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extra lebensformen: Ein Leben als Bundeswehrsoldat
Sie sind Major bei der Bundeswehr – was gehört zu Ihren Aufgaben?
Als Pressestabsoffizier arbeite ich – wie der Name schon sagt – eng mit Medien aller Art zusammen. Aufgrund ihrer Vielfältigkeit und ihrer aktuellen Aufgaben hält die Bundeswehr für die Öffentlichkeit stets interessantes Neues bereit. Meine Aufgabe ist es, die Soldaten auf die Zusammenarbeit mit den Medien vorzubereiten und den Journalisten bei Ihrer Recherche behilflich zu sein. Dabei ist es nicht immer leicht, es allen recht zu machen.
Ist „Soldat“ Ihr Traumberuf?
Traumberuf? Wenn man davon ausgeht, dass ich schon als Kind oder Jugendlicher Soldat werden wollte, ein klares Nein. Ich wollte Lehrer oder Archäologe werden. Der Soldatenberuf war eigentlich nur als eine Art Zwischenlösung gedacht. Wenn ich aber auf meine bisher 26 Jahre zurückblicke, sage ich: Ja. Ich habe unglaublich viel erlebt und kennen gelernt. Die Möglichkeit, in so viele verschiedene Bereiche hineinzuschnuppern, ist schon sehr spannend.
Hat Ihr Beruf Auswirkungen auf Ihr privates Umfeld?
Ich denke prinzipiell: Nein. Weder meine Freunde, noch meine Hobbys sind der Bundeswehr zu zuordnen. Eine kleine Einschränkung sehe ich allerdings: wenn ich für längere Zeit in einen Auslandseinsatz gehe, fallen die Treffen mit Freunden und Bekannten schon mal aus. Das war aber bislang nie ein Drama. Wir haben hinterher immer eine Wiedersehensparty gefeiert.
Wie bringen Sie Familie und Beruf in Einklang?
Als ich bei der Bundeswehr angefangen habe, hatte ich noch keine Familie. Familie und Beruf prallten also nicht irgendwann aufeinander, sondern entwickelten sich und wuchsen zusammen. Für mich ist wichtig, dass ich eine Frau habe, die sehr viel Verständnis für meinen Beruf aufbringt. Sie kennt mich und weiß, wie wichtig mir bestimmte Dinge sind. Insbesondere in der Frage der Auslandseinsätze steht sie hinter mir. Das ist für mich wichtig, weil ich mich mit diesem Wissen im Hinterkopf voll auf meine Aufgaben während einer solchen Missionen konzentrieren kann.
Sie waren schon im Auslandseinsatz - wo wurden Sie überall eingesetzt?
Meinen ersten Auslandseinsatz absolvierte ich von November 1999 bis Mai 2000 in Bosnien-Herzegowina. Seinerzeit war ich als Redakteur für die Bundeswehrfeldzeitung „Der Keiler“ tätig. „Der Keiler“ ist eine Zeitung von Soldaten für Soldaten. Er erscheint einmal pro Woche. Von November 2003 bis Februar 2004 war ich erneut im ehemaligen Jugoslawien eingesetzt. Diesmal verbrachte ich vier Monate als Personaloffizier im Kosovo. 
Welches war Ihr letzter Auslandseinsatz?
Mein bisher letzter Einsatz führte mich nach Afghanistan.
Welche Aufgaben hatten Sie dort?
Die Bundeswehr beteiligt sich in Afghanistan mit etwa 3.200 Soldaten an der internationalen Sicherheitsunterstützungstruppe ISAF (International Security Assistance Force), die unter dem Mandat der Vereinten Nationen dabei hilft, in dem kriegszerstörten Land demokratische Strukturen aufzubauen. Wir helfen dabei, ein sicheres Umfeld zu schaffen, damit Wirtschaft und gesellschaftliches Leben in diesem Land wieder stattfinden kann. Wie hier zu Hause, war ich auch dort in der Pressearbeit eingesetzt. Neben der Koordinierung aller Medienprojekte für den gesamten Einsatzraum der Bundeswehr in Afghanistan, war ich Pressesprecher des Regional Command North (Regionalkommando Nord), das unter deutscher Leitung stehende ISAF-Kommando für den Norden Afghanistans.
Wie lange dauerte der Auslandseinsatz?
Ich war etwas über vier Monate dort. Das ist momentan die übliche Stehzeit in einer solchen Auslandsverwendung. Bei bestimmtem Personal, wie zum Beispiel Ärzten, Hubschrauberpiloten oder andere Spezialisten, von denen es nicht so viele gibt bei der Bundeswehr, werden auch Außnahmen gemacht. Hier ist die Stehzeit kürzer (zwei oder drei Monate), dafür müssen sie aber häufiger ran.
Hat es Probleme oder Zwischenfälle während eines Einsatzes gegeben?
Zwischenfälle hat es wohl gegeben, darüber wurde ja stets berichtet. Ich war jedoch nie direkt beteiligt oder betroffen. Solche Vorfälle sind für alle Soldaten immer Zeichen und Ermahnung, ihre Aufgabe gerade bei sich einstellender Routine stets ernst zu nehmen.
Können Sie mir kurz Ihren Tagesablauf während eines Auslandseinsatzes schildern?
