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Klein, grün und für Gerechtigkeit - Eine junge Polizistin im Portrait

Klein, grün und für Gerechtigkeit - Eine junge Polizistin im Portrait

Einmal im Polizeiauto mitfahren, die Feuerwehrstange runterrutschen oder im Baggerhäuschen sitzen, welcher Junge hat nicht schon mal davon geträumt? Mädchenträume sehen anders aus. Trotzdem: Julia Aichholz ist Polizistin geworden und mag ihren Job sehr - auch wenn der Spagat zwischen Polizei- und Privatleben manchmal ein wenig schwer ist. Doch warum sie wegen fünf Zentimeter fast nicht Polizistin hätte werden dürfen, erfahrt ihr in folgendem Portrait

 
 

Als Julia Aichholz im September 2003 zum ersten Mal auf Streife gehen durfte, konnte sie einfach nur grinsen. Mit einem Dauergrinsen im Gesicht fuhr die kleine Polizistin durch ihre Heimatstadt Rottweil und freute sich wie ein kleines Kind. Dass im Kindergarten fast nur Jungs "Räuber und Gendarm" spielten, störte sie kein bisschen. Ihre zierlichen Körpergröße von 160 cm waren da schon das größere Problem. Nach ihrem Realschulabschluss 1999 will sie unbedingt Polizistin werden, wäre da nicht die Kleinigkeit von fünf Zentimetern, die sie von ihrem großen Ziel trennt. Vielleicht wächst sie ja noch ein bisschen, wenn sie brav weiter zur Schule geht? Nach dem Abitur versuchte sie es nochmal: Nein, sie ist nicht auf wundersame Weise in die Höhe geschossen. Aber die Mindestgröße wurde in der Zwischenzeit herabgesetzt.

Energischer Gerechtigkeitssinn und Wille

Im Herbst 2002 beginnt Julia ihre Ausbildung als Polizeimeisterin in Böblingen. Was ihr an Größe fehlt, macht sie mit Sportsgeist und Riesenklappe wieder wett. "Ich habe schon das Organ dazu, mich durchzusetzen... In einer Großfamilie braucht man das." Wortgewandt und selbstbewusst überwindet sie so Trainingsparcours und Vorurteile. Mindestens so groß wie die Kommunikationsleidenschaft ist ihr energischer Gerechtigkeitssinn und der Wille, Menschen zu helfen. Dass man dafür auch manchmal kämpfen muss, hat die Gesetzeshüterin in den zwei Jahren als Streifenpolizistin oft erlebt.

Gewaltfreie Lösungen

"Ich glaube, es ist wichtig, dass man im richtigen Moment konsequent durchgreift. Trotzdem ist in vielen Fällen mit Kommunikation und Psychologie eine gewaltfreie Lösung möglich." Sie lacht und fügt hinzu: "Ich bin keine Gewaltsau!" Und die Gefahr und die Action und die wilden Verbrecherjagden? Wenn sie mit Blaulicht mal richtig Gas geben darf, ist das immer wieder ein Glücksmoment für die junge Polizistin. Aber auch in ausgemachten Krimi-Szenarien muss Julia ihren Mann stehen, nachts, allein vor dem Rottweiler Gefängnis, mit der Maschinenpistole im Anschlag. Oder zwischen Backstein-werfenden Demonstranten oder inmitten einer Massenschlägerei vor der Dorfdisco. "In solchen Momenten funktioniert man nur. Die Angst kommt erst danach, wenn ich mir vorstelle, was alles hätte passieren können", sagt sie. Ängstlich zittern auch Freunde und Familie jeden Tag aufs Neue um ihr "Julchen".

Kein Fehltritt

Das ist allerdings nicht die einzige Nebenwirkung ihres Berufs: Die Leute erwarten von ihr auch privat ein vorbildliches Verhalten, beurteilen sie kritischer und erlauben keinen Fehltritt. Und ihr geht es ähnlich. Es ist schwer die Polizistin abzuschütteln, abzuschalten vom Polizei-Alltag und nicht mehr die Heldin in Grün zu sein.

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