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Filmtipp: „Die Fremde“

Filmtipp: „Die Fremde“

Ehrenmorde, Traditionen, eine Familie am Zusammenbruch: Feo Aladags gewagtes Kinodebüt führt den Zuschauer in eine türkische Parallel-Gesellschaft im Herzen Berlins. Und Sibel Kekilli brilliert als junge Frau im Spannungsfeld zwischen zwei Kulturen.

 
 

Die Türkin Umay (Sibel Kekilli) lebt mit ihrem Ehemann Kemal und Sohn Cem in einem Istanbuler Vorort. Kemals Gewaltausbrüche versetzen sie in ständige Angst. Deswegen packt sie kurzentschlossen ihre Koffer und reist ab - zurück nach Berlin, zu ihren Eltern. Deren anfängliche Freude über den Besuch von Tochter und Enkel verblasst allerdings, als sie erfahren, dass Umay nicht in die Türkei zurück gehen will.

Die unterschiedlichen Vorstellungen drohen die Familie zu zerbrechen: Die 25jährige Umay träumt von Arbeit, einen nachgeholten Schulabschluss und einem Studium. Ihre Eltern (Derya Alabora, Settar Tanriöğen) wünschen sich eine Aussöhnung zwischen den Eheleuten; ihrer Ansicht nach gehört Cem zu seinem Vater. Schwester Rena (Almila Bagriacik) sehnt sich nach einer Wiederherstellung der Familienehre, damit sie ihren Verlobten heiraten kann. Bruder Mehmet (Tamer Yigit) will an den Traditionen festhalten, während der jüngere Bruder Acar (Serhad Can) zwischen der Liebe zur Schwester und den ihm vorgelebten Einstellungen hin- und hergerissen ist.

Die Fronten eskalieren

Als die Familie droht, Cem in die Türkei zu verschleppen, flüchtet Umay mit ihrem Sohn unter Polizeischutz in ein Frauenhaus. Mit Hilfe ihrer besten Freundin findet sie Arbeit in einer Großküche. Nach und nach verwirklicht die junge Frau ihre Träume: Sie holt den Schulabschluss nach, mietet eine eigene Wohnung und entdeckt im Kollegen Stipe (Florian Lukas) einen Mann, in den sie sich verlieben kann. Und trotzdem kann Umay nicht glücklich sein. Immer wieder strebt sie nach einer Versöhnung mit ihrer Familie, wird meist abgewiesen und schöpft doch in kleinen Gesten wieder Hoffnung. Dem Publikum schwant: Das kann eigentlich kein gutes Ende nehmen - oder doch? Als Acar schließlich eine Pistole auf seine Schwester richtet, kommt es zum Eklat...

Besticht durch Emotionen und Realismus

„Die Fremde" ist ein sehr emotionaler Film. Bei jeder Ohrfeige zuckt der Zuschauer zusammen, und in den traurigen Momenten kann durchaus das eine oder andere Auge feucht werden. Das Publikum taucht ein in eine türkische Parallel-Gesellschaft, in der die Protagonisten im Gespräch selbstverständlich zwischen Deutsch und Türkisch hin- und herspringen und trotzdem meist bedingungslos an ihren alten Vorstellungen festhalten.  Akribisch nimmt Feo Aladag uns mit auf eine Reise von Istanbul nach Berlin, bei der die geographische noch die am leichtesten zu überwindende Distanz ist. Sie erspart keinen harten Moment, und lässt in Lichtblicken immer noch auf ein Happy End hoffen.

Neben bekannten Stars wie Sibel Kekilli („Gegen die Wand") und Florian Lukas („Nordwand") greift Aladag auch auf zahlreiche türkische Schauspieler und auf von ihr auf der Straße entdeckte Jung-Talente zurück. Diese Mischung verleiht dem Film eine natürliche Authentizität, welche bei einem heiklen Thema wie „Ehrenmorde" unabdingbar ist:  Zu leicht ist es, in Klischees abzugleiten. Glücklicherweise gelingt Aladag dieser Spagat. Ein durch und durch empfehlenswerter Film.

Filmstart: 11. März 2010

 

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