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extra freie zeit: Sonntags um halb zehn

extra freie zeit: Sonntags um halb zehn

Junge Menschen, die regelmäßig einen Gottesdienst besuchen? In vielen Orten sucht man da vergebens. Die Kirche hat ein Nachwuchsproblem. Doch vor allem in ländlichen Regionen haben christliche Jugendverbände noch immer einen großen Einfluss.

 
 

Es ist sonntagmorgens um halb zehn in einem kleinen Ort irgendwo in Deutschland: Gottesdienstzeit. Nur rund 40 Menschen haben den Weg in die Kirche gefunden: Neben Pfarrer und Organist haben die meisten Gottesdienstbesucher ergrautes Haar. Die einzigen jungen Teilnehmer am Gottesdienst sind die Konfirmanden - und die sehen verschlafen aus, beinahe so, als wären sie froh, nach ihrer Konfirmation sonntags wieder ausschlafen zu können. Die Kirche hat ein Nachwuchsproblem. Junge Leute sollen durch Jugendgottesdienste und eine modernere Liturgie in den Gottesdienst gelockt werden - mit mäßigem Erfolg.

Bisher hatte die Kirche auf dem Land nie ein Problem: Man ging sonntagmorgens in den Gottesdienst und die Kinder mussten mit, ob sie wollten oder nicht. So ging das von Generation zu Generation. Wenn der Paul nicht in die Kirche ging, sprach sich das schnell herum, und ein Gemeindemitglied klingelte an der Haustüre, um nach den Gründen des Fernbleibens zu fragen. So war das früher. Heute werden die Leute nicht mehr unter Druck gesetzt, aber man versucht ihnen den Glauben auf anderen Wegen schmackhaft zu machen: Das fängt im Krabbelalter an. Auf dem Land ist oft keinerlei Einrichtung für Mütter mit Kleinkindern vorhanden - bis auf den kirchlichen Krabbelkreis. Erste Geschichten aus der Bibel erzählen oft die Erzieherinnen,  weil Kindergärten ebenfalls meist kirchlich sind und Kindertagesstätten zwischen Bauernhöfen und Dorfschulen noch ein Fremdwort sind.

In der Schule gibt es Religionsunterricht, meist vom Dorfpfarrer persönlich gehalten - in weiten Teilen Deutschlands obligatorisch. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts forderte die Kirche Religion als festen Bestandteil des Lehrplans, da in dieser Zeit viele kirchliche Schulen verstaatlicht wurden. Spätestens in der Schule wollen die Jugendlichen immer mehr selbstständig ohne Eltern machen. Gerade in den kleinen Gemeinden auf dem Land, wie auf der Schwäbischen Alb oder im Schwarzwald, sind die christlichen Jugendorganisationen meist die einzigen, die der Jugend ein Freizeitangebot bieten. So zum Beispiel der Christliche Verein Junger Menschen (CVJM) oder die Katholische Junge Gemeinde (KJG). Neben der Kinderkirche oder der Jungschar bieten sie häufig auch Sport-, Kultur- und Betreuungsangebote.

So wird samstagabends die Kirche für das Konzert einer christlichen Rockband freigeräumt und beim Jugendtreff im Gemeindehaus gibt es die Möglichkeit, eine Runde Billard zu spielen oder mit dem anderen Geschlecht zu flirten. Die Ausbildung zum christlichen Jugendleiter lockt immer mehr Jugendliche an, weil sie hier mit Gleichaltrigen zusammen kommen können. Neben Sportvereinen und staatlichen Freizeitangeboten spielen die religiösen Jugendverbände also durchaus noch eine bedeutende Rolle. Schwieriger ist für die Kirche, Jugendliche für den Gottesdienst zu begeistern. Zu groß ist das Alternativangebot, zu gering oftmals das Interesse bei Jugendlichen an einem Gottesdienst teilzunehmen. Hier verliert die Kirche zunehmend an Einfluss.

Weiterführende Links

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