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Buchtipp: Schmierfinken – Politiker über Journalisten.
25 Politiker schreiben über Journalisten. Sie haben sich meistens ihren Lieblingsjournalisten ausgesucht, schreiben über seinen Werdegang und fügen drei-vier nette Anekdötchen hinzu. Zu Wort kommen unter anderem Karl-Theodor zu Guttenberg, Guido Westerwelle, Claudia Roth oder Dieter Althaus. Sandra Maischberger, Frank Plasberg, Franz Josef Wagner oder Robert von Heusinger, alles bekannte Schreiberlinge, werden von ihnen und anderen Vertretern der Politik in dem Buch geradezu in den Himmel gehoben.
Strategisches Schreiben
Im Grunde beten die Politiker nur ihre eigenen Lebensläufe nach. Wie es die CDU-Politikerin Julia Klöckner richtig auf den Punkt gebracht hat. Sie schreibt nicht über einen bestimmten Journalisten, sondern allgemein. „Ich würde strategisch denken, vielleicht ein wenig wohlwollend texten, bisweilen eine idealistische Note unterbringen und hier und da sogar ein wenig sadistisch formulieren. Ziemlich sicher trifft man sich ja noch mal in diesem winzigen Hauptstadtbiotop zwischen politisch-journalistischen Häppchen.“
Abrechnung
Sehr selten traut sich ein Politiker ein kleines kritisches Wörtchen. Und wenn doch stellt sich heraus, dass der Journalist nicht mehr aktiv ist. – Gut, Alice Schwarzer kommt auch nicht zu positiv weg. Aber zählt die Feministin heute wirklich noch? Oder aber es ist eine persönliche Abrechnung, so wie bei Cornelia Pieper. Die stellvertretende Bundesvorsitzende der FDP nutzt ihren Beitrag, um die Hanf-Affäre noch mal Revue ziehen zu lassen und der damaligen Volontärin des Sterns – namentlich wird sie nicht genannt – nochmals mitzuteilen, wie sehr sie von der folgenden Medienskandalisierung getroffen war. Die Volontärin entdeckte nämlich eine Hanf-Pflanze auf Piepers Terrasse, die der pubertierende Sohn aus Vogelfutter gezüchtet haben soll. Die Journalistin verkochte dies in einem Artikel – ein gefundenes Fressen für so manch anderes Medienorgan.
Schmierfinken
Im ganzen Buch lässt sich zwischen den Zeilen die Angst der Politiker herauslesen. Sie haben Sorge, nach einem kritischen Wörtchen bald im Feuer der Medien zu stehen. Insofern interessant, als das man sieht, wie viel Achtung vor der schreibenden Zunft noch besteht. Dadurch ist es jedoch eine einzige Lobhudelei. Daher trägt das Buch den Titel zu Unrecht. Hier wird nicht mit den schmierenden Journalisten abgerechnet, sondern lediglich von den Politikern schönste Worte aufs Papier geschmiert.
Maybrit Illner und Hajo Schumacher (Hrsg.)
Schmierfinken – Politiker über Journalisten
Heyne
ab 14
ISBN 978 3 453 62037 7
7,95 Euro
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