jobwelt
Manuel macht ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Asylbewerberheim
- Jugendnetz: Was machst du konkret als FSJ'ler im Asylbewerberheim?
- Manuel: Ich bin in der Sprechstunde und wenn die Asylbewerber kleine Probleme haben - wie Arzttermine ausmachen, wenn sie was im Internet recherchieren müssen, Formulare ausfüllen oder wegschicken - dann kommen sie zu mir. Ich hab aber auch viel mit den Kindern zu tun. Ich gebe Schülerhilfe und leite eine Jugendgruppe, bei der ich mit den Kindern spiele, kickere etc., sie eben beschäftige. Ansonsten erledige ich Botengänge, hänge Nachrichten in den Gebäuden auf. Für E-Mails und Post bin ich auch zuständig. Dann haben wir Länderinfo-Ordner, in denen ich sogenannte Länderinfos über die ganzen Herkunftsländer aus E-Mails oder aus Internetseiten heraus suche und die Ordner aktualisiere. Ab und zu gibt es besondere Veranstaltungen in der Stadt. Wir hatten Stände mit Trommeln, afrikanische Frauen haben Rastas geflochten oder eine Familie von uns hat gekocht. Da helfe ich bei der Organisation und beim Auf- und Abbau.
Ich bin jetzt ein Jahr dabei gewesen. Ich hab einfach gemerkt, dass man gebraucht wird und es kommt ganz viel zurück. Bei der Schülerhilfe zum Beispiel kommen die Kinder, natürlich nicht alle, immer wieder und machen auch Fortschritte. Die Leute sind super nett und es gibt mir selber ein gutes Gefühl, helfen zu können, nützlich zu sein. - Jugendnetz: Was war bisher deine größte Herausforderung?
- Manuel: Das Schwierigste war vor allem, bei den Kindern Respekt zu bekommen. Das ist gar nicht so leicht! Und Vertrauen aufzubauen, weil die Leute verständlicherweise misstrauisch sind. Die Kinder wollen immer wieder schauen, wo deine Grenzen sind, auch körperlich. Aber ich hab mich nicht darauf eingelassen und manchmal muss man sie halt ein bisschen wegschubsen. Aber es gab deshalb nie Stress.
- Jugendnetz: Wie bist du auf die Idee gekommen, ein FSJ zu machen?
- Manuel: Es war nicht wirklich geplant von mir. Ich wusste nicht, was ich studieren sollte, und das eine Jahr Auszeit war genau richtig. Auch wenn ich nach dem einen Jahr FSJ immer noch vor der gleichen Frage stehe. Da ich etwas Soziales studieren wollte, wollte ich auch im sozialen Bereich etwas machen. Durch Zufall bin ich an diese Stelle gekommen. Geld war auf jeden Fall nicht ausschlaggebend dafür, dass ich die Tätigkeit gemacht habe. Wenn's mir wichtig gewesen wäre, wäre ich arbeiten gegangen. Aber das Geld, was man für das FSJ bekommt, ist ok!
- Jugendnetz: Glaubst du von deinen Erfahrungen später bei der Jobsuche profitieren zu können?
- Manuel: Ich habe vorher nie 8 Stunden gearbeitet. Das kann ich jetzt. Außerdem muss man mit seiner Chefin oder seinem Chef auskommen lernen. Für Bio oder Medizin, was mich fachlich interessiert, hat es sicherlich nichts gebracht - aber menschlich. Und, wenn man ein FSJ macht, bekommt man Sozialpunkte, die dann helfen, wenn man an die Uni will und es dort Wartezeiten gibt. Für die Bewerbung bringt es sicher nicht so viel, da fast jeder schon so etwas im Lebenslauf stehen hat. Aber es macht sich auf jeden Fall gut. Als Arbeitgeber kann man vielleicht herauslesen, dass jemand Verantwortung übernehmen kann.
- Jugendnetz: Was hältst du von einem verpflichtenden sozialen Jahr für alle nach der Schule?
- Manuel: Das wäre eine gute Erfahrung für jeden. Es verändert einen selbst. Man wird schlicht sozialer, menschlicher und ich habe jetzt viel mehr Verständnis für Ausländer. Einige Zivis arbeiten mit Behinderten und die lassen nicht mehr so leicht abfällige Bemerkungen fallen. Aber ein Jahr finde ich zu lange. Es gibt viele Leute, die so etwas nicht machen wollen und die ein ganzes Jahr dazu zwingen? So etwas sollte es an der Schule geben, zum Beispiel drei Wochen lang, so wie es die Wochen der Berufsorientierung gibt. Das könnte dann jeder!
![]()
![]()
![]()
![]()
![]()
Das Interview wurde zuerst veröffentlicht auf www.qualipass.info.
Weiterführende Links
im Jugendnetz:
- Stichwort Ausbildung
- Job aktuell in den Jungen Seiten
- Traumberufe in den Jungen Seiten
- Forum Schule:Beruf



