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Verloren zwischen Irakkrieg und Finanzkrise

Verloren zwischen Irakkrieg und Finanzkrise

Jeder zweite Haushalt in den USA hat einen PC, fast alle mit Zugang zum Internet. Die Amerikaner suchen damit mittels Google die Themen "Britney Spears" und die Ergebnisse der Football-Bundesliga. Der amerikanische Traum taucht in diesen Statistiken nicht auf, auch wenn er mehr als eine eigene Website hat. Noir-Redakteurin Georgia Hädicke ist auf der Suche nach dem amerikanischen Traum.

 
 

Alle Menschen träumen anders

Kurz vor den Wahlen glauben über 70 Prozent der Amerikaner, dass es immer schwieriger, wenn nicht unmöglich wird, den Traum noch zu leben. Auf das Stichwort werden die guten alten Zeiten - das "Golden Age"- heraufbeschworen: Früher konnte aus einem Tellerwäscher ein Millionär werden. Heute braucht der Tellerwäscher dafür zuerst eine Krankenversicherung, ohne die er von keinem Arzt behandelt wird. Er braucht einen Collegeabschluss, der pro Jahr 15.000 bis 30.000 Dollar Studiengebühr kostet. Und er muss einen Kredit aufnehmen, für den er die Zinsen kaum bezahlen kann. Alle Menschen träumen anders, manche in Farbe, manche in schwarzweiß, manche nur in Bildern, manche mit Ton.

Die Aussicht, genauso individuell leben zu können wie wir träumen, war es, die in den 30er Jahren Menschen aus Europa in die Küstenstädte der USA lockte, auf der Suche nach dem "American Dream". Heute füllt diese Hoffnung die Auffanglager für illegale Einwanderer an der Grenze zu Mexiko. Green Cards, die dauerhafte Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis, sind nach wie vor die beliebtesten Visa überhaupt. Doch scheinen es hauptsächlich Menschen von anderen Kontinenten zu sein, die noch an den Traum der amerikanischen Nation glauben. Allerdings bedeutet auch für sie ein gelebter Traum meistens vor allem eins: Wohlstand. "Der amerikanische Traum bedeutet, einfach reich zu sein", lautet der frustrierte Kommentar einer Umfrage.

Beinahe etwas Traumhaftes

Der Traum von Amerika ist immer die Vorstellung von mit Gold gepflasterten Straßen gewesen. Er hat sich stets durch den Kapitalismus definiert und nie ein Geheimnis daraus gemacht. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit sind Schlüsselworte der Demokratie, wie sie die Amerikaner lieben, doch reichen sie heute nicht mehr aus um damit einen Wahlkampf zu gewinnen. Selbst der "American Dream Candidate" Barack Obama verlässt sich lieber auf die Lobbyisten, die ihm den Wahlkampf finanzieren, als auf die reine Magie der Rhetorik, die sich Martin Luther King in seiner "I have a dream"-Rede vor rund 40 Jahren zunutze machte.

Der amerikanische Traum, wie es ihn einst gab - da sind sich die meisten einig - ist zwischen Irakkrieg und Finanzkrise irgendwie verloren gegangen. Doch die Amerikaner wären nicht sie selbst, würden sie nicht schon wieder an einer neuen Idee basteln, die sie sich auf ihr Sternenbanner schreiben können. Der Klimaschutz ist das neue Programm der unerschütterlichen Optimisten am anderen Ende des Atlantiks. Denn wo sich der Enthusiasmus alter Träume allmählich in Luft auflöst, bekommen die Worte "erneuerbare Energie" einen ganz neuen Klang. Beinahe etwas Traumhaftes.

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