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extra abenteuer: Blind Date

extra abenteuer: Blind Date

Jeder kennt den Nervenkitzel bei einem Blind Date. Unsere Autorin sah wirklich nichts - und traf: ein leckeres Drei-Gänge-Menü.

 
 

Um mich herum ist es stockdunkel. Mit verbundenen Augen sitze ich in diesem scheinbaren Nichts und umgreife unbeholfen eine kalte Gabel. Mit meiner anderen Hand nehme ich ein Messer, taste vorsichtig einen Teller ab. Warum ich das mache? Ursprünglich wollte ich einen Erfahrungsbericht über das Restaurant "Unsichtbar" in Hamburg schreiben. Es erhält seinen ganz besonderen Reiz dadurch, dass die Gäste ihr Essen in völliger Dunkelheit verzehren. Den Gästen bietet sich ein außergewöhnliches Geschmackserlebnis. Falls es Probleme gibt, stehen blinde Kellner zur Verfügung.

Wenn auch das gebotene Erlebnis seinen Preis durchaus wert ist, habe ich mich dazu entschlossen, ein Experiment zu wagen und die Situation in den heimischen Wänden nachzustellen. Ich habe mir die Augen verbunden und einen Laienkoch engagiert. Gespannt sitze ich am Esstisch und versuche den ersten Gang zu erschnuppern. Ohne Augen bleibt für mich die Sache vorerst jedoch ungeklärt. Unklar ist nicht nur, was eigentlich auf meinem Teller liegt, sondern auch, wo es sich befindet. Nachdem ich mehrmals versucht habe, eines der Häppchen durchzuschneiden, spieße ich nun etwas rabiater das nächstbeste Stück auf meine Gabel und balanciere es in den Mund.

Die Welt in einem anderen Licht

Ich verzweifle jedoch bald daran, dass ich tatsächlich nicht in der Lage bin, zu schmecken, was ich gerade gegessen habe. Das hätte ich nicht gedacht. Nachdem ich beim nächsten Stück fünfmal daneben gestochen und mir die Hände mit Sauce verschmiert habe, gelingt es mir dann doch, es aufzuspießen. Es ist mir jetzt erstmals möglich zu bestimmen, was ich da esse: eine Frühlingsrolle. Mit jedem neuen Bissen wird mir klarer, wie sehr mich meine Augen sonst beim Essen begleiten. Als ich unbedacht nach meinem Glas greife, ernte ich lautes Lachen. Mein Glas landet auf dem Boden, dessen Inhalt auf meinem Koch.

Mit der Zeit aber werde ich besser und finde mich zurecht. Ein Kaviarbrötchen befördere ich gekonnt in meinen Mund. Dann erwische ich einen "ganz besonderen Leckerbissen", so mein Koch. Genüsslich beiße ich zu. Doch plötzlich brennt meine Zunge wie Feuer. "Oh, das war wohl ein Senfbrot", grinst er. Obwohl ich mit verbundenen Augen hilflos scheine, tauche ich in eine andere Sinneswelt ein. Ohne Augen sieht man nichts, empfindet aber die Welt in einem anderen Licht.

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