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extra recherchefahrt straßburg: Eine Scheibe Ordnungssinn, s'il vous plait!

extra recherchefahrt straßburg: Eine Scheibe Ordnungssinn, s'il vous plait!

Wenn es um Ordnung geht, steht der Klischee-Deutsche immer an oberster Stelle der Liste. „Deutschland gefällt mir sehr gut, denn hier ist es sauber und sicher“, sagt Filip, ein Besucher aus Polen. Unseren Nachbarn jenseits des Rheins dagegen sagt selbst „écoute“, die von Muttersprachlern geschriebene Sprachzeitschrift, ein fehlendes Umweltbewusstsein nach. Und die französische Unpünktlichkeit ist über die Grenzen hinaus bekannt.

 
 

In Frankreich liegt mehr Müll auf den Straßen als  hierzulande. Unser Nachbar sollte deshalb tatsächlich umweltbewusster werden. Aber diese Sorglosigkeit liegt nicht am französischen Charakter, sondern eher daran, dass in Frankreich kein Pfand für Dosen oder Plastikflaschen erhoben wird. Da liegt es dann an der Politik, für Nachhaltigkeit zu sorgen.

Unterschiede in der Organisation

Aber nicht nur die Städte spiegeln den nationalen Ordnungssinn wieder, auch wirtschaftliche Arbeitsweisen folgen einer bestimmten Ordnung- oder auch nicht. „Unternehmensberatung für transkulturelles Beziehungsmanagement“. Eine solche Institution beschäftigt sich damit, zu vermitteln, wenn zwei Kulturen am Arbeitsplatz aufeinanderprallen. Vertreter der Branche und ebenso des Deutsch-Französische Instituts (dfi) sagen, es gäbe eindeutig unterschiedliche Arbeitsweisen bei Deutschen und Franzosen. Sei es, dass der Franzose zuerst seinen Geschäftspartner kennen lernen will, während der Deutsche sofort mit den Planungen beginnt. Der Franzose möchte Spaß an der Arbeit haben und kreativ Möglichkeiten ausprobieren, während der Deutsche zunächst alles durchdenkt. In dem Gebiet ist es wohl am Deutschen, sich von dem französischen „savoir-vivre“ anstecken zu lassen. Schließlich soll Arbeit nicht reines Geldverdienen sein. Herausforderung und Vergnügen an der Arbeit machen einen Job erst sinnvoll.

Alles in Ordnung?

Wie ist das nun wirklich mit der deutschen Ordentlichkeit? Im Gedanken an mein unaufgeräumtes Zimmer, an den chaotischen Hinweg zu unserer Recherchefahrt nach Straßburg und die Verspätungen der Deutschen Bahn relativiert sch für mich das Klischee. Und doch ist es bemerkenswert, wie die Politik ein Volk prägen kann. Oder andersherum? Die Journalistin Romy Straßenburg findet weniger, dass nationale Klischees Charaktere von Menschen beschreiben, sondern vielmehr für zugewiesene typische Eigenschaften stehen, in denen sich bestimmte gesellschaftliche Traditionen und Zustände widerspiegeln. Aber auch die Politik trägt kräftig zur Klischeebildung bei: So lässt das Dosenpfand den Deutschen als Ordnungstier dastehen.

Dieser Artikel entstand im Rahmen der Recherchefahrt "Rendez-Vous in Straßburg" der Jugendstiftung Baden-Württemberg und der Jugendpresse Baden-Württemberg.

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