gesichtet
Buchtipp: "So leben wir - Menschen am Rande der Megacitys" von Jonas Bendiksen
„Dieses Viertel ist verloren. Er auch, weil er heimlich Drogen nimmt. Ich leide darunter“, erzählt Pilar Oviedo aus Caracas, der Hauptstadt Venezuelas. Sie wohnt mit ihrem Sohn in einem Haus, das 36 Einschusslöcher hat. Angst hat sie keine mehr, die Situation ist Gewohnheit geworden. „Wenn die Jungs von da oben mit denen hier unten etwas auszutragen haben und ein Schusswechsel beginnt, schließt man die Tür und versteckt sich.“ Venezuela ist das Land mit den höchsten Todesraten durch Schießereien.
Tageszeitungen als Wandverzierung
„Es gibt in diesem Haus nur ein Bett, aber zehn Personen, die hier leben. Manche quetschen sich ins Bett, der Rest schläft auf Stühlen.“ Das ist die Lebenssituation von Charles Arori aus Nairobi. Tageszeitungen hat die hier lebende Großfamilie gelesen. „Ich habe diese Zeitungen als Dekoration an die Wand geklebt. Dadurch sieht auch das Haus viel schöner aus, und außerdem kann man dann alles sehen, die Kakerlaken zum Beispiel.“
Fäkalien im Haus
Platzprobleme hat auch die Familie von Nagamma Shilipri aus Mumbai. „Das Haus ist nicht groß genug für uns alle. Wir schlafen einer über dem anderen, einer im Bett, der andere darunter.“ Richtig schlimm wird es, wenn der Regen kommt, dann sitzt die 15-köpfige Familie auf dem einen Bett. „Wir können niemanden um Hilfe bitten, wir sitzen dann einfach die ganze Nacht da. Erst wenn das Wasser zurückgegangen ist, können wir arbeiten gehen. Dann regnet es wieder. Das Abwasser dringt ins Haus, sogar Fäkalien, dann stinkt das Haus.“
Lebensmutiger Müllsammler
Suparno aus Jakarta ist Müllsammler. Er lebt unter einer Mautbrücke, mit etwa 40 anderen Personen. „Wir arbeiten, damit wir etwas zu essen haben. An einem guten Tag kriegen wir etwa 30 000 Rupien (rund zwei Euro, Anmerkung der Redaktion) zusammen. Es hängt davon ab, was wir finden. […] Die meisten Menschen finden Müll widerlich. Aber was sollen wir dagegen haben, wenn wir damit unsere Familie ernähren können?“ Er ist bereit seinen Job zu machen, solange es legal ist. Er blickt positiv in sein Leben: „Wenn man motiviert ist, findet man auch was zu tun.“
Rundumschau in die Wohnungen
Zwischen 2005 und 2007 verbrachte der norwegische Fotojournalist Jonas Bendiksen mehrere Monate in den Slums von Nairobi in Kenia, Mumbai in Indien, Jakarta in Indonesien und Caracas, Venezuela. Er bekam einen Einblick in das Leben der Slumbewohner. Durch seine Fotos lässt uns Jonas Bendiksen in die Wohnungen der Slumbewohner einsteigen. Die 360 ° Aufnahmen lassen sich zu einem Vierwandzimmer aufklappen. Während man sich umschaut, erzählen die Bewohner ihre Geschichte, Sorgen und Gedanken. Die Geschichten haben stets ihren ganz eigenen Ton behalten. Durch diese besondere Aufnahmeart treten uns die Personen sehr nah. Zudem liefert Jonas Bendiksen zur Kapiteleinleitung die wichtigsten Informationen zu den örtlichen Verhältnissen, so dass man gute Hintergrundinformationen hat. Ein sehr bewegendes Fotosachbuch.
Jonas Bendiksen
So leben wir – Menschen am Rande der Megacitys
Aus dem Englischen von Lizzie Gilbert
Knesebeck Verlag
ISBN: 978-3-89660-587-0
29,95 Euro
Weiterführende Links
im Jugendnetz:
- weitere Buchtipps
- Stichwort Auslandsaufenthalt
- Stichwort Familie
- Stichwort Fotografie
- Stichwort Literatur / Lesen
- Stichwort Unterkunft
- Stichwort Wohnen
im weiteren WWW:
- Der Knesebeck Verlag
- Die Website des Fotografen Jonas Bendiksen (Englisch)