6.00 Uhr: Der Wecker klingelt. Ab in den Waschraum, in der Schlange anstellen.
7.00 Uhr: Nach dem Frühstück beginne ich mit der Vorbereitung auf die tägliche Morgenlage.
8.00 Uhr: Ich bin dabei, wenn der Kommandeur mit seinen engsten Mitarbeitern den Tagesablauf und die wichtigsten Vorhaben bespricht.
8.30 Uhr: Beginn der Morgenlage. Jetzt tauscht der gesamte Stab die aktuellsten Informationen aus.
9.30 Uhr: Beeilung! In einer halben Stunde kommt das Team von Focus TV. Ich muss die Journalisten vom Flugplatz abholen. Nachdem wir das Team mit dem gesamten Gepäck ins Camp geholt haben, kurze Einweisung beim Kaffee, Lagerrundgang, Besprechen des Programms.
12.00 Uhr: Schwupp, schon Mittag! Wenig Zeit, um mit den Kollegen von der Presse nach dem hastigen Mittagessen noch einen Espresso zu trinken. Wir müssen uns beeilen, um ...
13.00 Uhr: … startet die Patrouille. Die Journalisten müssen noch eingewiesen werden. Sicherheitsbestimmungen, Bekanntmachen mit den Soldaten.
18.30 Uhr: Rückkehr. Das Filmmaterial wird gesichtet, Absprachen für den nächsten Tag getroffen. Anschließend Abendessen.
20.00 Uhr: Die Journalisten werden von meinen Mitarbeitern ins Hotel gebracht. Ich schreibe einen Bericht und werde von meiner Stellvertreterin informiert, was sonst noch so passiert ist. Habe noch einige Telefonate mit dem ISAF-Hauptquartier in Kabul und dem Einsatzführungskommando in Potsdam zu führen. Danach muss ich die nächsten Pressebesuche abstimmen.
22.30 Uhr: Jetzt ist es 19.00 Uhr in Deutschland. Schaue in der Betreuungseinrichtung die heute-Nachrichten.
23.00 Uhr: Zurück im Unterkunftscontainer. Duschen und noch ein wenig lesen. Um sechs geht’s weiter.
Was war Ihre größte Herausforderung während eines Auslandseinsatzes?
Die größte Herausforderung ist die Kultur des jeweiligen Einsatzlandes und seine Bewohner.
Setzen Sie sich während des Einsatzes mit der Kultur und den Menschen auseinander?
Spätestens bei der Vorbereitung auf einen Auslandseinsatz macht man Bekanntschaft mit der fremden Kultur. Während der Vorbereitung werden wir in Kursen und Seminaren auf die fremden Kulturen vorbereitet. Wichtig ist zu lernen, sich in die Menschen hineinzudenken. Es ist für uns Mitteleuropäer schon eine Herausforderung, wenn man zum Beispiel in Afghanistan auf die teilweise mittelalterlichen Strukturen trifft. Da ist doch jeder sehr dankbar, vorher etwas über die fremde Kultur gelernt zu haben. Die Menschen dort sind jedenfalls sehr dankbar, wenn man ihre Regeln kennt und beachtet. Das hilft uns schon sehr bei unserer Arbeit.
Haben Sie Kontakt zur Bevölkerung vor Ort?
Ja, sowohl während meiner Aufenthalte auf dem Balkan, als auch in Afghanistan hatte ich sehr viele Kontakte zu den Menschen in diesen Ländern. Es ist zwar eine Binse, aber wenn man offen und freundlich auf die Menschen zugeht, wird man genauso offen und freundlich behandelt. In punkto Gastfreundschaft sind die Afghanen jedenfalls unerreichbar.
Was erinnert Sie besonders an Ihre Familie, wenn Sie im Ausland stationiert sind?
Kinder, die im gleichen Alter waren, wie meine eigenen. Nur dass es ihnen nicht so gut ging wie meinen. Das hat mir stets vor Augen geführt, dass es uns bei all den Streitthemen in Politik und Gesellschaft doch sehr gut geht und dass wir vielleicht ein wenig mehr Bescheidenheit zeigen sollten.
In welchen Situationen haben Sie am meisten Sehnsucht nach Ihrer Familie oder Heimweh?
Das ist sehr unterschiedlich. Aber zu den Feiertagen, wie Weihnachten und an Geburtstagen ist das Heimweh schon ein wenig größer als sonst.
Was planen Sie für die Zukunft?
Als Pressesprecher bei der Bundeswehr kann man im Prinzip schon davon ausgehen, über kurz oder lang erneut in einen Auslandseinsatz zu gehen. Momentan ist da zwar nichts konkret geplant, aber wenn ein Kamerad krank werden sollte, wird natürlich nach einem Ersatzmann gesucht. Ich habe im Moment viel Freude an meiner Arbeit und wünsche mir, dass ich auch in Zukunft weiter mit so vielen verschiedenen Menschen und Medien zusammen arbeiten kann.
Vielen Dank für das Gespräch!
Weiterführende Links:
im Jugendnetz:
- Stichwort Ausbildung / Beruf
- Stichwort Interkulturelle Begegnungen
- Alle Artikel zum extra lebensformen
im weiteren WWW:
- Auf der offiziellen Seite der Bundeswehr findet Ihr wichtige Informationen rund um die Bundeswehr, ihren Aufgaben und Einsätzen.
- Infos zu Jobs und Karriere bei der Bundeswehr gibt es hier.
- Die Jugendseite der Bundeswehr bietet Euch hilfreiche Informationen zu den Diensten der deutschen Soldaten.


