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Buchtipp: „Im Königreich der Kälte“

Buchtipp: „Im Königreich der Kälte“

Passend zur Jahreszeit entführt Nick Lake in seinem Fantasy-Roman in eine eiskalte Welt voller Mythen, Schnee, Blut und langgezogener Actionszenen. Eine Mischbilanz.

 
 

Light ist anders als die anderen. Das Albino-Mädchen lebt in Nordirland und geht nicht zur Schule, sondern erhält Unterricht bei ihrem Vater und dem merkwürdigen Diener, der nur Butler heißt. Und auch der Unterricht hat es in sich: Neben Lesen, Schreiben und Geschichte lernt die Zwölfjährige das Morsealphabet, Inuit und Nahkampftechniken. Diese Ausbildung zahlt sich aus, als ihr Vater bei einer Polarexpedition verschwindet.

Gemeinsam mit ein paar sehr ungewöhnlichen Begleitern (unter anderem ein Mann mit einem Haifischkopf und einem Mädchen, das nur noch aus einem Schatten besteht) macht Light sich auf in Richtung Norden, in die Arktis, und damit in das Land, aus dem ihre Mutter stammt. Im Königreich der Kälte entdeckt das Mädchen, dass ihr Vater vielleicht gar nicht ums Leben gekommen ist, wie alle glauben, sondern vielmehr von einem Wesen namens Frost entführt wurde. Und Frost schon seine Helfer ausgesandt, um Light zu erwischen...

Eintauchen in Leben und Mythen der Inuit

Es ist ein merkwürdiges Buch,  das Nick Lake geschrieben hat: Einerseits erinnert die Sprache an ein Kinderbuch, andererseits erscheint der Roman zu brutal, um für Kinder geeignet zu sein. Für die Lektüre sprechen vor allem die Verwendung der Sagen und Mythen der Inuit.  Man lernt über die faszinierende Kultur des Volkes und bekommt eine Vorstellung davon, was es heißt, in einer Welt zu überleben, in der einen nur der Tod eines anderen Wesens ernähren kann.

Viele der skurrilen Figuren sind so liebenswert anders, dass man sie einfach mögen muss: Tupilak, der früher Fischer war und den die Meeresgöttin in eine Kombination aus Haifisch und Eisbär verwandelte; Butler, der nicht nur Mensch ist, sondern auch Rabe sein kann oder das Schattenmädchen, das von Lights Vorfahren in ihr Haus eingemauert wurde und von dem nur ihr Schatten übrig blieb. Bestechend ist auch die graphische Gestaltung des Romans, denn zu Beginn jedes Kapitels finden sich stilisierte Zeichnungen der Protagonisten.

Mischung aus Kinderbuch und übertriebener Gewalt

Allerdings bringt Lake auch sehr viele unnötig blutige Szenen ein. Aufgrund der stellenweise sehr präsenten Brutalität stufte der Hersteller das empfohlene Lesealter auf 14 bis 15 Jahre ein. Ob zu Recht oder zu Unrecht, sollte jeder Leser selbst entscheiden. Deutlich störender zeigten sich die sehr ausgedehnten Action-Szenen, welche dem Buch die Spannung rauben. Teilweise empfiehlt es sich, quer zu lesen, um das Interesse wachzuhalten.

Fazit

Das Romandebüt von Nick Lake besticht durch ungewöhnliche Ideen, liebevolle Gestaltung und Darstellung der hochinteressanten Kultur der Inuit. Allerdings scheint Lake seinen Stil noch nicht ganz gefunden zu haben - für ein Kinderbuch ist „Im Königreich der Kälte" zu brutal, für einen Roman mit Erwachsenen als Zielgruppe wieder zu kindlich. Es wird interessant, ob und in welche Richtung sich der Autor bei seiner nächsten Veröffentlichung entscheidet. Für besonders Neugierige: Auf Englisch ist sein zweiter Roman "The Blood Ninja" bereits erschienen.

 

Nick Lake
Im Königreich der Kälte
Roman
Aus dem Englischen von Sabine Reinhardus
Pan
381 Seiten, gebundene Ausgabe
ISBN: 978-3-426-28303-5
14,95 Euro

 

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