Drucken

jobwelt

 

extra lebensformen: Wie man Möch wird - Leben in Enthaltsamkeit

extra lebensformen: Wie man Möch wird  - Leben in Enthaltsamkeit

Mönche sind der Wortbedeutung nach "Einsiedler". Sie stellen sich ihr Leben lang voll und ganz in den Dienst ihres Glaubens und verzichten auf allen weltlichen Besitz, Sexualität und andere weltliche Vergnügungen. Trotzdem kann sich der 17-jährige Benjamin nichts Schöneres vorstellen, als Mönch zu werden. Hier erzählt er, warum.

 
 
Es ist noch früh am Morgen. Vier Uhr, vielleicht auch drei. Ich weiß es nicht so richtig. Meinen Radiowecker habe ich wohl zu Hause vergessen. Kann passieren. Müde richte ich mich auf und schaue aus dem Fenster. Ich erkenne den großen Garten mit Bäumen, Felder, einen Acker und kleine Häuschen, die sich inmitten des grünen Landstriches erheben. So sieht es also aus: ein Kloster bei Nacht.

Aufregung vor dem ersten Gebet

Am Himmel funkeln Hunderte von Sternen. Friedlich scheint das Kloster zu schlafen, eingebettet in Wälder und Wiesen. In mir steigert sich die Aufregung. Um fünf Uhr morgens werde ich zum ersten Mal dabei sein dürfen und gemeinsam mit den Mönchen die Laudes beten, das Frühgebet der katholischen Kirche. Durch meinen Kopf jagen zahlreiche Gedanken. Ich gehe jeden einzelnen Schritt, jede Verneigung und Kniebeuge durch, als wollte ich eine Choreographie für ein Theaterstück auswendig lernen. Der Mond scheint schwach in mein kleines Einzelzimmer. Wenige Augenblicke später übermannt mich die Müdigkeit, ich schlafe noch einmal ein. Später vernehme ich ein Piepsen. Ich werde wach und suche nach der Quelle dieses Geräusches. Es ist die Weckfunktion meines Handys, Glück gehabt - ich bin pünktlich wach geworden. Ich schaue auf die Uhr, gleich ist es Viertel vor fünf. Draußen ist es immer noch dunkel.

Tabernakel und Talar

Ich beginne mich anzuziehen und stapfe von Müdigkeit benommen los. Unterwegs begegnen mir einige Patres, das sind Ordenspriester. Fünf Minuten vor Gottesdienstbeginn erreiche ich die Sakristei - den Raum, in dem sich Priester und Ministranten umkleiden. Ich greife mir einen schwarzen Talar und ein weißes Rochette, ein mit einem T-Shirt vergleichbares Gewand, das über dem Talar getragen wird. Im Chorgestühl der Kirche angekommen, stelle ich mich mit meinem Gesicht in Richtung des Tabernakels und verneige mich.

Ein Leben lang hinter Klostermauern

altWir beginnen mit den Gebeten. "Dixit, Dominus Domino meo, sede a dextris meis ..." Während dieses gleichmäßigen und ruhigen Gesanges blicke ich zurück auf eine lange Zeit des Nachdenkens, auf ein "Frage- und Antwortspiel" mit meinem Gewissen. Das Mönchtum fasziniert mich schon seit geraumer Zeit. Den Entschluss, Mönch werden zu wollen, traf ich sehr früh, mit fünfzehn Jahren. Aber ich weiß heute noch nicht, ob dieser Weg der richtige sein wird. Der Eintritt in ein Kloster wird schließlich über den gesamten Verlauf meines weiteren Lebens entscheiden.

