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Ratten, Rohre und High-Tech

Ratten, Rohre und High-Tech

Sein Beruf ist genauso neu wie ungewöhnlich. Robin Bartholomäi (31) aus Freiburg macht bei der Badenova eine Ausbildung zur Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice. Die Arbeit im unterirdischen Kanalsystem ist – ähnlich wie die Tätigkeit eines Rettungsfahrers – sicherlich keine Beschäftigung für jedermann. Platzangst und Ekelgefühle darf man hier nicht haben. Im Interview mit Wiebke Müller und Miriam Herberger erzählt Robin Bartholomäi über seine Arbeit und gibt interessante Einblicke in die alltäglichen Aufgaben und Herausforderungen.

 
 

Herr Bartholomäi, können Sie uns Ihre Arbeit etwas näher beschreiben?
Wir sind für das Freiburger Kanalsystem zuständig. Zu unseren Aufgaben gehören die Reinigung mit Spülwägen und die Instandhaltung der Kanäle. Um den Zustand zu überprüfen, führen wir zum Großteil Kamerainspektionen durch. Nur wenn die Kamerabilder keine schlüssigen Aussagen liefern, müssen wir selbst in den Kanal steigen. Das heißt, wir arbeiten viel mit moderner Technik und verbringen nicht allzu viel Zeit in der Kanalisation.

Wie kann man sich diese Kamerainspektion vorstellen?
Wir lassen einen ferngesteuerten Kamerawagen an einer Seilwinde in die Kanäle hinab, um eine komplette Ansicht des Rohres zu bekommen. Wenn dabei Schäden festgestellt werden, können wir das mit Hilfe des Computersystems erfassen, ausmessen und am Ende auswerten.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Ratten?
Wir sehen öfters welche, wenn wir den Kanaldeckel anheben; solange sie können, hauen sie dann meistens ab. Wenn wir den Kanal durchspülen, kann es sein, dass wir dabei auch die Ratten mit abwaschen. Davon sind sie zwar nicht begeistert, aber immerhin kommen sie so sauber aus dem Kanal. Ich arbeite zwar schon länger in dem Beruf, aber wenn ich selbst unten war, ist mir noch keine Ratte Auge in Auge gegenübergestanden. Besonders scharf drauf einer zu begegnen bin ich aber auch nicht, die sind ziemlich groß und können einem ins Gesicht springen …

Trifft man denn sonst auf viele Tiere da unten?
Eigentlich nicht. Insekten und Spinnen, also die Tierchen, die besonders bei Frauen sehr beliebt sind, gibt es da unten unheimlich viel. Da kann es schon mal passieren, dass etwas auf dir rumkrabbelt, aber ansonsten sind wir im Kanal allein.

Welche Gefahren lauern sonst im Kanal?
Da ist zum einen die Infektionsgefahr, weshalb wir auch geimpft werden und Spezialanzüge tragen müssen. Die Kombination von Abwasser und Ratten ist dafür größtenteils verantwortlich. Aber auch Gase, die sich in der Kanalisation befinden können, sind gefährlich. Davor schützen wir uns mit Schutzmasken, die zur Ausrüstung gehören.

Findet man außer Ratten und Dreck auch andere Dinge im Abwasser?
Ja – es ist schon verwunderlich, was alles in der Kanalisation landet. Ich habe schon viel Besteck, einiges an Kleingeld, Nadeln und Spritzen gefunden. Daher muss man auch wirklich aufpassen, wo man hineingreift. Es gibt fast nichts, was man da unten nicht findet. Kollegen erzählen, dass sie schon Drogenpäckchen gefunden haben. Und vor einigen Jahren wurde im Vauban ein Toter im Abwasser entdeckt.

Das klingt ja abenteuerlich. Wie reagieren denn andere Leute, wenn sie von Ihrem Beruf erfahren?
Die wundern sich halt, weil sie die Kanalisation eigentlich immer gleich mit Dreck verbinden. Eine richtige Vorstellung von dem Beruf hat eigentlich keiner. Die einen können etwas damit anfangen und die anderen nicht. Kinder und ältere Leute finden das immer ganz interessant und wollen mehr darüber wissen.

Was macht Ihnen an der Arbeit Spaß?
Der Beruf ist vielfältig und es ist jeden Tag etwas anderes geboten. Man hat Abwechslung und ist viel draußen unterwegs. Ich bin mit meiner Berufswahl auf jeden Fall zufrieden.

 

Allgemeine Informationen über die Ausbildung zur Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice

  • Voraussetzungen: Realschulabschluss (von Vorteil), Geruchsunempfindlichkeit, keine Angst vor Ratten, körperlich fit, keine Platzangst
  • Ausbildungsdauer: 3 Jahre
  • Arbeitszeiten: von 7 Uhr bis 16 Uhr inklusive "sozialer Zeit", in der man duschen und die Spezialanzüge reinigen lassen kann.
  • Ausbildungsvergütung (ca. brutto): 1. Jahr: 940 Euro, 2. Jahr: 1000 Euro, 3. Jahr: 1100 Euro

Weiterführende Links

im Jugendnetz:

im weiteren WWW:

  • f79 - das Schülermagazin für Freiburg und Region
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