gesichtet
Buchtipp: "Die Mauer – Geschichte einer Teilung" von Edgar Wolfrum
Der Mauerbau begann am Sonntag den 13. August 1962 um zwei Uhr nachts. Unter Aufsicht von schwer bewaffneten Volkspolizisten errichteten die Führer der DDR eine Grenze, die fortan 16 Millionen Menschen einsperrte. Es war gar so viel Stacheldraht, der in Berlin ausgerollt wurde, „dass man die ganze Welt damit hätte umspannen können.“
„Die beispiellose Aktion war generalstabsmäßig geplant, straff durchorganisiert und vollzog sich in einem extrem hohen Tempo.“
Der Mauerbau war ein Überraschungscoup der SED. Bis zum Mauerfall war der verantwortliche für den Bau, Erich Honecker, stolz auf seine Idee des Mauerbaus und deren Ausführung. Die Grenzanlage sollte die Massenflucht eindämmen. Eigentlich bestand die Mauer aus zwei Mauern, einer West- und einer Ost-Mauer. Dazwischen lag der Todesstreifen der stellenweise bis zu 100 Meter breit war. Elf unterschiedliche Hinderniszonen gehörten dazu, unter anderem Alarmgitter, Stolperdrähte, Hundelaufanlagen oder Panzergräben.
„Dem Erfindungsreichtum, um Flüchtlinge zu verletzen oder zu töten, waren keine Grenzen gesetzt.“
Über 1200 Menschen, die nach Westdeutschland wollten, starben an der Grenze. „Die Mauer war eine Sensation und eine perverse dazu.“ Tragödie und Touristenattraktion –die Mauer war beides. Staatsgäste aus aller Welt besuchten sie. Die Mauer war auch bekannt als die längste Leinwand der Welt, wegen der zahlreichen Zeichnungen, die im Westen aufgemalt wurden. Kommentare und Sprüche wie „Erich rück den Schlüssel raus“ standen überall. Viele schätzen die Maueridylle inmitten der Großstadt Berlin, eine Alternativkultur bildete sich auf der Sonnenseite im Westen, die lediglich durch manchmal erhallende Schüsse getrübt wurde.
„Der Fall der Mauer war weder vorgesehen noch vorhersehbar.“
Die Meinung Hoeneckers, dass die Mauer noch hundert Jahre stehe, bewahrheitete sich nicht. Unruhen, Demonstrationen und Massenfluchten führten zur Auflösung der DDR. Am 9. November trat die Wende ein.
„Das tritt nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich.“
Worte, die die Welt veränderten. Günter Schabowski berichtet auf einer Live-Pressekonferenz die Beschlüsse des Ministerrats. Darunter auch die über die Ausreise. Aus seinen Notizen konnte er nicht herauslesen, ab wann der Beschluss galt. Daher gab er die Auskunft „sofort, unverzüglich“.
„Wir fluten jetzt!“
Keine Grenzstation war vorbereitet. Keine Wache wusste etwas von der Öffnung. Doch weil der Ansturm zu groß wurde, gab es nur eine Lösung, die Grenze zu öffnen und auf jegliche Kontrollen zu verzichten.„Es folgte für die Deutschen die Nacht der Nächte“, meint der Autor.
„Schwunghafter Handel mit Mauerstücken“
Auch wenn die wahre Mauer gefallen ist besteht, die in unseren Köpfen immer noch. 28 Jahre Mauer kann man nicht einfach vergessen. Die echte Mauer jedoch vermarktete die DDR-Außenhandelsfirma Limex-Bau Export-Import. Galerien und Privatpersonen kauften die asbestverseuchten Souvenirs. In den vatikanischen Gärten in Rom findet sich ein Stück mit dem Grafitti „RAF“, auch im CIA-Hauptquartier befindet sich ein Stück. Doch der Verkauf hat seine Schattenseite. Über 95 Prozent der Mauer ist zerstört, in Berlin stehen an verschiedenen Orten nur noch 1,5 Kilometer Überreste.
Lesenswert und lebendig
Der Historiker Edgar Wolfrum liefert mit „Die Mauer – Geschichte einer Teilung“ einen genauen und lesenswerten Einblick über die Geschichte der Grenzanlage. Systematisch arbeitet er sich von der Vorgeschichte bis zum Mauerfall und dem Mauerabriss vor. Seine Schlüsse sind nachvollziehbar und niemals zu einseitig. Wolfrum schreibt verständlich und einprägsam, so dass sein Werk auch für einen Einstieg in die Thematik geeignet ist.
Edgar Wolfrum
Die Mauer – Geschichte einer Teilung
C.H. Beck
192 Seiten
ISBN 978 3 406 58517 3
16,90 €
Weiterführende Links
im Jugendnetz:
- Weitere Artikel von Elisabeth Böker
- Weitere Bücher zum Mauerfall
- Weitere Artikel zur/mit der Mauer
im weiteren WWW:


