Drucken

jobwelt

 

„Am Anfang habe ich einfach nur zugehört“

„Am Anfang habe ich einfach nur zugehört“

Vasilka lebt seit drei Jahren im Freiburger Stadtteil Haslach und ist eine Senkrechtstarterin. Sie will Bankkauffrau werden. In Bulgarien wäre das unmöglich gewesen ...

 
 

Um den Hals trägt sie eine goldene Kette mit den Buchstaben Rozina. So heißt ihre kleine Schwester. Vasilka muss diese kleine Schwester sehr gern haben. Als sie selbst vor 15 Jahren geboren wurde, war ihre Mutter genauso alt wie sie jetzt ist. „Meinen Vater“, sagt Vasilka ohne erkennbares Bedauern, „kenne ich nicht.“ Jetzt habe sie einen sehr netten Stiefvater, der der Vater ihrer kleinen Schwester ist. Ihre Mutter ist ihm begegnet, nachdem sie 2007 mit Vasilka aus Bulgarien nach Deutschland gekommen war. Wer das weiß, stellt sich auf eine radebrechende Verständigung mit Vasilka ein. Aber das hübsche Mädchen mit den schwarz umrandeten dunklen Augen und der knappen braunen Lederjacke erzählt ihre Geschichte in erstaunlich flüssigem Deutsch und freut sich sichtlich über die Komplimente, die sie dafür bekommt. „Die ersten fünf Monate“, erinnert sie sich, „habe ich einfach nur zugehört.“

Ein Jahr internationale Vorbereitungsklasse an der Karlschule hat ihr die Eintrittskarte für die achte Klasse der Vigeliusschule verschafft, jetzt ist sie in der neunten. Mit großem Erfolg: Ein Notendurchschnitt von 2,4 am Ende der achten Klasse, und jetzt eine 1,4 in der letzten Englischarbeit, in Mathe sogar eine glatte Eins. Vasilkas Zukunftspläne klingen nicht unrealistisch: Nach der neunten Klasse will sie mit der zweijährigen Berufsfachschule an der Walter-Eucken-Schule weitermachen, die Mittlere Reife erwerben und dann – „wenn es klappt“ – an einem Beruflichen Gymnasium das Abitur machen.

„Bankkauffrau“, antwortet sie wie aus der Pistole geschossen, wenn sie nach ihrem Berufswunsch gefragt wird, und ihre Augen leuchten. „In Bulgarien“, weiß sie, „wäre das unmöglich gewesen, egal wie viel ich gelernt hätte.“ Vielleicht hätte eine Zukunft als Putzfrau auf sie gewartet. Oder sie hätte, wie viele andere, ein kleines Geschäft aufgemacht. Den Kontakt mit den Freunden dort pflegt sie weiter. Aber auch in Haslach hat sie schon viele Freunde gefunden. „Ich mag alle an der Schule“, versichert sie. Aber nur mit zwei oder drei Freundinnen trifft sie sich regelmäßig. Viel Freizeit bleibt ihr nicht. Ihre Schule ist eine Ganztagsschule. In Bulgarien hatten sie im ersten Schulhalbjahr vormittags, im zweiten immer nachmittags Schule. So hatte das sportliche Mädchen noch genug Zeit, in einem Verein Volleyball zu spielen. Aber jetzt muss sie nach der Schule manchmal noch zu Hause helfen.

Sie kocht gerne aufwändige Menüs, hört Musik, spielt am PC und diskutiert als Christin mit türkischen Wurzeln liebend gern mit ihren muslimischen Freundinnen über die unterschiedlichen Religionen. Von ihrer Wohngegend in der Nähe des Mediamarkts ist sie nicht begeistert: Lärm, viele Autos und ziemlich ab vom Schuss. Viel lieber würde sie in der Haslacher Straße wohnen, wo ihre Mutter in einem Haushalt hilft. „Der Stadtteil Haslach ist ganz okay“, meint sie. Was ihr nicht gefällt, sind die rauchenden und trinkenden Jugendlichen am Scherrerplatz, die sie manchmal zum Mitmachen auffordern. Aber „das will ich nicht. Da halte ich mich lieber fern.“

Weiterführende Links

im Jugendnetz:

im weiteren WWW:

Diesen Monat verlassen wir die gewohnten Pfade und begeben uns auf Reisen. Wohin diese führen? Das weiß wahrscheinlich niemand so genau. Schließlich kann es einen überallhin verschlagen. Zum Urlaub in die Staaten oder im Rahmen eines Austauschprogramms nach Frankreich. Völlig egal, Hauptsache weg von daheim! 
Wer mit uns auf Entdeckungsreise gehen will, ist hier genau richtig, beim extra unterwegs.

extra unterwegs: Das kommt im Januar/Februar 2012

Diesen Monat verlassen wir die gewohnten Pfade und begeben uns auf Reisen. Wohin diese führen? Das weiß wahrscheinlich niemand so genau. Schließlich kann es einen überallhin verschlagen. Zum Urlaub in die Staaten oder im Rahmen eines Austauschprogramms nach Frankreich. Völlig egal, Hauptsache weg von daheim! Wer mit uns auf Entdeckungsreise gehen will, ist hier genau richtig, beim extra unterwegs. >>>