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extra kommunikation: Fremd im eigenen Land

extra kommunikation: Fremd im eigenen Land

Ein Land, eine Sprache? Denkste! Von Kiel bis zum Bodensee werden die verschiedensten Dialekte gesprochen. Susann Striebel berichtet von einem Mädchen, das mit seiner Familie von Sachsen nach Baden-Württemberg zog und niemals dachte, dass ihr Dialekt so viele Probleme mit sich bringen würde.

 
 

Es ist kurz nach der Wende, politisch gesehen eine schwierige Zeit für Deutschland: Das Land ist geografisch und politisch wiedervereint. Die Ost- und Westbevölkerung Deutschlands fühlt sich dennoch getrennt und Vorurteile prägen das Bild über Ossis und Wessis. Eine schwierige Situation -  vor allem, wenn man sich entschließt, Ostdeutschland zu verlassen und in den Westen Deutschlands zu ziehen.

Von Ost nach West

Diesen Weg wählten die Eltern von Adrian Wagner. Sie erhofften sich von dem Umzug von Sachsen nach Baden-Württemberg bessere Perspektiven für die Familie. Am Anfang hatten sie die gewöhnlichen Probleme die aufkommen, wenn man einen Neustart wagt. Dass seine Schwester wegen ihres sächsischen Dialekts gemobbt werden könnte, hätte Adrian allerdings nicht gedacht.


„In der Schule kam es zu Beschimpfungen und Diskriminierungen, sogar seitens der Lehrer und des Direktors“, berichtet Adrian. Die Reaktion seiner Schwester war, „dass sie kaum noch geredet hat und sich nicht mehr meldete.“ Aufgrund des Leistungsabfalls ihrer Tochter dauerte es nicht lange, bis die Eltern zu einem Gespräch in die Schule gebeten wurden.
Allerdings hatten auch sie Schwierigkeiten, sich zu verständigen. Das Problem: Sie sprachen so sehr Dialekt, „dass die Verständigung schwer fiel und sie sich nicht ernst genommen  fühlten“, schildert Adrian seine Eindrücke.

Das einzige, was in diesem Fall half, war ein Schulwechsel. Hierbei wurde die Tochter der Wagners allerdings nicht auf ein anderes Gymnasium, sondern auf eine Realschule geschickt, da sich ihre Leistungen derart verschlechtert hatten. Um den jüngeren Adrian und dessen Bruder vor solch einem Umgang zu bewahren, vermieden die Eltern fortan ihren Dialekt zu sprechen und wenn eines der Kinder damit begann, gab es Ärger.

Adrians Schwester, heute Bauzeichnerin, wird traurig, wenn sie an die Ereignisse nach dem Umzug ihrer Eltern denkt. Am meisten trifft sie eine Tatsache: Bis heute ist ihr die Möglichkeit, ihr Abitur nachzuholen, verwährt geblieben. Schließlich ist es nicht für jeden vereinbar, tagsüber zu arbeiten und abends in die Schule zu gehen.

Ausländer im eigenen Land

Heute ist Adrian froh darüber, dass sich diese Situation im Laufe der Jahre gelegt hat und er selbst nicht mit derselben Situation wie seine ältere Schwester konfrontiert wurde. Seine Meinung zu der schweren Zeit, die seine Schwester durchmachen musste: „Es ist schlimm, dass es zu solchen Situationen kommen kann, in denen man sich im eigenen Land wie ein Ausländer fühlt.“

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