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Buchtipp: Talking Metal

Buchtipp: Talking Metal

"Talking Metal" - So lauten Name und Devise des neuen Buches von Frank Schäfer. Darin stellt er allen möglichen Koryphäen der Szene interessante Fragen, die einem Einblicke in sonst undurchsichtige Bereiche des Metal geben und untermalt das Ganze mit Humor und Wortgewandtheit, wenn er seine Interviewpartner vorstellt. Darunter befinden sich ein Roadie, ein Produzent, ein Musikwissenschaftler, die Sängerin einer Death-Metal Band, der Moderator eines Radiosenders und andere Experten auf ihrem Gebiet.

 
 

„Talking Metal“ - „Blech reden“, wie der Autor selbst mit einem Augenzwinkern übersetzt.


Als Metalfan bin ich durchaus gespannt, was das für ein Buch ist, als ich es zum ersten Mal in den Händen halte. Da schwingt auch eine gewisse Skepsis mit. Ein Buch, das Metal erklärt? Schwer vorstellbar. Entsprechend neugierig fange ich zu lesen an.

Was steht drin?


Beim Lesen wird mir dann bewusst, das ist kein Lexikon, kein Lehrwerk. Es ist tatsächlich „Talking Metal“, will heißen: Metaler reden über Metal. Das Buch besteht aus Interviews verschiedener Akteure der Szene. Da ist eine Sängerin dabei, aber auch weniger gewöhnliche Figuren, wie Produzent, Coverkünstler, Wacken Open Air Organisator, Musikwissenschaftler, Redakteur und – was mich persönlich sehr interessiert hat – Roadie. Und noch viele mehr, am Ende auch eines vom Autor selbst.
Folglich beinhaltet das Werk keine Definitionen und Regeln, sondern die unterschiedlichsten Ansichten und Lebenseinstellungen. So zum Beispiel zu neueren Spielarten, die immer ein strittiges Thema sind, speziell alles, was „Core“ im Namen trägt. Es bietet dem geneigten Fan Einblicke in die Welt hinter den CDs und Konzerten, beleuchtet die, die sonst im Schatten der Bands stehen. Wer weiß schon so wirklich, wie ein Album entsteht, was nötig ist, um einen Auftritt zu ermöglichen, oder womit Labels eigentlich ihr Geld verdienen? Und wer macht eigentlich die Metal-Radiosender? „Talking Metal“ bietet Antworten auf solche und ähnliche Fragen.
Bei dem Kapitel über das Wacken Open Air ist auch eine Statistik abgedruckt, die jeden, der mal dort oder auf anderen Festivals war, interessieren dürfte, mit Zahlen zu Wasserstellen, Dixis, Crew, Besuchern, Fahrzeugen usw.
Das Buch beschränkt sich dabei auf die, deren Leidenschaft für Metal zu ihrem Beruf geworden ist, wie der Autor es ausdrückt. Keine Fans, die sich rein aufs Musikhören beschränken, keine gewöhnlichen Interviews von Bandmitgliedern; beides findet man zur Genüge in den gängigen Zeitschriften.

Kein Lexikon, also was dann?


Ziel ist es nicht nur, Licht auf ansonsten unbeachtete Akteure der Metal-Industrie zu werfen, sondern auch so etwas wie eine Dokumentierung der Geschichte des Metal aufzuschreiben. Dass diese Geschichte hier von Zeitzeugen in Form persönlicher Erinnerungen wiedergegeben wird ist durchaus so gewollt. Jeder hat damals seine eigenen Erfahrungen gemacht, war mehr mit dieser Band unterwegs, hat mehr dieses oder jenes Subgenre erlebt. Auch die Unterschiede zwischen Europa und Amerika werden angeschnitten, vor allem aber die Differenzen zwischen Ost- und Westdeutschland, dafür spricht Frank Schäfer extra mit einem „Ostbeauftragten“, der schon während DDR-Zeiten im östlichen Metal-Underground aktiv war, mittlerweile an der Universität in Dresden arbeitet und nebenbei Mitglied der Band „Gorilla Monsoon“ ist.

Die Personen sind glaubhaft, die Stories dadurch glaubwürdig.


Ansprechend ist vor allem auch, dass diese Leute alle irgendwie greifbar sind, nicht ferne berühmte Bands, sondern Menschen, die ihre eigene Geschichte erzählen und auch Schwächen und Fehler zugeben, die in Städten wohnen, die man kennt, die Zeitschriften machen, die man liest. Da erzählt einer, wie er ein Cover gemacht hat, was er davon hält, wie es entstanden ist, und man denkt sich dann: „He, das kenn ich, das steht bei mir im CD-Regal!“. Dann liest man den Namen eines Redakteurs und merkt, man hat schon alle möglichen Artikel von dem gelesen. Das gibt dem Ganzen eine persönliche Note, die beim Lesen einen gewissen Sog entwickelt.

Vorwissen tut gut, ist aber nicht notwendig


Was mir aber aufgefallen ist: Klar kann man das Buch auch als Szenefremder lesen und das ein oder andere daraus mitnehmen. Sinnvoll ist es aber, wenn man zumindest eine Vorstellung davon hat, was Metalcore, Death-, Power-, True-, Heavy-, Black- usw. Metal ist. Einige größere Bands sollte man auch schonmal gehört haben. Denn es gibt in dieser Interviewsammlung eben auch kein Glossar, in dem man schnell mal nachschlagen kann. Und natürlich reden die Erzähler ganz selbstverständlich von diesen Dingen, mit denen sie ja tagtäglich zu tun haben. Ich habe die Achtziger auch nicht miterlebt und höre nicht besonders viel aus der Zeit. Da kommen dann eben ein paar kurze Passagen, die man dann nicht so ganz nachvollziehen kann, weil es eben um eins dieser Alben geht, die man nicht kennt. Darüber lässt sich aber leicht hinweg lesen, das stört nicht weiter und ist ja auch abhängig vom persönlichen Erfahrungshorizont.

Abgesehen von solchen Momenten kann ich mich als Metalhead mit den Leuten im Buch und mit dem, was sie erzählen, super identifizieren, das Ganze ist im Grunde von Fan zu Fan geschrieben. Insofern bin ich nach der Lektüre positiv überrascht; eine Sammlung unterschiedlicher Perspektiven, Erfahrungen und Erinnerungen kann das Phänomen Metal ganz sicher besser verständlich machen, als ein festes Regelwerk.
Ich denke, das macht es auch für sonst nicht so Belesene lesenswert, sofern sie diese Musik denn hören oder sie aus anderen Gründen besser verstehen wollen.

 

Frank Schäfer
Talking Metal
Schwarzkopf-Verlag
272 Seiten
14,95€
ISBN: 978-3-86265-075-0

 

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