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extra freiheit: Freiheit - Ein Fremdwort

extra freiheit: Freiheit - Ein Fremdwort

Eine Stunde Hausarrest, Fernsehverbot oder das Handy wird weggesperrt. Solche Bestrafungen kennt fast jeder, aber wie sieht es aus, wenn man für wirklich schlimme Taten gerade stehen muss? Ich meine jetzt nicht, wenn man seiner kleinen Schwester den Teddy klaut, sondern richtige Straftaten die einen hinter Schwedische Gardinen bringen. Beinahe uneingeschränkte Freiheit bestimmt unser Leben. Aber was, wenn „Freiheit“ zum Fremdwort wird?

 
 

Viele haben schon von der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Stammheim gehört. Aber ich hoffe doch ihr habt sie nur von außen gesehen. Denn ansonsten würden eure Tage wie folgt aussehen:

Ein Neuer

Es ist 7.45 Uhr, ein Häftling, nennen wir ihn Peter, wird gerade wegen Diebstahl zu drei Jahren Haft eingeliefert. Als erstes werden seine Personalien aufgenommen, persönliche Dinge wie Geld, Schmuck und Zigaretten werden eingesammelt. Das Geld wird auf einem Konto bei der Zahlstelle gutgeschrieben. Anschließend bekommt Peter die Anstaltskleidung ausgehändigt, von seinen schicken Markenklamotten muss er sich verabschieden. Der Gefangene wird auf seine Station gebracht und dort von seinem Abteilungsleiter empfangen, der ihm sogleich die Dienstanweisungen erklärt. Kurz darauf kommt er in seinem neuen Zuhause an: eine Einzelzelle mit acht Quadratmetern.

Keine Ablenkung

Peter ist alleine. Hier ist er erstmal seinen Gedanken schutzlos ausgeliefert: Wie kam er hier her? Wie konnte es überhaupt soweit kommen? Was macht seine Familie, draußen in der für ihn unerreichbaren Welt. Er läuft auf und ab, die Enge drückt ihm aufs Gemüt. Wie hält er diese Situation jetzt Monate, vielleicht Jahre aus? Er kann die neue Situation nicht recht begreifen. Aus reiner Ruhelosigkeit macht er sein Bett zurecht, legt sich hin. Was tun? Gegen 11.00 Uhr geht die Zellentür endlich wieder auf. Zeit zum Mittagessen. Es gibt Kohlrouladen mit Kartoffelbrei und Salat. Schmeckt gar nicht so schlecht, wie er befürchtet hatte.

Nur das Nötigste

Nachdem die Essensteller vierzig Minuten später wieder eingesammelt werden, legt sich Peter hin und döst vielleicht eine Stunde lang, sonst weiß er nichts mit sich anzufangen. Gegen 16.00 Uhr kommt der Aufseher und bringt ihm Schreibbögen und andere Papiere, darunter Anfragen an einen Pfarrer oder Sozialarbeiter, die er stellen kann. Gleichzeitig erhält Peter Zahnpasta, Bürste, Toilettenpapier und einen Einwegrasierer. Um 17.15 Uhr gibt es schließlich Abendessen. Das heutige Menü besteht aus Tee, Schwarzbrot, Butter und verschiedenen Wurstsorten.

Briefkontakt zur Außenwelt

Nach dem Essen setzt sich Peter an den Tisch und schreibt seiner Familie. Bis um 23.00 Uhr hat er Zeit, dann geht das Licht aus, wie eine Viertelstunde davor angekündigt wird. In dieser Form spielt sich etwa jeder Tag ab. Relativ eintönig ohne besondere Ereignisse. Am nächsten Morgen gibt er seine Schreiben den Beamten. Der Brief an seine Frau hat allerdings noch einen weiten Weg vor sich, bevor sie ihn in Händen halten kann. Erstmal wandert er zum Gericht, wo er zensiert und kontrolliert wird. Danach braucht er noch etwa eine Woche, bis er sein Ziel erreicht hat. Heute stellt er auch einen Antrag auf Arbeit, woraufhin er nach etwa zwei Wochen in der Buchbinderei anfangen kann. Im Laufe des Tages lernt er die anderen Häftlinge kennen, beim Hofgang wird geplaudert und es bahnen sich oft neue Freundschaften an, denn gemeinsam hält man die Monotonie und die Verzweiflung besser aus. Es werden Treffen vereinbart, bis schließlich jeder wieder in seine eigene Zelle zurückgeführt wird.

Ein Lichtblick

Kurze Zeit später kommt ihn seine Frau besuchen, der schönste Tag seit langem! Ein kleiner Farbenklecks im grauen Alltag im Gefängnis. Noch zwei Jahre, dann kann er endlich wieder hinaus - und so frei sein wie wir.   


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