Du selbst musst natürlich auch in der Schule einigermaßen gute Leistungen vorweisen, wobei die besten Noten dich ohne Zusatzqualifikationen und außerschulischem Engagement wahrscheinlich nicht weiterbringen... Deshalb strengt euch an und macht was aus eurer beruflichen Zukunft. Mit ein bisschen persönlichem Einsatz und Leistungswillen kann eigentlich jeder erreichen, was für ihn eine erfolgreiche Zukunft ausmacht. Viel Glück! ;)“
Ramona K. (Bankkauffrau)


 

Die Berufsschulklasse der Bankkaufleute und Bürokaufleute im letzten Schuljahr, die bereit war, jüngeren Vollzeitschülern konkrete Strategien für eine erfolgreiche Bewerbung zu nennen.

 

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