Dicker Mönch mit Glatze

Ich habe mich gefragt, was das Besondere am Leben und Arbeiten im Kloster ist. Ich habe die Frage nach dem Sinn des Lebens gestellt - wie es jeder Jugendliche macht, spätestens wenn es um die Wahl eines passenden Berufs oder einer Ausbildungsstelle geht. Während einige überlegen, ob sie Bürokaufmann oder Schreiner, Ärztin oder Juristin werden wollen, gibt es andere, wie mich, für die ein Leben im Kloster eine Alternative zum bisherigen Leben sein kann. Es sind vor allem die klösterliche Gemeinschaft und der klar strukturierte Rhythmus zwischen Gebet und Arbeit, die mich am Klosterleben und am Mönchtum faszinieren. Ein Freund von mir sagte einmal: "Das Klosterleben ist doch sowieso nur Gefangenschaft in einem Mönchsbunker mit Langeweilegarantie auf Dauer." - Eben nicht! Das Klischee vom Bier trinkenden und faulenzenden dicken Mönch mit Glatze ist sehr verbreitet. Die Realität sieht anders aus: Mönche erarbeiten sich das, was sie zum Leben brauchen, größtenteils selbst. Das kann harte Arbeit im Garten, aber auch in der Buchbinderei, der Glockengießerei oder der Bäckerei bedeuten. Dies ist von Kloster zu Kloster unterschiedlich. Und obwohl die Tagesabläufe so klar durchgeplant und vorgeschrieben sind, ist jeder Tag anders - jeder Tag ein Abenteuer.

Die Probezeit auf Probe

altDoch wie wird man eigentlich Mönch? Grundvoraussetzung ist eine abgeschlossene Berufsausbildung oder das Abitur sowie das vollendete achtzehnte Lebensjahr. Das Ordensleben beginnt dann mit dem so genannten Postulat. Dies ist eine halbjährige "Probephase", in der sich der Wunsch nach dem Klosterleben festigen kann. Danach kommt das einjährige "Noviziat". Als "Novize" erhält man übrigens in einigen Orden bereits schon eine weiße Kutte und den Ordensnamen, den man sich traditionell zulegt. Dies bedeutet, dass man seinen bisherigen Vornamen gegen den eines Heiligen oder Seligen austauscht. Ist das Noviziat erfolgreich beendet worden, erfolgt in den meisten Orden die zeitliche Profess. Das ist eine erneute Zeit der vorübergehenden Bindung an das Kloster. In der Regel dauert diese Zeit zwei bis drei Jahre, manchmal sogar noch länger. Und erst wenn alle diese Bedenkzeiten und Probezeiten erfolgreich absolviert wurden und man selbst, aber auch die Leitung des Klosters keine Bedenken mehr sehen, tritt man auf Lebenszeit ein und legt sein ewiges Gelübde in einem Festgottesdienst ab.

Verzicht auf Sexualität ist kein Verzicht auf Liebe

Wenn man Mönch werden will, muss man sich nicht nur fragen, ob man ins Kloster eintreten will, sondern auch, ob man es sich vorstellen kann, bis an sein Lebensende am gleichen Ort zu leben, so wie es die Regel des heiligen Benedikt vorschreibt. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob man das vorgeschriebene Zölibat einhalten kann. Es handelt sich dabei um den generellen und kategorischen Verzicht auf Sexualität. In meinen Augen ist es jedoch nicht ein Verzicht auf Liebe. Denn der Eintritt ins Kloster ist ein Akt der Liebe - der Liebe zu Gott und seinem Sohn Jesus Christus. Ich persönlich spüre ein Gefühl von Geborgenheit und Heimat in meinem Herzen, wenn ich Klöster besuche. Für andere ist dies eine eher fremde und nicht zu verstehende Atmosphäre. Für mich ist es das Schönste im Leben. Ich glaube, dass dies etwas mit Berufung zu tun hat. Jeder ist berufen, nicht nur zu geistlichen, auch zu anderen Jobs wie Lehrer oder Arzt. Man muss es sein, um seine Arbeit zu lieben. Und dies ist es auch, was mich mit dem Klosterleben verbindet: Ich liebe es.

Weiterführende Links:

im Jugendnetz:

im weiteren WWW:


 
thema lebt von seinen jungen Machern. Damit wir auch in Zukunft jung, lebendig und aktuell bleiben, suchen wir ständig junge Menschen, die Lust haben, selbst aktiv zu werden und etwas beizusteuern.

Wir suchen dich! - für thema

thema lebt von seinen jungen Machern. Damit wir auch in Zukunft jung, lebendig und aktuell bleiben, suchen wir ständig junge Menschen, die Lust haben, selbst aktiv zu werden und etwas beizusteuern. >>>