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extra energie: Kühne Ingenieurleistung
„In der zwölften Klasse nahm ich an dem Projekt ‚Frauen in die Technik’ von der Uni Stuttgart teil. Da habe ich auch meine erste Schaltung gebaut“, berichtet Margrit Abele von ihrem technischen „Erweckungserlebnis“. Ein freiwilliges ökologisches Jahr verbrachte sie nach der Schule auf einem Umweltbildungsschiff. Der Kapitän dieses Schiffes vermittelte ihr anschließend ein Praktikum in einer Seemannsschule, das sie für ihr darauf folgendes Maschinenbaustudium an der Fachhochschule Konstanz brauchte. Nach dem Grundstudium konzentrierte sich die gebürtige Stuttgarterin auf Energietechnik, speziell auf die Windenergie, und sammelte Auslandserfahrung bei einem Studienaufenthalt an der Partnerhochschule in Coventry, England, sowie bei Praktika in Windkraftunternehmen in den USA und Griechenland. „Die Windkraft hat mich damals schon fasziniert“, schwärmt die junge Ingenieurin rückblickend. Ihre Diplomarbeit schrieb Margrit Abele im hohen Norden, bei dem international agierenden Windkraftanlagenhersteller Enercon. Dort bekam sie nach dem Studium auch gleich ein Jobangebot. „Der Einstieg war leicht, weil ich mit den Abläufen im Unternehmen schon vertraut war, und das Team, in das ich kam, war jung, international und aufgeschlossen“, erinnert sie sich.
Einen Turm richtig lüften
Jetzt ist sie als Ingenieurin in der Abteilung Turmkonstruktion tätig. Ein Windpark besteht aus mehreren Windenergieanlagen, die als eigenständige Systeme elektrischen Strom erzeugen. An der Ausgestaltung des komplizierten technischen Innenlebens der mehrstöckigen Türme ist Margrit Abele maßgeblich beteiligt. In einem aktuellen Projekt beschäftigt sie sich mit dem Problem, wie die Lüftung in einem Turm optimiert werden kann. Das ist vor allem für Anlagen relevant, die in Länder mit sehr warmem Wetter exportiert werden. Sobald die Ingenieurin einen Auftrag erhalten hat, geht sie nach einem festgelegten Muster vor. Zunächst erstellt sie eine Anforderungsliste und definiert dabei, was die Konstruktion alles können muss und welche Vorgaben – etwa die baulichen Gegebenheiten des Turmes – sie berücksichtigen muss. Nun geht es an die eigentliche „Arbeit“. „Bei der Suche nach Lösungsmöglichkeiten gehe ich systematisch physikalische Prinzipien durch und setze natürlich meinen gesunden Menschenverstand ein“, erklärt die Ingenieurin. Die Suche findet aber nicht nur am Schreibtisch statt. „Ich gehe auch auf die Baustelle und mache mir vor Ort ein Bild, spreche mit den Monteuren und den Bauleitern.“ Effektiv und kostengünstig
Diese Baustellentermine sind immer auch ein kleines Abenteuer: Ausgestattet mit einem Klettergurt kann man über die Leiter – in den höheren Türmen auch mit dem Lift – bis in die Turmspitze gelangen. Die verschiedenen Lösungsansätze, die sie gefunden hat, unterzieht sie im nächsten Schritt einer kritischen Sichtung. „Wichtig dabei ist herauszufinden, welche Lösung am effektivsten und kostengünstigsten ist. Schließlich muss ich mich für eine Lösung entscheiden.“ Nach dieser theoretisch-analytischen Arbeit entwickelt Margrit Abele den Lösungsentwurf als 3D-Modell am Computer. Dabei nimmt sie auch gerne Anregungen ihrer Kollegen – Maschinenbauingenieure oder Bauingenieure – mit auf. Den Austausch mit den Kollegen möchte sie nicht missen. „Hier gibt jeder gerne Informationen weiter, und darauf sind auch alle angewiesen, denn selbst ein erfahrener Ingenieur lernt nie aus.“Ein Anblick als Belohnung
Steht das Modell, geht es in die Ausarbeitungsphase. Produktzeichnungen in 2D werden erstellt, die Konstruktion wird schließlich gebaut. Gerade in dieser letzten Phase fallen auch viele Routinearbeiten an: „Ich muss beispielsweise Stücklisten erstellen, auf denen jedes einzelne Teil vermerkt wird“, erklärt Margrit Abele. Abgeschlossen ist das Projekt erst, wenn die Konstruktion, im Beispielfall die Lüftung, in den Turm eingebaut ist und reibungslos funktioniert. Dann kann die Konstrukteurin aufatmen und sich für einen kurzen Moment zurücklehnen: „Der Anblick der fertigen Anlage ist eine große Belohnung für die Arbeit, die man investiert hat.“Multitasking gefragt
Das Berufsleben der Ingenieurin ist von Projektarbeit bestimmt. Das erfordert Multitasking-Fähigkeiten: „Ich muss gut organisieren können, denn vieles läuft parallel, mit der Beteiligung vieler verschiedener Menschen. Da muss man in einem vernünftigen Zeitrahmen zu einem vernünftigen Ergebnis kommen.“ Dazu zählt auch, dass sie sich schnell einen Überblick über ein Sachthema verschaffen kann. „Hier finden schnelle und große Entwicklungsfortschritte statt, die Branche ist noch sehr jung“, so Margrit Abele. Diese Dynamik gefällt der jungen Frau. Zudem empfindet sie es persönlich als Bereicherung, dass sie etwas „Sinnvolles und Vernünftiges“ macht, auch im Hinblick auf die Klima- und Umweltproblematik. „Ich könnte mir nicht vorstellen, Bestandteile für eine Luxuslimousine oder ein Spielkartenmischgerät zu konstruieren. Das würde mir keinen Spaß machen.“ Weiterführende Links
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