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extra freiheit: Als Beamter im Gefängnis
Um 6.15 Uhr beginnt mein Tag, ich habe Frühdienst heute. Dort angekommen erfolgt die erste Durchsage: Fertig machen zum Frühstück. Die ersten zwei Gefangenen werden von mir herausgelassen, sie sind die sogenannten Reiniger. Diese putzen tagsüber die Flure und Ähnliches. Es sind ausgewählte Insassen, Vertrauenspersonen. Um 6.30 Uhr beginne ich mit der Fühstücksausgabe. Die Reiniger helfen mir dabei. Der eine gibt das Frühstück aus, der andere Schreibpapier, verschiedene Anträge und Hygieneutensilien, die ein Gefangener täglich bekommt. Nach dem Frühstück werden alle Insassen wieder eingeschlossen.
Bürokratie und Kontrolle
Die abgegeben Papiere sortiere ich und ordne sie den Fächern der Häftlinge zu. Anschließend gehe ich wieder in meine Abteilung zurück, denn die arbeitenden Insassen müssen herausgelassen werden. Ein Werkmeister nimmt sie mit in die Werkhalle, während ich mich zu einer der ungeliebtesten Arbeiten aufmache: Der Zellendurchsuchung. Für mich ist diese Kontrolle nicht sehr angenehm, denn ich muss auch die persönlichen Gegenstände auf verbotene Dinge durchschauen. Die Betten und Matratzen werden auf das Genaueste überprüft so wie die Gitterstäbe vor dem Fenster. Ich untersuche, ob sie angesägt wurden. Meistens habe ich nichts zu melden, dass freut mich immer wieder.
Was wäre wenn…?
Wenn ich so durch die Abteilungen schlendere geht mir manchmal ein Gedanke nicht aus dem Kopf: Was würdest du dich als Insasse verhalten? Die meisten Häftlinge begegnen mir gegenüber mit einer gewissen Loyalität, auch ich verhalte mich ihnen gegenüber natürlich ohne Vorurteile. Trotzdem erwarte ich, dass meine Anweisungen durchgeführt werden. Das Verhältnis zwischen Insassen und Vollzugsbeamten ist im Grunde in Ordnung.
Leben nach Plan
Gegen 9.30 Uhr beginnt meine Abteilung mit dem Hofgang, welcher eine Stunde lang dauert.
In dieser Zeit muss ich weitere Zellen kontrollieren. Um 10.30 Uhr erscheinen die Hofgänger auf dem Stockwerk und werden wieder eingeschlossen. Gegen 11.05 Uhr ertönt die Durchsage zum Mittagessen. Wieder fahren die Reiniger mit dem Essenswagen von Zelle zu Zelle. Um 11.40 Uhr sammele ich mit den beiden Kollegen die Essensteller ein. Am Mittag können die Häftlinge dann auch noch einmal arbeiten gehen. Zwischen 13.30 Uhr und 15.30 Uhr erfolgt der sogenannte Umschluss, die Insassen können sich jetzt gegenseitig besuchen. In den Zellen schauen sie Fernsehen, machen Spiele oder plaudern einfach miteinander. Bei mir ist heute um halb vier Schluss, mich löst der Spätdienst ab.
Kein Beruf für zarte Gemüter
Wir als Vollzugsbeamte haben es nicht immer leicht. Wutausbrüche, Angriffe und ab und an auch Selbstmordversuche von Häftlingen. So kann ich den Tagesablauf nicht einfach vergessen, wenn ich zuhause von meiner Familie erwartet werde und in „Freiheit“ gehe. Zuhause sitze ich meist erstmal fünf bis zehn Minuten da, um abzuschalten. Morgen ist wieder ein Tag hinter Gittern, hinter denen Freiheit für viele nur ein Traum bleibt.
Weiterführende Links
im Jugendnetz:
- Alle Artikel zum extra freiheit
- Stichwort Straffälligkeit
- Stichwort Politik
im weiteren WWW:
- Die Website der Justizvollzuganstalt Lingen
- Infos von der Seite Planet Wissen über das Leben hinter Mauern
- Weitere Erfahrungsberichte von Justizvollzugsbeamten


