Drucken

jobwelt

 

Soziales Taxifahren - Zivildienst beim Arbeiter-Samariter-Bund

Soziales Taxifahren - Zivildienst beim Arbeiter-Samariter-Bund

Wer auf der Vorderbank eines ASB Busses sitzt, hat die ganze Welt im Blick. Soweit oben ist der Blick über den Straßenverkehr vollkommen - Autos, Passanten, nichts dergleichen entgeht einem. Auch Christian sitzt auf dem Fahrersitz ein bisschen wie auf einem Thron. Nicht minder majestätisch ist seine tägliche Aufgabe: körperlich Eingeschränkten ein mobiles Leben ermöglichen.

 
 

Zivildienststellen beim Fahrdienst sind gefragt. Der zwanzigjährige Christian hat sich seinen Platz beim ASB (Arbeiter-Samariter-Bund) rechtzeitig gesichert.  Die Umstellung vom Schüler zum Zivildienstleistenden war in den ersten Monaten anstrengend. Hat er zu Schulzeiten schon über Nachmittagsunterricht geklagt, so sind lange Arbeitstage jetzt die Regel. Man wird ins kalte Wasser geworfen und hat doch den Anspruch, alles perfekt zu machen, sich nicht dauernd in fremden Gegenden zu verfahren, mit den Patienten richtig umzugehen... Gerade am Anfang kommt für Fahranfänger die Schwierigkeit hinzu, sich an den großen ASB Bus zu gewöhnen, der beim Einparken keine Sicht durch die Rückschutzscheibe zulässt und auf Autobahnfahrten dem Wind mehr Angriffsfläche bietet.

Fahrkarte ins Leben

Die Zivis fahren ihre Kunden zu Ärzten, zur Krankengymnastik, aber auch zu privaten Veranstaltungen wie Familienfeiern, Geburtstage und Rentnertreffen. „Ohne den Fahrdienst könnten viele ihr Haus nicht verlassen und damit auch nicht am sozialen Leben teilhaben, das ist erschreckend!" Durch die Arbeit beim ASB hat Christian einen neuen Blickwinkel kennengelernt. Seine Umgebung sieht er seitdem aufmerksamer und oft auch kritischer. „Wenn ich Treppenstufen steigen muss, um in einen Laden zu gelangen, frage ich mich jetzt, ob das Geschäft auch für einen Rollstuhlfahrer zugängig ist. Unsere Infrastruktur geht viel zu wenig auf Menschen mit Behinderung ein."

Gibt es auch Dinge, die ihn bei seiner Arbeit stören? „Das Gefühl von Tag zu Tag ein bisschen dümmer zu werden. Das Gehirn kommt schnell außer Übung bei rein praktischer Arbeit." Besonders gesund lebt man auch nicht, Drive-Ins sind Gang und Gebe unter den Jungs. Die Überbleibsel in den Seitenfächern der Türen erzählen eine ausführliche Geschichte von Besuchen bei Fastfood-Ketten.

Hinter dem Steuer

In all diesen Stunden vor dem Steuer wurde ihm eines klar:  Gesundheit ist nicht selbstverständlich. Wer sie nicht hat, ist auf andere angewiesen.  Manchmal leistet ihm ein Beifahrer Gesellschaft, oft legt er lange Strecken aber alleine zurück. Das ist nur dann schön, wenn man bei Sonnenuntergang  auf einsamen Landstraßen fährt. Wie viele Kilometer Christian in dem ASB-Bus schon zurückgelegt hat, kann er nur schätzen. Über Funk kommunizieren die Zivis und bekommen neue Fahrtaufträge mitgeteilt. Jemand muss zum Behindertensport, eine alte Frau zur Dialyse. Die Koordination all dieser Fahrten ist nicht immer einfach und die Kunden haben individuelle Bedürfnisse. Eigentlich sind die Zivis nur für den Transport zuständig, aber viele der Kunden sind darüber hinaus von fremder Hilfe abhängig, können nicht alleine einkaufen oder brauchen jemanden, der sie zu einer Imbissbude begleitet. Durch seine Arbeit wurde Christian mit vielen Schicksalen konfrontiert, die einen im Stillen schlucken lassen. Als Fahrer gewöhnt man sich schneller an die vielen Sterbefälle, als einem lieb sein kann. Dialysepatienten haben in vielen Fällen eine absehbare Lebenserwartung. Viele von ihnen sind nach der Behandlung erschöpft und es kommt vor, dass die Patienten sich im Bus übergeben müssen.

Partystimmung im Bus

Und doch, die Stimmung im Bus kann auch ausgelassen sein. Viele Hilfsbedürftige haben sich mit ihrer Situation arrangiert oder kennen das Leben gar nicht anders. Der Scheibenwischer kämpft gegen den Regen, aber Mitfahrerin Lisa ist besten Mutes. Sie hat endlich Feierabend und Christian fährt sie von den Behindertenwerkstätten Markröningen nach Hause. Sie strahlt stärker als viele ihrer mobilen Mitmenschen. Unbeschwert unterhält sie sich mit Christian. Er erzählt ihr von einer schlechten Erfahrung mit einem Lokal, das lauwarme Pizzen serviert. Lisa hat vollstes Verständnis. Nein, da wolle sie auch nicht essen!

Als nächstes fährt Christian den 21-jährigen Géom zum Behindertensport. Géom ist afrikanischer Herkunft und sitzt im Rollstuhl seit er klein ist. Er macht nicht den Eindruck, als würde er sich dadurch in seinem Leben einschränken lassen oder gar in seiner guten Laune. Er streckt Christian eine CD mit afrikanischer Musik entgegen, nach der er verrückt ist. „Wir müssen bei Lied 23 weitermachen, da sind wir stehengeblieben." Mit den ersten Klängen steigt seine Stimmung weiter, er wippt im Rollstuhl zum Takt, erzählt welche Fußballspiele er letzte Woche gesehen hat und welches er sich heute anschauen will.

Noch viele Kilometer...

Später halten wir an einem Bäcker. Christian holt sich einen Kaffee zum Mitnehmen, sein Tag ist noch lang nicht vorbei. Weiter geht es in die dunkle Nacht zu dem nächsten, der ohne seine Hilfe nicht von A nach B kommt.

 

Weiterführende Links

im Jugendnetz:

im weiteren WWW:

Diesen Monat verlassen wir die gewohnten Pfade und begeben uns auf Reisen. Wohin diese führen? Das weiß wahrscheinlich niemand so genau. Schließlich kann es einen überallhin verschlagen. Zum Urlaub in die Staaten oder im Rahmen eines Austauschprogramms nach Frankreich. Völlig egal, Hauptsache weg von daheim! 
Wer mit uns auf Entdeckungsreise gehen will, ist hier genau richtig, beim extra unterwegs.

extra unterwegs: Das kommt im Januar/Februar 2012

Diesen Monat verlassen wir die gewohnten Pfade und begeben uns auf Reisen. Wohin diese führen? Das weiß wahrscheinlich niemand so genau. Schließlich kann es einen überallhin verschlagen. Zum Urlaub in die Staaten oder im Rahmen eines Austauschprogramms nach Frankreich. Völlig egal, Hauptsache weg von daheim! Wer mit uns auf Entdeckungsreise gehen will, ist hier genau richtig, beim extra unterwegs. >>>