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extra ansichtssache: Transferwahnsinn

extra ansichtssache: Transferwahnsinn

Immer mehr Profifußballer wechseln für viel Geld den Verein. Mit Vereinstreue und sportlicher Perspektive hat das nichts mehr zu tun, findet Lukas Ramsaier.

 
 

94 Millionen! Diese Summe hat der Top-Klub Real Madrid nach übereinstimmenden Medienberichten für den portugiesischen Top-Fußballer Christian Ronaldo von Manchester United gezahlt. Für die einen ist es der Super-Deal, für die anderen reiner Wahnsinn. Die überwiegende Mehrheit unter den Fußballfans sieht die Tradition im Fußball durch die immer höheren Ablösesummen in Gefahr. Auch der größte Fußballnostalgiker muss sich eingestehen: Mit Vereinstreue oder sportlicher Perspektive haben Transfers heute nicht mehr viel zu tun. Es scheint nur noch ums Geld zu gehen. Wo kommt das viele Geld eigentlich her?

Geld im Fußball

Der Gewinn der Champions- Leauge bringt etwa 30 Millionen Euro ein. Allerdings planen nur wenige Klubs mit dem Gewinn der Königsklasse. Mittlerweile zählen andere Faktoren: David Beckham, ebenfalls für viel Geld von Real Madrid verpflichtet, erwirtschafte an seinem ersten Tag eine halbe Million Euro durch Trikotverkäufe. Der asiatische Markt rückt immer mehr in den Fokus der europäischen Spitzenligen. Ein Verein wie Real Madrid erhofft sich durch die Verpflichtung von Topstars wie Ronaldo noch mehr Präsenz auf dem dortigen Markt, was wiederum mehr Einnahmen verspricht. Transfers mit einer sehr hohen Ablösesumme gibt es schon seit langem. Doch vor allem in diesem Jahr wird das Thema Geld im Fußball stark diskutiert.

Nicht erst seit dem Ronaldo-Fall horcht die Fußballwelt auf. Auch in Deutschland ist das Thema sehr präsent. Jüngstes Beispiel ist die TSG Hoffenheim, die unter anderem durch das Geld von ihrem Investor Milliardär Dietmar Hopp einen kometenhaften Aufstieg von der Oberliga in die Bundesliga in nur wenigen Jahren schaffte. Hier scheiden sich die Geister: Die eine Seite argumentiert, dass mit Hoffenheim endlich mal ein deutscher Verein den Trend der Zeit erkannt hat – bei europäischen Topclubs ist es mittlerweile selbstverständlich, dass Milliardäre den Ton angeben. Fans hingegen sehen darin die endgültige Vernichtung des Fußballs und fordern mehr Rückbesinnung auf Traditionen und Fankultur. Für Aufsehen sorgte auch der teuerste Bundesliga-Transfer aller Zeiten: Mario Gomez wechselte im Juni für 35 Millionen Euro vom VfB Stuttgart zum FC Bayern München.

465 Jahresgehälter von Angela Merkel

Im Vergleich zu dem Ronaldo-Deal scheint dies ein Klacks. Trotzdem meldeten sich umgehend einige Fußballprominente zu Wort. UEFA-Präsident Michelle Platini zeigte sich sehr besorgt über die Rekordablöse und selbst Dietmar Hopp äußerte Unverständnis: „Ich gehöre auch zu den Leuten, die mit der Achsel zucken. Ich frage mich: Was verspricht sich Real von Ronaldo? Wenn sie glauben, dass sie das Geld refinanzieren können, gehen sie ein sehr, sehr hohes Risiko ein. Dann haben sie an einem sehr großen Rad gedreht!“ Interessant ist abschließend auch der Vergleich was man mit 94 Millionen sonst alles anstellen kann. Das wären zum Beispiel 465 Jahresgehälter von Angela Merkel. Das Stadion von Real Madrid hat 37 Millionen gekostet – also weniger als die Hälfte der Ablöse von Ronaldo.

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