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Buchrezension: "Wunderland" von Sophie Albers

Buchrezension: "Wunderland" von Sophie Albers

Es gibt sie - die Parallelgesellschaften in Deutschland. Das leugnet keiner mehr, und als Sarrazin sein Buch veröffentlichte, ist das Thema einmal mehr in den Medien hervorgehoben worden. Geändert hat sich seitdem nichts und jetzt beschäftigt sich die Welt mit anderem. Doch die Journalistin und Autorin Sophie Albers hat sich mit Jugendlichen mit Migrationshintergrund auseinandergesetzt und ihnen in ihrem Buch „Wunderland“ ein literarisches Werk gewidmet.

 
 

Hanna ist Journalistin und soll ein Portrait über die Parallelgesellschaft schreiben, die in Berlin-Neukölln lebt und großteils aus Jugendlichem mit Migrationshintergrund besteht. Dabei trifft sie Tamer, einen Deutschen mit libanesischem Vater, dessen Werte und Traditionen sich sehr von den ihren unterscheiden: So zahlt er ungefragt den Kaffee für Hanna mit, und wehrt jeden Einspruch ihrerseits vehement ab. Er schimpft auf Juden und Schwule; dabei ist Hanna selbst Jüdin und ihr bester Freund schwul. Mal ist Tamer ein Macho, mal ist er zuvorkommend. Nach und nach wird Hanna in seinen Bann gezogen und verliert den Abstand, der für ihre journalistische Arbeit erforderlich wäre...

Ein eigenes Berlin

Die Autorin Sophie Albers – selbst eine Journalistin – legt mit „Wunderland“ ihren ersten Roman vor. Man kann nur hoffen, dass es nicht ihr letzter bleibt: Sie beschreibt ihre Welt mit treffender, alltäglicher Sprache; sie schreibt so, wie sie die Dinge sieht und konstruiert ihr ganz eigenes Berlin. In Umgangssprache, aber niemals trivial, führt die Autorin in das Innenleben der angepassten Deutschen Hanna ein und offenbart deren Konflikte mit ihrer Umwelt in gleichem Maße, wie sie auch Tamers Gefühle langsam ertastet.

Subjektiv aber ohne Wertung

Obwohl sie immer subjektiv formuliert, bemüht Albers sich, nicht zu werten, sie beschreibt nur einen Menschen, der nach außen hin jedes Klischee des Migranten bestätigt: Von der schlechten Bildung über die schlechten Manieren bis hin zu der mangelnden Ausdrucksfähigkeit. Doch gleichzeitig ist Tamer ein junger Deutscher, der Libanon noch die gesehen hat. Er ist ein junger Mann, der mit seiner „alles egal“-Einstellung auch Hannas Werte auf den Prüfstand stellt, der in wirklich wichtigen Situationen aber auch einen klaren Kopf behält. Tamer ist nach außen vielleicht klischeehaft, innen aber ganz anders als vermutet.

Sophie Albers zeichnet zwei Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, und verwebt ihre Schicksale in der Multikulti-Stadt Berlin zu einem eindrucksvollen Gesamtkunstwerk.

Dieser Artikel gewann den thema-Award im Juni 2011.

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