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extra ansichtssache: Nachhilfe – Pro und Kontra
Pro
Nachhilfe zu nehmen ist nichts verwerfliches. Auch wenn es manchen unangenehm vorkommt – in Wirklichkeit ist es doch ein Zeichen wahrer Stärke, sich Schwächen einzugestehen und gegen diese etwas machen zu wollen. In vielen Fällen reicht ein Denkanstoß, um den Durchbruch zu schaffen. Und genau dafür ist ein individueller Nachhilfeunterricht gut geeignet. Fähige Nachhilfelehrer können intensiv auf ihre Schüler eingehen, durch die bessere Betreuung stellen sich dann auch bessere Noten ein. Ein guter Nachhilfelehrer muss nicht teuer sein. Im Gegenteil, man kann ältere Schüler um Hilfe bitten. Oder man bildet Lerngruppen, in denen man sich individuell hilft. So erfährt man zum einen, wo die persönlichen Stärken liegen, und zum anderen arbeitet man gemeinsam an den eigenen Schwächen.
Gute Ergänzung zum Unterricht
Noch ein Pluspunkt für die Nachhilfe ist die Tatsache, dass man regelmäßig außerhalb der Schule mit dem Lernstoff in Berührung kommt und sich mit ihm auseinandersetzt. Durch das gemeinsame Lernen in der Nachhilfe ist die Angst, etwas nicht auf Anhieb richtig zu machen, geringer: Gute Nachhilfelehrer traut man sich immer zu fragen, ganz im Gegensatz zu einem Lehrer in der Schule. Doch gerade durch Nachfragen und stetiges Wiederholen stellt sich doch der Lerneffekt ein. Nachhilfe ist eine gute Ergänzung zum Unterricht, nicht nur für Schüler mit Lernschwächen. Es kann jedem helfen noch besser zu werden.
Kontra
Sind Deutschlands Schüler dumm? Die Zahlen scheinen eine klare Sprache zu sprechen: Unterschiedlichen Schätzungen zufolge nehmen zwischen 25 und 50 Prozent aller Schüler Nachhilfe und zahlen dafür jährlich mehr als 2 Milliarden Euro. Sicher: Schüler mit Lese-Rechtschreibschwäche und ähnlichen Problemen benötigen professionelle Nachhilfe. Doch angesichts solcher Zahlen sind die wahren Probleme an anderer Stelle zu suchen. Hoher Leistungsdruck, ein Notensystem, das individuelle Fähigkeiten einseitig auf Zahlen reduziert, verleiten auch "bessere" Schüler dazu, ihre Nachmittage mit Nachhilfeunterricht anzufüllen.
Die Ungleichheit wächst
Und so schleicht sich ein Problem durch die Hintertür, das eigentlich mit kostenlosem Schulunterricht verdrängt werden sollte: Nur die Reichen können sich Nachhilfestunden leisten, die Ungleichheit wächst. Oft ist die Nachhilfe ineffektiv: Schüler pauken den Stoff für die nächste Arbeit, nicht aber das, was sie wirklich aufs Leben vorbereitet: zu lernen, wie man strukturiert und diszipliniert selbstständig arbeitet. Dies ist eine wichtige Aufgabe, die unser Schulsystem scheinbar nicht mehr erfüllen kann. Doch wenn das Schulsystem versagt, dürfen nicht die Schüler dafür blechen, nein, wir brauchen neue Schulen. Es gibt hervorragende Konzepte, doch meist haben sie einen Haken: Sie kosten viel Geld. Doch für die Bildung sollte kein Preis zu hoch sein, denn die Schüler von heute bringen den Wohlstand von morgen.
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