gesichtet
Buchtipp: "Maria, ihm schmeckt’s nicht!" von Jan Weiler
Immer wenn Jan seinen Teller leer gegessen hat, wird er prompt nachgefüllt. Will er einmal nicht mehr, sagen alle gleich: „Maria, ihm schmeckt’s nicht!“ Wohlerzogen wie der Deutsche ist, betont er: „Doch, wirklich, es schmeckt vorzüglich!“ Und schon ist der Teller wieder voll.
Ein Problem folgt dem anderen
Doch das Essen ist nur eine von vielen Sorgen von Jan. Von der Matratze bekommt er Rückenschmerzen, so dass er es vorzieht auf einem grünen Gummikrokodil zu schlafen. Zudem sind da noch die Sprachprobleme. Bei einem Zusammenstoss mit einem anderen Auto geht sein Blinker kaputt. Doch der Versuch der Dame des anderen Fahrzeuges klar zu machen, was passiert ist, geht grandios schief. Herbeigeeilte Passanten sind von Jans Erklärungsversuchen extrem belustigt.
Wortverwechselungen
Später erklärt ihm seine Frau, dass er Blinker mit einem anderen Wort verwechselte und dass das, was er sagte so klang: „Sie sehen doch, hier, bitte schön, meine Möse leuchtet. Möse an, Möse aus, Möse an, Möse aus. Ich habe die Möse ganz normal bedient und jeder konnte sie sehen. Oder haben sie meine Möse etwa nicht gesehen? Ist doch groß genug, oder?“
Liebe zum Land und zur Familie
Doch trotz aller Schwierigkeiten fängt Jan das Land an zu lieben und reist gerne zu seiner angeheirateten italienischen Familie. Eine spezielle Fahrt wird er in ganz besonderer Erinnerung behalten: Sein Schwiegervater Antonio möchte, dass er ihm hilft, eine Kommode nach Italien zu transportieren. Es ist eigentlich nur ein vorgeschobener Grund, um dem Mann seiner Tochter in seine persönliche Geschichte einzuführen. Mit dieser Reise in die Familiengeschichte bekommt „Maria, ihm schmeckt’s nicht!" eine tiefgehende Komponente. Schließlich kam Antonio Marcipane als Gastarbeiter nach Deutschland und erfuhr Ablehnung und Ausgrenzung. Dennoch mochte er seine neue Heimat und blieb. Das ist eine sehr bewegende Geschichte innerhalb des Romans.
Autobiografische Geschichte
Jan Weiler ist mit dem Buch „Maria, ihm schmeckt’s nicht!“ ein wunderbar vielseitiger Roman gelungen. Witzig und tiefgehend zugleich und zudem mitreißend erzählt, so dass man das Buch nicht mehr zur Seite legt, bis man es beendet hat. Alle Erlebnisse sind Geschichten der italienischen Sippe des Autors, denn Jan Weiler hat selber eine italienische Frau geheiratet. Der Bestseller wurde kürzlich mit Christian Ulmen als Jan und Mina Tander als seine Frau Sara verfilmt und läuft derzeit im Kino.
Der Autor
Jan Weiler wurde 1967 in Düsseldorf geboren. Er arbeitete zunächst als Texter in der Werbung. Nach dem Besuch der Deutschen Journalistenschule begann er beim „Süddeutsche Zeitung-Magazin", wo er elf Jahre in unterschiedlichen Funktionen arbeitete, die letzten fünf Jahre als Chefredakteur. Seit 2005 ist er freier Schriftsteller. Jan Weiler verfasst vor allem Romane, Kolumnen, Hörspiele und Drehbücher und tritt auch als Sprecher auf seinen CDs und als Vorleser auf Tourneen durch ganz Deutschland in Erscheinung. Im September 2009 erscheint seine Stern-Kolumne „Mein Leben als Mensch“ bei Kindler.
Jan Weiler
Maria, ihm schmeckt’s nicht! – Geschichten von meiner italienischen Sippe
Ullstein Taschenbuch
288 Seiten
ISBN: 978 3 548 26985
6 9,95 €
Weiterführende Links
im Jugendnetz:
- Weitere Buchtipps
- Weitere Artikel von Elisabeth Böker
- Stichwort Literatur / Lesen
im weiteren WWW:


